«Gemeinsam den Weg aus dieser Krise finden»

Der Autor und Branchen-Insider Erich Witschi (60) arbeitet für Globetrotter und betreut die Helpline.
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Diverse Feedbacks meiner Kunden, Bekannten, Verwandten und Freunden zeigen ein klares Bild: Es warten alle gebannt darauf wieder fliegen zu können, und zwar nicht erst nächstes Jahr, sondern subito.

Auch in verschiedenen Blogs tönen die meisten Kommentare ähnlich. In erster Linie zwei Faktoren tragen jedoch dazu bei, dass die erhoffte Buchungswelle nicht anrollt:

  1. die offensichtliche Unsicherheit betreffend Einreisebedingungen und Restriktionen in den Zielländern die fast täglich ändern und
  2. das von vielen Airlines verursachte Chaos mit wirren Flugplänen und kurzfristigen Annullationen.

Um dem entgegenzuwirken hat bekanntlich die LH Group Mitte Juni voller Stolz Tarife mit einer ‚Rückreisegarantie‘ verkündet und dabei abermals die Reisebüros links liegen gelassen, indem sie diese Tarife nur online oder im NDC laden wollte. Dies hat zum Glück in der Branche einen Shitstorm ausgelöst und die LHG zum Einlenken bewegt (zum allgemeinen Erstaunen).

Eigentlich kann es sich bei der ganzen Aktion nur um einen Marketing-Gag handeln, um damit weitere verunsicherte Kunden zu einer Buchung zu bewegen und gleichzeitig wieder ein paar dringend benötigte Euro in die Kasse zu spülen. Es ist schlicht und einfach nicht möglich, diese Garantie in jedem Fall zu erfüllen. Sobald die Grenzen im Ankunftsland wieder geschlossen und alle Flüge storniert werden, bleiben die Kunden wesentlich länger als die versprochenen 48 Stunden am Zielort sitzen. Und, noch viel wichtiger; bevor man eine Rückreisegarantie anbietet, sollten alle Airlines zuerst eine HINREISEGARANTIE abgeben!

Was nützt eine gesicherte Rückreise, wenn die Hinreise storniert, oder X-mal verschoben wird (spreche aus eigener Erfahrung). Gegenwärtig herrscht, insbesondere innerhalb Europa, bei der Flugplanung ein gewaltiges Chaos. Flugpläne werden nur kurzfristig und für eine kurze Dauer publiziert. Im GDS erscheinen Flüge die es gar nicht gibt – oder sie erscheinen und verschwinden ein paar Tage später wieder. Eine Flugbuchung ist momentan zu einer Art Roulette oder Crapshoot geworden. Man bucht einen Flug und hofft, dass dieser dann effektiv auch durchgeführt wird.

Hotels, Mietwagen, Ferienhäuser oder gar Anschlussflüge zu buchen ist höchst riskant. Von Planungssicherheit keine Spur. Die Fluggesellschaften sind zwar in Sachen Umbuchungen sehr grosszügig, aber das nützt den meisten Betroffenen nichts, es sei denn, sie sind sehr flexibel und haben an Ort keine weiteren Leistungen gebucht.

Ein höchst dubioses Katz und Maus Spiel, das die Airlines momentan mit ihren bereits sehr verunsicherten Kunden treiben. Ganz zu schweigen von der Praxis die Flüge in gewisse Länder trotz kurzfristigen oder bestehenden Grenzsperrungen (z.B. UK) durchzuführen und dabei ihre Passagiere im Regen stehen zu lassen, indem sie die Erstattung des Flugpreises verweigern und darauf hinweisen, dass der Flug ja stattgefunden hat! All diese unsäglichen Machenschaften tragen nicht dazu bei den Tourismus wieder anzukurbeln und die Menschen zum Fliegen zu animieren.

Im Gegenteil – sie schaffen Verunsicherung und wirken abschreckend; und das in einer Zeit wenn in der ganzen Branche bei Airlines, Veranstalter, Reisebüros und allen Leistungsträgern an Ort, Zusammenarbeit gefragt ist. Airlines bilden nach wie vor das Rückgrat des weltweiten Tourismus und Geschäftsreiseverkehrs (auch wenn gewisse Kreise das nicht wahrhaben wollen). Das sollte eigentlich auch in den Elfenbeintürmen der Airlines nachvollziehbar sein. Es scheint aber, dass sie derzeit ausschliesslich darauf bedacht sind ihre eigene Haut  zu retten. Sie vergessen dabei jedoch, dass ein Weiterwursteln wie bis anhin bei ihren (sogenannten) Partnern grossen Schaden anrichten wird und sie sich dabei den Ast absägen auf dem sie sitzen.

Wenn es keine Reisebüros mehr gibt, fällt ein beträchtlicher Vertriebskanal weg. Wenn Hotels, Hotelketten oder Mietwagenfirmen verschwinden, fehlt an Ort die nötige Kapazität, was sich mittelfristig auch auf die Auslastung der Flüge auswirkt. Und so weiter. Wer also bis anhin darauf spekuliert hat, dass die Coronakrise ein Umdenken bei den Airlines hervorrufen würde hat sich geirrt – zumindest vorläufig. Bleibt zu hoffen, dass bei unseren Airlinepartnern bald wieder die Räson eingekehrt und wir, lieber früher als später, gemeinsam den Weg aus dieser Krise finden!