
Krisenlagen haben zu Erwartungen geführt, die weit über die einer herkömmlichen Büroumgebung hinausgehen.
Mit der Zunahme von Remote-Standorten, globalen Einsätzen und komplexen internationalen Entsendungen sind die Grenzen zwischen den Rechtsordnungen verschwommen.
Umfassender Ansatz für das globale Krisenmanagement
Die Landschaft der Unternehmensverantwortung hat sich grundlegend verändert. In einer Zeit, die von sich verschärfenden globalen Krisen geprägt ist, von verheerenden Naturkatastrophen bis hin zu plötzlichen geopolitischen Umbrüchen, können sich Unternehmen nicht mehr auf veraltete Sicherheitskonzepte verlassen.
Um Ihrer gesetzlichen und moralischen Sorgfaltspflicht heute gerecht zu werden, reicht es nicht mehr aus, sich auf grundlegende Sicherheitsmassnahmen im Büro zu beschränken; vielmehr ist ein proaktiver, umfassender Ansatz für das globale Krisenmanagement erforderlich, der Ihre Mitarbeiter überall dort schützt, wo sie tätig sind. Zu verstehen, wie sich diese erhöhten Risiken auf Ihren Betrieb auswirken, ist der erste Schritt zum Schutz Ihrer Mitarbeiter und zur Sicherung Ihrer Geschäftskontinuität.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Die Sorgfaltspflicht wurde erweitert: Die Verantwortung erstreckt sich nun auch auf die psychische Gesundheit und die Arbeit im Homeoffice und nicht mehr nur auf die physische Sicherheit am Arbeitsplatz.
- Proaktiv statt reaktiv: Ein effektives globales Krisenmanagement stützt sich auf Echtzeitinformationen und Risikominderung, um Bedrohungen abzuwehren, bevor sie eintreten.
- Compliance ist Schutz: Für CROs und Rechtsberater ist die Einhaltung moderner Compliance-Standards im Bereich der Sorgfaltspflicht der einzige Weg, um massive rechtliche und rufschädigende Folgen zu verhindern.
Warum sich die Natur des Risikos verändert
In Krisenzeiten bricht die operative Landschaft rasch zusammen, was Organisationen dazu zwingt, ihre Richtlinien zur Sorgfaltspflicht grundlegend zu überdenken. So haben beispielsweise Naturkatastrophen wie das Erdbeben in der Türkei und Syrien gezeigt, dass regionale Infrastrukturen, darunter Krankenhäuser, Mobilfunknetze und kommunale Rettungsdienste,augenblicklich ausfallen können.
Diese konkrete Realität hat die Massstäbe für die Unternehmensverantwortung verändert. Der Wandel im Bereich der Sorgfaltspflicht besteht in der neuen rechtlichen und moralischen Erwartung, dass globale Organisationen über unabhängige, redundante Evakuierungs- und medizinische Kapazitäten verfügen müssen.
Heutzutage wird man nicht mehr nur danach beurteilt, ob man Kontakt zu den lokalen Behörden aufgenommen hat, sondern danach, ob man über ein eigenes, im Vorfeld aufgebautes Logistiknetzwerk verfügte, um die Belegschaft im Falle eines Zusammenbruchs der lokalen Systeme evakuieren zu können. Ebenso führen sich verschärfende wirtschaftliche und politische Krisen zu einer Zunahme psychischer Probleme, was Unternehmen dazu veranlasst, umfassende psychologische Unterstützung in ihre grundlegenden globalen Sicherheitskonzepte zu integrieren.
Gesteigerte Erwartungen an Arbeitgeber
So sieht Compliance heute aus: Krisensituationen haben die Erwartungen weit über das Mass hinaus gesteigert, das in einer traditionellen Büroumgebung üblich war. Mit der Zunahme von Remote-Standorten, globalen Einsätzen und komplexen internationalen Entsendungen sind die Grenzen zwischen den Rechtsordnungen verschwommen.
Compliance bedeutet heute, ein ‘gemeinsames Lagebild’ aufrechtzuerhalten; also vollständige Transparenz darüber, wo sich Ihre Belegschaft weltweit zu jedem beliebigen Zeitpunkt befindet. Von Unternehmen wird erwartet, dass sie einen äusserst proaktiven Ansatz verfolgen und sich von reaktiven Massnahmen abwenden. Dies erfordert die nahtlose Integration von Risikoinformationen, die Entwicklung robuster Krisenmanagementmodelle und die Umsetzung von Notfallvorbereitungsmassnahmen, die mobile Mitarbeiter in allen Umgebungen und auf allen Reiserouten schützen.
Rechtliche und ethische Risiken bei Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht
Die rechtlichen und ethischen Auswirkungen der Sorgfaltspflicht in Krisenzeiten sind von grosser Bedeutung. Für eine Organisation ist die Einhaltung dieser Verpflichtungen nicht nur entscheidend für den Schutz ihrer Mitarbeiter, sondern auch für die Förderung ihrer ethischen Werte, was wiederum zur Bindung von Talenten und zur Aufrechterhaltung eines positiven Unternehmensrufes beiträgt. Es hat sich gezeigt, dass die Nichteinhaltung dieser Verpflichtungen zu Reputationsschäden, Produktivitätsverlusten, erhöhter Mitarbeiterfluktuation sowie zu Gesamtkosten für die Organisation führt.
Aufbau einer widerstandsfähigen Organisation
Strategien für das globale Krisenmanagement
Globale Krisen haben die Erwartungen daran erhöht, wie Organisationen ihre Geschäftskontinuität aufrechterhalten und ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen. Ein starkes globales Krisenmanagement beginnt bereits vor dem Eintreten eines Störereignisses und stützt sich auf klare Prozesse, die es Führungskräften ermöglichen, schnell und entschlossen zu handeln.
Zu den praktischen Strategien auf Unternehmensebene gehören:
- Umstellung auf dynamische Bedrohungsüberwachung: Statische jährliche Risikobewertungen sind überholt. Führen Sie eine in Echtzeit stattfindende, informationsgestützte Bedrohungsüberwachung ein, um geopolitische Verschiebungen und Naturkatastrophen zu antizipieren, bevor Ihre Mitarbeiter dadurch gestrandet werden.
- Aufbau einer unabhängigen Evakuierungslogistik: Entwickeln Sie szenariospezifische Krisenmanagementmodelle, die nicht auf die lokale kommerzielle Infrastruktur angewiesen sind. Dazu gehört die Vorabprüfung sicherer Transport- und Luftfahrtressourcen für den sofortigen Einsatz in strukturell gefährdeten Umgebungen.
- Einsatz von bidirektionalen Massenbenachrichtigungssystemen: Passive Kommunikation reicht für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften nicht aus. Nutzen Sie geolokalisierungsfähige Notfall-Massenbenachrichtigungssysteme, um kritische Warnmeldungen sofort zu versenden und umgehend ‘Sicherheitsbestätigungen’ von weltweit verstreuten mobilen Mitarbeitern zu erhalten.
- Prüfung anhand der Norm ISO 31030: Nutzen Sie Nachkrisenanalysen nicht nur, um zu erörtern, was schiefgelaufen ist, sondern auch, um Ihre Rahmenbedingungen für Geschäftsreisen und Sicherheit anhand strenger internationaler Standards wie ISO 31030 zu prüfen und sicherzustellen, dass Ihre Sorgfaltspflicht einer rechtlichen Überprüfung standhält. (Business Traveltip)








