
Nach der Übernahme der ehemaligen Migros-Reisetochter Hotelplan durch die Dertour Group könnten sich erste Konsequenzen im Schweizer Filialnetz abzeichnen.
Dertour bekräftigt zwar nach der Übernahme immer wieder, vorerst keine Reduktionen oder Entlassungen vorzunehmen. Vorerst. Man mochte das ‘Lippenbekenntnis’ auch nicht so recht glauben, wenn man den Deal aus rein wirtschaftlichem Aspekt betrachtet. Dies hat auch TRAVEL INSIDE in einem Kommentar spekuliert.
Es kommt wohl, wie es kommen muss
Laut dem ‘Blick’ könnte es mittelfristig eben doch zu Anpassungen bei den Filialen kommen – insbesondere dort, wo Hotelplan und Kuoni heute in unmittelbarer Nachbarschaft operieren.
Dertour-CEO Christoph Debus schliesse auch einen Stellenabbau in diesem Kontext nicht explizit aus, und liess sich in deutschen Fachmedien sogar recht deutlich zitieren: «Es wäre illusorisch zu glauben, dass alles so bleibt wie es ist.» Das sitzt.
«Laufende Optimierung» für flächendeckendes Filialen Netz
Insgesamt zählt Hotelplan Schweiz inklusive den Brands derzeit 71 Filialen, Kuoni und Partner rund 65. Gemäss der Recherche des ‘Blick’ existieren aktuell rund 37 Standorte, an denen sich die Reisebüros der beiden Marken in kurzer Geh-Weite befinden, darunter etwa im Glattzentrum in Wallisellen, wo sie sich sogar unmittelbar gegenüber liegen.
Dertour liess gegenüber dem ‘Blick’ offen, wie sich das Handling bezüglich der Filialen konkret entwickeln wird: Es solle weiterhin flächendeckend bleiben, und werde «laufend optimiert». Ziel sei es, Synergien zu nutzen und bessere Standorte zu sichern, ohne jedoch überstürzt zu handeln. Heisst im Umkehrschluss, dass aus unternehmerischer Sicht wohl einige der heute 136 Filialen rationalisiert und geschlossen werden.
Man darf durchaus annehmen, dass die neuen Eigentümer innerhalb der nächsten 12 Monate eine ‘Bereinigung’ des Filialnetzes anstreben. Bereits bei früheren Übernahmen in anderen Branchen, zum Beispiel bei den Banken, sind Doppelstandorte aufgegeben worden.
Besonders ‘gefährdete’ Filialen
Diese Filialen sind laut ‘Blick’-Recherchen weniger als 5 Minuten Gehdistanz auseinander, (fünf davon 15 Minuten):
- Aarau
- Baden
- Basel
- Bellinzona
- Bern
- Biel
- Brig
- Bülach
- Chur
- Frauenfeld
- Freiburg
- Genf
- La Chaux-de-Fonds
- Langenthal
- Lausanne
- Lugano
- Luzern
- Morges
- Neuenburg
- Nyon
- Schaffhausen
- Sion
- Solothurn
- St. Gallen
- Thun
- Uster
- Wallisellen
- Wil
- Winterthur
- Yverdon
- Zürich Hauptbahnhof
- Zürich Bellevue
- Zürich-Oerlikon
Erster Prüfstein und erste ‘Opfer’
Während Dertour noch an der Integration von Hotelplan arbeitet, dürfte das Filialnetz in der Schweiz zum ersten Prüfstein der neuen Eigentümer werden. Die unklare Situation sorgt derzeit für Verunsicherung in den Teams. Rund 1500 Mitarbeitende sind betroffen.
Erste ‘Prominente Opfer’ hat die Doppelspurigkeit und deren Abbau ja bereits gefordert: So verkündete Hotelplan-Urgestein und Schweiz-CEO Nicole Pfammatter per Ende September in einer emotionalen Botschaft ihren Abgang nach 17 Jahren.
Roland Birchmeier übernimmt ab sofort die Gesamtleitung von Kuoni Business Travel und BTA First Travel. Für Andreas Schneider, bisheriger Head of Kuoni Business Travel, ist dabei nach der Zusammenführung der beiden Einheiten ab Ende November kein Platz mehr (TRAVEL INSIDE berichtete).
Hotelplan Suisse CEO Laura Meyer postete Anfangs Oktober auf Linkedin ein Foto von sich beim Rosen schneiden in ihrem Garten mit folgendem Text: «Heute ist der erste Tag meines Sabbaticals! Wenn ich auf fünf eindrucksvolle und lohnende Jahre bei Hotelplan Group zurückblicke – insbesondere auf die letzten eineinhalb Jahre während des aufregenden Verkaufsprozesses – bin ich zutiefst dankbar für die Reise und bereit für ein neues Kapitel.»
Bis diese Zusammenführung der Nummern eins und zwei am Schweizer Reisemarkt vollzogen sein wird, dürfte noch die eine oder andere emotionale Personalie oder Spekulation dazukommen, und auch noch einige Zeit ins Land ziehen. (TI)








