HP, Kuoni & Co.: Es rumpelt gewaltig

Die neue, kommunizierte Chefstruktur wirbelt intern ziemlich auf: Weshalb, was steckt dahinter?
Nicht ganz einfach: Stephanie Schulze zur Wiesch, CEO Dertour Suisse, muss nun aus der Nummer 1 und 2 «eins» machen.. ©TRAVEL INSIDE

Pünktlich zur Zürcher Ferienmesse – und auch zum IAWA mit 310 Reiseprofis – hat die Dertour Suisse Chefin Stephanie Schulze zur Wiesch die Branche über die neue Chefstruktur an den beiden Hauptsitzen von Hotelplan und Kuoni informiert.

Das erinnert an die vor zwei Jahren ebenfalls pünktlich auf die Messe kommunizierte Absicht der Migros Führung, sich von Hotelplan zu trennen. Dies generierte sowohl innerhalb der Branche aber auch beim Publikum für erstaunte und enttäuschte Reaktionen.

Die jetzige Kommunikation betrifft in erster Linie die Angestellten in Glattbrugg (Hotelplan Suisse) und in Altstetten (Dertour Suisse, Kuoni) sowie in den Filialbetrieben. Aber nicht nur: Ob der spürbaren allgemeinen Verunsicherung in diesen beiden Häusern – notabene nach wie vor die Nummern 1 und 2 der Branche – reibt sich die Konkurrenz verdutzt die Augen und hofft auf Marktanteilsgewinne.

Konkurrenten mit Erwartungen

«Die haben intern in den nächsten Monaten, wenn nicht Jahren derart mit sich selbst zu tun, da ergeben sich für uns am Markt richtig gute Chancen», sagt ein nicht namentlich genannt wollender Mitbewerber gegenüber TRAVEL INSIDE. Bei den grossen TO dürfte insbesondere TUI Suisse stark an Marktanteilen im Bereich Bade- und Familienferien gewinnen. Aber auch viele unabhängige Spezialisten Marken hoffen auf mehr Umsatz.

Die aufgrund der Übernahme erfolgende Zusammenlegung der beiden Platzhirsche der Reisebranche ist in der Tat die grösste strukturelle Veränderung und bietet daher auch extrem viele Friktionen. Die oberste Chefin des deutschen Dertour-Konzerns gibt sich enorm Mühe die gigantische Zusammenführung so human wie möglich durchzuführen, aber diese Aufgabe lässt sich schlicht nicht ohne ‘Verlierer’ umsetzen.

Nichts kann in den beiden Zentralen bleiben, wie es war, Kündigungen in massiver Höhe sind bei dieser Zusammenlegung unvermeidbar. Dies ist allen in der Branche klar, und dennoch gibt es logischerweise zahlreiche Nebengeräusche.

Und das Rumpeln ist noch längst nicht am Ende, auch in den kommenden Monaten dürften ‘schmerzhafte’ Entscheide gefällt werden müssen. Beispielsweise auch in der obersten Führungsetage mit derzeit doppelten Besetzungen.

Integration der Travelhouse-Mitarbeitenden

Problematisch dürfte sich die Integration der Travelhouse Mitarbeitenden in die Kuoni, respektive deren Spezialisten werden. Da sind noch viele langjährige und erfahrene Leute vorhanden, obschon sich einige vorzeitig in Richtung Knecht oder anderweitig verabschiedet haben. Das Transition-Team muss dabei viel Fingerspitzengefühl entwickeln, damit diese spektakuläre ‘Überführung’ auch gelingen kann.

Die bisher sehr erfolgreichen Chefs der Spezialisten von Kuoni stehen vor einer ihnen nicht genehmen Situation der Integration. Aber die Erhöhung der Anzahl Mitarbeitenden hat auch eine Erhöhung der Umsatzziele zur Folge. Die Führung bei den Kuoni Specialists ist identisch wie zuvor. Einzig bei Asia 365 wird es infolge Pensionierung der langjährigen und erfolgreichen Chefin Ruth Landolt zu einem Wechsel kommen. Die Weichenstellung dazu ist bereits erfolgt, die Nominierung soll demnächst kommuniziert werden.

Zwei Hauptsitze

Hinzu kommt bei dieser Zusammenlegung der Mitarbeitenden, dass die Abteilungen an zwei unterschiedlichen Standorten zusammengeführt werden müssen. Noch, denn es wird ein neuer Hauptsitz evaluiert, entweder ein komplett neuer Standort oder dann an einem der beiden bisherigen Büros.

Im Bereich Flugticket- und Kreuzfahrten-Verkauf sind die Entscheide auf Führungsebene gefallen, Christian Kiser und Cornelia Gemperle sind dort unbestritten und bereiten sich mit den jeweiligen Chefs der ehemaligen Konkurrenz auf die Zusammenführung vor. Diese ist bestimmt nicht einfach, zudem es ebenfalls mit der örtlichen Problematik zu tun hat. Diese soll bis auf Weiteres mit einem Pendeln von Hauptsitz zu Hauptsitz gelöst werden. Aber auch hier gilt, die Umsatzerwartung für die ‘neue’ Abteilung wird nicht geringer, im Gegenteil.

Spezialisten und Volume Tour Operating

Auch die neuen Funktionen der bisherigen Chefs auf der erweiterten Führungsebene verändern sich. So gibt etwa die für ihre menschliche, aber dennoch klare Haltung bekannte Verda Birinci-Reed die Führung der Kuoni Specialist an Alexander Brändle (von Hotelplan kommend) ab.

Da wird es spannend zu erleben, wie sich dieser Managementwechsel auswirken wird. Bekanntlich ist der grosse Erfolg der Spezialisten Marken auch darin erklärend, weil sie sich stark in eigener Regie entwickeln konnten und durften.

Birinci-Reed übernimmt das Volume Tour Operating. Ihr rapportieren nun Karin Markwalder und Victoria Studer. Diese sind zwei Persönlichkeiten, die bisher einerseits für Kuoni und Helvetic Tours (Markwalder) sowie für Hotelplan und Migros Ferien (Studer) klar definierte und identifizierbare Führungspersonen ‘waren’. Darauf angesprochen sagt Stephanie Schulze zur Wiesch, es sei wichtig zu verstehen, dass sie inskünftig für Kuoni und für Hotelplan eine viel grössere Verantwortung zu tragen haben.

Nicht öffentlich bekannt sind viele weitere interne Veränderungen. Zum Beispiel auf der Stufe der Product Manager. Hier wurden offenbar bereits mehrere Kündigungen ausgesprochen. Auch bei den zentralen Diensten wie IT, HR oder Finanzen dürfte es noch zu Veränderungen kommen, sofern sie nicht bereits eingetreten sind.

Klar ist, die Übernahme ist noch längst nicht vollzogen, es werden weitere Schritte folgen (müssen). (AH)