«Ich habe 0,0 Bedenken, dass die Marke Hotelplan jemals aufgegeben wird»

Dertour Suisse erklärt wie die Marken positioniert werden und wie sich der Veranstalter operativ aufstellt.
Die Dertour Suisse Crew vor dem Haus Gstaad. ©BRA

Rund 80 Agentinnen und Agenten, bzw. Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer, von Hotelplan- und Kuoni-Agenturen reisten am 26. März 2026 in das tiefverschneite Saanen und besuchten dort den zweitätigen Touristiker Treff auf Einladung von Dertour Suisse.

Für einzelne gestaltete sich die Anreise beschwerlich, mussten sie doch in Lungern umkehren, weil der Brünig Pass wegen des massiven Schneefalls gesperrt wurde. Die Landschaft des Saanen Tals verwandelte sich in ein Wintermärchen.

Keine Märchen, sondern die gemeinsame Zukunft
Nicole Simmen mit Dertour Head of Communications Stephan Kurmann ©zVg

Im Konferenzsaal des ‘Haus Gstaad’, ehemals Steigenberger, wurden dann aber keine Märchen erzählt. Es ging hauptsächlich darum, die doch noch spürbar skeptischen Hotelplan-Agent*innen für den neu entstandenen Grossveranstalter mit seinen Marken zu gewinnen und zu begeistern.

Professionell und engagiert, auch ab und zu mit einem auflockernden Spruch, führte die Moderatorin, Autorin und Produzentin Nicole Simmen durch die intensive Veranstaltung.

Stephanie Schulze zur Wiesch, Dertour Suisse CEO, erklärt was sie beschäftigt mit Moderatorin Nicole Simmen (rechts). ©BRA

Was beschäftigte dich in letzter Zeit und was beschäftigt dich jetzt, fragte Nicole Simmen Dertour Suisse CEO Stephanie Schulze zur Wiesch.

«Natürlich beschäftigt mich vor allem die Zusammenführung der beiden Unternehmen, aber auch die Digitalisierung, die grossen Rabatte von bis zu 1200 Euro die Online-Portale wie Check24 in Gutscheinform anbieten und der Iran-Konflikt.» Entsprechend sind die aktuellen Aktivitäten auf die Zusammenführung, die Digitalisierung und den Omni-Channel-Vertrieb ausgerichtet.

Dertour Suisse sei trotz der Krise im Mittleren Osten positiv mit einem Buchungsvorsprung unterwegs. Alle Marken von Hotelplan hingegen hätten in den vergangenen zwei Jahren gelitten und seitens des Handels sei eine Zurückhaltung zu spüren. Es ginge nun darum, diese wieder zurück auf die Erfolgspur und zu Wachstum zu führen. «Was braucht es um euer Vertrauen wieder zurückzubekommen», fragte die CEO in die Runde.

Was aber die Integration von Hotelplan in das Unternehmen betrifft, sei man voll im Zeitplan und die Entscheidung bezüglich des gemeinsamen Unternehmensstandort falle in den nächsten Wochen, erläuterte sie. Zu hören am Event war diesbezüglich die Erwartung, dass der Entscheid eher für Altstetten als für Glattbrugg ausfallen könnte.

Die Marken
VP Marketing Andre Plöger, (r. Moderatorin Nicole Simmen) ©BRA

André Plöger, VP Marketing, kam im Anschluss auf die Marken zu besprechen. Gleichentags wurde bekannt gegeben, dass Vtour Suisse nicht weitergeführt wird, sondern in Helvetic Tours aufgehen wird.

Häufig war von Hotelplan als Hero Brand die Rede. André Plöger verdeutlichte dies mit einem Bild auf dem zwei Personen sichtbar waren, die vor einem Applestore campieren um das neueste iPhone zu ergattern.

«Wir haben das Ziel erreicht, wenn die Menschen vor einer Hotelplan-Filiale campieren um als erste den neuen Katalog zu ergattern», meinte Plöger zur allgemeinen Belustigung.

Anders als andere deutsche Reisekonzerne bekenne sich Dertour zu lokalen starken Marken und wolle diese nutzen, erklärte Stephanie Schulze zur Wiesch. Die Markenpositionierung sei aber ein grosses Thema und in Bezug auf die Marke Hotelplan bestehe aber noch Unsicherheit und die Kunden müssen aufgeklärt werden.

Zu den anwesenden Vertriebspartner*innen sagte sie: «Ich habe 0,0 Bedenken, dass die Marke Hotelplan jemals aufgebeben wird. Im Gegenteil, wir wollen sie weiterentwickeln und damit wachsen.»

So wird das Volumengeschäft operativ organisiert
Verda Birinci-Reed (l.) und Karin Markwalder ©BRA

Verda Birinci-Reed, Chief Operation Officer, und Karin Markwalder, derzeit noch General Manager Kuoni und Helvetic Tours, aber in Zukunft für das Operating der drei Volumenmarken Kuoni, Hotelplan und Helvetic Tours zuständig, erklärten darauf hin, wie die operative Organisation aussieht.

Die Organisation sieht verschiedene Teams vor die für einzelne Regionen für Kuoni und Hotelplan verantwortlich sind. In diese Regionen gehören auch Nordamerika und Australien/Neuseeland, wobei Karin Markwalder auch hier auf das Tool Tourplaner hinwies.

Um sicherzustellen, dass man zu einem kompetenten Ansprechpartner mit entsprechendem Destination Wissen kommt, wird ein Routingsystem für Anrufe, E-Mails und Chatbots eingeführt, welches auf KI-Technologie basiert. Bei einem bestehenden Dossier wird man nach der Eingabe der Dossier Nummer automatisch zum richtigen Team vermittelt.

Die Mitarbeiter*innen in den entsprechenden Teams erhalten basierend auf deren Destination Wissen ‘Skillpoints’. Je nach Komplexität des Anliegens wird man dann an die kompetenteste Person vermittelt. Das System sei noch in der Testphase mit einzelnen Pilotnutzern, erklärte Karin Markwalder.

Helvetic Tours hingegen wird von einem deutschsprachigen Team in der Türkei operativ abgewickelt. Die dortigen Mitarbeiter*innen hätten alle in der Schweiz gelebt, bekräftigt Karin Markwalder. Hier und da war aber zu hören, dass die Agenten nicht ganz zufrieden waren mit der Kompetenz dieses Teams.

Victoria Studer (links) erklärt wie das Commercial Team funktioniert. ©BRA

Victoria Studer, die den Commercial Bereich leitet, erklärte darauf hin gemeinsam mit Verda Birinci-Reed wie das Produkt aus dem riesigen Angebot von Dertour beschafft und den einzelnen Marken zugeordnet wird.

 

 

 

Die Systemlandschaft
Annette Kreczy über die Ablösung von Mythos und HIT ©BRA

Chief Sales Officer Annette Kreczy ging dann auf die Systemlandschaft ein und erklärte warum Mythos, das Tour Operating System von Hotelplan, und HIT, das Midoffice-System von Hotelplan, durch das Dertour-System Atcom bzw. durch andere Midoffice-Systeme abgelöst werden.

Sie verglich die Systeme mit einem 25jährigen BMW, der zwar noch einwandfrei fährt, dessen Unterhaltskosten aber ständig steigen und für den man auch kaum noch Originalteile erhält.

Beide Systeme seien am Ende ihres Lebenszyklus angelangt, und würden, weil diese auf SAP-Technologie basieren, sehr hohe Betriebskosten verursachen. Dies sei der Hotelplanführung bereits vor zwei Jahren bewusst gewesen.

Der 31.10.2026 ist das letzte Abreisedatum für Buchungen auf HIT. Buchungen für spätere Abreisen müssen dann manuell in ein neues System übertragen werden. Seitens der Vertriebspartner*innen, vor allem von Petra Hubler-Schäfer von El Travel, kam der Vorwurf, dass man mehr Unterstützung erwartet hätte. Darauf hin erwiderte Annette Kreczy, dass man mit Umbrella versuchte, eine globale Vereinbarung zu treffen, diese aber nicht zu Stande kam.

Das Soziale

Natürlich darf an einem Anlass wie der Touristiker-Treff das Soziale, d.h. der Austausch unter den Vertriebspartnern und zwischen den Vertriebspartnern und den Vertreter*innen von Dertour Suisse, nicht zu kurz kommen.

In den Kaffeepausen, beim Lunch und natürlich beim Apéro vor, während des Nachtessens und anschliessend an der Hotelbar wurde viel diskutiert, gefachsimpelt, Erfahrungen ausgetauscht bis in die frühen Morgenstunden.

Da und dort kam trotzdem etwas Wehmut und Skepsis auf. Aber auch der Wille und Wunsch, dem neuen Konstrukt eine Chance zu geben, war zu hören.

Hans-Peter Brasser, Saanen