«Ich stehe als Mediator zur Verfügung»

SRV-Präsident Martin Wittwer zum Streit über die Motion Ettlin für die Staatsgarantie der Kundengeldabsicherer.
Martin Wittwer, Präsident SRV © TRAVEL INSIDE

Martin Wittwer bedauert die Kontroverse, die über die temporäre Staatsgarantie für die Kundengeldabsicherungen der Reisebranche entstanden ist. Einen Imageschaden für die Branche sieht er aber nicht. In der Politik sei das gar nicht angekommen. «Ein Sommertheater», so Wittwer zu TRAVEL INSIDE

Er ruft die Akteure – den Garantiefonds mit Marco Amos an der Spitze und den STS mit Luc Vuilleumier – auf, miteinander zu reden. «Ich stehe zur Verfügung als Mediator», so Wittwer zu TRAVEL INSIDE.

STS-Chef Vuilleumier hatte mit einem Schreiben an alle Ständeräte die Motion Ettlin torpediert, die – vom Garantiefonds initiiert und dem SRV und TPA unterstützt – eine vorübergehende Staatsgarantie für die Kundengeldabsicherungen verlangt. Trotzdem nahm der Vorstoss die erste Hürde.

Vuilleumier betonte später gegenüber TRAVEL INSIDE, er sei keineswegs gegen die Staatsgarantie, kritisierte bloss das Vorgehen. Und er verlangte, bevor über eine Staatsgarantie gesprochen werde, müsse die klar definiert werden, wie eine Kundengeldabsicherung auszusehen habe.

«Anscheinend ist die Befindlichkeit, dass der Vorgehen bei der Motion Ettlin zu wenig abgestimmt worden sei», kommentiert Wittwer. Und dann habe Vuilleumier zwei unterschiedliche Themen emotional vermischt. «Jetzt braucht es wieder Sachlichkeit.» Und im Grunde, so Wittwer, sollten alle vier Anbieter von Kundengeldabsicherung künftig zusammen am Tisch sitzen. Neben dem Garantiefonds und STS sind das TPA und Fair Reisegarant.

Sicher ist für Wittwer: «Eine vorübergehende Staatsgarantie ist eine gute Idee, sie bringt Sicherheit für die Kunden und auch für die Branche selber.» Denn wenn ein grosser TO insolvent würde, würden auch die kleinen leiden – «wahrscheinlich in existenzielle Liquiditätsnot». Einen solchen Fall, etwa in der Grössenordnung einer Thomas-Cook-Pleite, sieht der SRV-Präsident indes nicht am Horizont.

Themen trennen

Zuerst müssen die Beteiligten laut Wittwer nun die Themenvermischung auflösen. «Die Motion Ettlin ist ganz klar ein kurzfristiges Thema, das aus der Krise und der Branchenstruktur entstanden ist.» Ganz anders die Definition der Kundengeldabsicherung selber: «Das ist ebenso ganz klar ein langfristiges strategisches Thema, das wir nicht schnell schnell übers Knie brechen dürfen.» Beide Elemente hätten ihre Berechtigung, dürften aber nicht vermischt werden.

Handlungsbedarf sieht Wittwer auch für den SRV. Eine Definition der Kundengeldabsicherungen, wie sie Vuilleumier fordert, war für Wittwer zwar bisher keine Priorität, wie er im Gespräch sagt. Seine persönliche Meinungsbildung, ob eine solche Definition überhaupt nötig sei, habe er noch nicht abgeschlossen.

Aber: «Wenn das nun als ein Anliegen eingebracht worden ist, werden wir uns natürlich darum kümmern.» Hier trage der SRV eine Verantwortung für die ganze Branche. «Dieser will und werde ich mich stellen», so Wittwer.

Keine schlafenden Hunde wecken

SRV-Präsident Wittwer warnt allerdings davon, schlafende Hunde zu wecken. Eine Definition der Kundengeldabsicherung würde wohl nur über eine Änderung des Pauschalreisegesetzes (PRG) möglich. Eine solche könnte allerdings zum Vorteil der Konsumenten ausfallen, denn das PRG ist seinem Wesen nach ein klassisches Konsumentenschutzgesetz.

«So wie das jetzt in der Schweiz gelöst ist, ist nicht so schlecht», gibt der ehemalige TUI-Chef in der Schweiz zu bedenken. Am ehesten Handlungsbedarf sieht er bei der Definition des Begriffs ‘Force majeure’, die je nachdem die Reisebüros und Veranstalter in die Pflicht nehmen oder sie daraus entlassen kann. «Diese Auslegung muss man anschauen.»

Christian Maurer