In Memoriam: Hansruedi Egli

Nachruf von Kurt Heiniger zum Tod von Hansruedi Egli (88).
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«Noch im Jahr 2019 hatte Hansruedi Egli am Kuoni-Oldies Treffen im Zunfthaus zu Waag teilgenommen. Er war allerdings schon damals nicht mehr in der Lage, selbständig von Chur nach Zürich zu reisen. So fuhr ihn seine Ehefrau Ursula Lüchinger mit ihrem Auto bis vor die Türe des Zunftlokals. Die rund dreissig ehemaligen Kuoni Manager hatten sich sehr über sein Kommen gefreut.

Vor rund 60 Jahren habe ich Hansruedi kennengelernt. Nach Absolvierung einer Handelsschule hatte er für kurze Zeit in einer Firma für Schuhhandel gearbeitet. Sein grösster Wunsch ging Mitte der 1950er Jahre in Erfüllung. Er konnte als kaufmännischer Angestellter beim Reisebüro Kuoni eintreten und wurde nach einer kurzen Zeit der Einarbeitung am damals sogenannten Passage-Schalter eingesetzt.

Dazu muss man wissen, dass die dort Arbeitenden die Elite der Firma waren. Es waren alles Herren in dunklen Anzügen mit Krawatte. Ihre Aufgabe bestand in der Vermittlung von Schiffsbillets für Auswanderer nach überseeischen Ländern oder in den damals noch recht komplizierten Flugreisen in ferne Destinationen.

Als Praktikant während der Sommerferien der Mittelschule in der Visa-Abteilung ‚untergebracht‘, wurde ich von Hansruedi über die Besorgung der Visa instruiert.

In der folgenden Zeit kletterte er Schritt für Schritt die Karriereleiter hoch. Ohne mich noch genau an die Reihenfolge der Stufen innerhalb der Führung bei Kuoni zu erinnern, kann ich aufzählen: Direktor der Bellevue-Reisen AG, ein Reisebüro für volkstümliches Reisen, Leiter der Filiale am Bellevueplatz, Leiter der Abteilung Kurz- und Mittelstreckenflüge, Personalchef am Hauptsitz, Direktor Eigen- und Drittvertrieb Schweiz und einige Zeit später – nach einem Ausflug nach Bern – die wohl wichtigste Aufgabe als Generaldirektor des Konzernteiles Schweiz von Kuoni.

Seine Zeit bei Kuoni verlief nicht ohne Zwischentöne. Mangels Perspektiven und im Bestreben nach einer Gesamtverantwortung kündigte er, um in den 1980er Jahren in Bern die Stelle des Direktors der Airtour Suisse AG anzutreten. Dieses Reiseunternehmen wurde von einer grösseren Anzahl unabhängiger Reisebüros gegründet, und war als schlagfertige Konkurrenz zu Kuoni und Hotelplan gedacht. Der Firma war kein Erfolg beschieden, und so kehrte Hansruedi nach fünf Jahren wieder zu Kuoni zurück.

Hansruedi Egli war ein hervorragender Netzwerker, kannte Gott und die Welt der Reisebranche und unterhielt allerbeste Beziehungen zu den Medien. Er war ein besonnener, integrer Mensch, der seine Emotionen und Aktivitäten stets in guter Balance hielt. Ich habe Hansruedi oft bewundert, wie er geduldig und menschlich seine Mitarbeiter geführt und gefordert hat.

Nach einer umfassenden Restrukturierung bei Kuoni Ende der 1980er Jahre sah er seine Zukunft in einer andern Branche. Als letzte Station seiner beruflichen Tätigkeit wurde er Regionaldirektor Zürich beim damals grössten Schweizer Werbevermarkter Publicitas AG.

Am 16. September 2021 ist er im Seniorenzentrum ‚Rigahaus‘ in Chur frühmorgens friedlich für immer eingeschlafen. Ich entbiete seiner Frau Ursula und der Familie, auch im Namen der Kuoni-Oldies, die tief empfundene Anteilnahme.»

(Kurt Heiniger)