Indaba: «Afrika verfügt über enormes touristisches Potenzial»

Schweizer Einreisen mit zweitstelligem Plus.

Die Africa’s Travel Indaba 2026 stand ganz im Zeichen des Mottos ‘Africa Unlimited’ – und genau dieses Gefühl herrschte während der gesamten Messe an vier Tagen vom 11. bis 14. Mai 2026 in Durban.

Der Slogan symbolisierte nicht nur das enorme touristische Potenzial des afrikanischen Kontinents, sondern auch einen neuen Optimismus innerhalb der Branche. Nach Jahren der Pandemie und globaler Unsicherheiten präsentierte sich Afrika in Durban selbstbewusst, dynamisch und wachstumsorientiert.

‘Africa Unlimited’ stand dabei für weit mehr als klassische Safari- und Rundreiseprodukte. Die Messe zeigte eindrucksvoll die Vielfalt des Kontinents: von Luxusreisen und Boutique-Hotels über nachhaltigen Tourismus und Community-Projekte bis hin zu MICE, Kulinarik, Kultur und neuen Lifestyle-Konzepten.

Besonders auffällig war die hohe Qualität vieler neuer Hotel- und Infrastrukturprojekte sowie die starke Präsenz junger, innovativer Tourismusanbieter aus verschiedenen afrikanischen Ländern.

An die 9870 Besucher zählte die Indaba 2026, davon 274 Hosted Buyers, 637 Non-hosted und  404 registrierte Media Vertreter. Diese Plattform lieferte den Beweis und Link dafür, wie sich Afrika vorbildlich der restlichen Welt präsentiert und seinem Tourismusbereich neuen Impetus verleiht.

Gleichzeitig vermittelte die Indaba 2026 eine klare Botschaft der Zusammenarbeit. Politik, Tourismusorganisationen  sowie Privatwirtschaft betonten mehrfach, dass Afrika künftig stärker gemeinsam auftreten müsse, um international noch sichtbarer zu werden. Die unterzeichnete Zusage Indaba Pledge unterstrich dieses Ziel zusätzlich.

Schweizer Einreisezahlen im Plus

Für den Schweizer Markt besonders interessant: Afrika positioniert sich zunehmend auch im Premium- und Individualreisebereich. Gerade Südafrika profitiert derzeit davon, dass viele Kunden nach neuen Langstreckenalternativen suchen. Verbesserte Flugverbindungen, neue Luxusprodukte und Investitionen in Hotellerie und Infrastruktur schaffen attraktive Voraussetzungen für Reisende aus der Schweiz.

Die Einreisezahlen für die Schweiz erreichten 2024 die Zahl von 42’255 und 47’845 für 2025. Dies entspricht einem Zuwachs von 13,2%. Und es geht offenbar so weiter: Im Q1  (Jan.-März 2025) reisten 14’315 ein im Vergleich zum Q1 2026 jetzt 15’855. Ein Plus von 10,8% im Vergleich zum Vorjahr.

Die Stimmung an der Messe war entsprechend positiv. Viele Aussteller berichteten von steigender Nachfrage, guten Buchungsaussichten und wachsendem Interesse aus Europa. Durban zeigte sich erneut als hervorragender Gastgeber für eine der wichtigsten Tourismusmessen des afrikanischen Kontinents – offen, international und voller Energie.

Claudio Nauli, Geschäftsführer von Private Safaris, erwähnte, dass an der diesjährigen Messe zwar weniger neue Buyer vertreten waren, dafür jedoch deutlich mehr bestehende Kontakte gepflegt werden konnten – was langfristig oftmals auch sehr wichtig sei.

Ein möglicher Grund dafür könnte gewesen sein, dass der Kalender für Appointment-Buchungen erst wenige Wochen vor der Messe geöffnet wurde. Dadurch seien viele Termine kurzfristig organisiert worden und somit neue Kontakte schwieriger zustande gekommen.

Möglicherweise habe auch der aktuelle Iran-Konflikt einen Einfluss gehabt, da geopolitische Unsicherheiten das Reiseverhalten und die Teilnahme einzelner Buyer beeinflusst hätten.

Die Preiserhöhungen in Südafrika bewegen sich laut Nauli insgesamt noch in einem vertretbaren Rahmen. Sorge bereiten jedoch Versuche, zusätzliche Zuschläge aufgrund steigender Treibstoffkosten einzuführen – insbesondere im Bereich der Safaris und Transfers mit Kleinflugzeugen, wo die Betriebskosten stark von den Fuel Preisen abhängen.

Gleichzeitig stellte er fest, dass vermehrt Kunden nach Alternativen zum Mittleren Osten suchen. Davon könne Südafrika aktuell profitieren. Obwohl die Preise vor Ort im internationalen Vergleich weiterhin attraktiv seien, würden die Gesamtangebote aufgrund höherer Flugpreise und Transportkosten  spürbar teurer ausfallen.

Generell haben sich Schweizer Besucher sehr positiv über die diesjährige Indaba geäussert. Auch Angelika Gehring, Managing Director von Sundowner Travel, sagt, es sei eine erfolgreiche und spannende Messe.

Minister und Privatsektor unterzeichnen Indaba-Erklärung

Der südafrikanische Tourismussektor hat die Phase der Erholung nach der Pandemie hinter sich gelassen und befindet sich nun in einer neuen Wachstumsära. Dies erklärte Tourismusministerin Patricia de Lille bei der offiziellen Eröffnung der Africa’s Travel Indaba 2026 in Durban, anlässlich derer Minister und Vertreter der Privatwirtschaft eine gemeinsame Erklärung zur weiteren Förderung des Tourismus unterzeichneten.

An der Eröffnungszeremonie nahmen Delegierte, Einkäufer und Aussteller aus ganz Afrika sowie aus internationalen Quellmärkten teil. Präsident  nutzte die Plattform, um zu einer stärkeren Zusammenarbeit innerhalb Afrikas aufzurufen und den Kontinent gemeinsam als globale Tourismusdestination zu positionieren. «Wir müssen den Tourismus nutzen, um die Geschichte Afrikas selbst zu erzählen», sagte Ramaphosa.

«Viel zu lange haben andere unsere Geschichte für uns erzählt. Der Tourismus gibt uns die Möglichkeit, uns über unser kulturelles Erbe, unsere Kulturen, unsere Innovationen und unsere Menschen selbst zu definieren.»

Ramaphosa betonte, dass der Tourismussektor das grösste Potenzial habe, integratives Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und die Entwicklung kleiner Unternehmen auf dem gesamten Kontinent voranzutreiben.

«Tourismus dreht sich nicht nur um Reiseziele. Es geht um Lebensgrundlagen. Es geht um Chancen. Es geht darum, Gemeinschaften durch wirtschaftliche Teilhabe ihre Würde zurückzugeben.»

Vor der Pandemie habe der Tourismus direkt und indirekt rund sieben Prozent des afrikanischen Bruttoinlandsprodukts ausgemacht und Millionen Arbeitsplätze unterstützt, fügte Ramaphosa hinzu. Im Vergleich zu führenden globalen Tourismusdestinationen wie Spanien, das jährlich rund 30 Millionen Besucher empfängt, verfüge Afrika über ein enormes ungenutztes touristisches Potenzial.

Wirtschaftlicher Beitrag

Patricia de Lille erklärte, dass die positive Entwicklung der Branche durch eine engere Zusammenarbeit zwischen Regierung und Privatwirtschaft, bessere Flugverbindungen, Infrastrukturinvestitionen und neue Destinationsentwicklungen unterstützt werde.

Unter Berufung auf Zahlen der Statistikbehörde Statistics South Africa erklärte De Lille, dass der Sektor im Jahr 2024 rund 954’000 direkte Arbeitsplätze geschaffen und 4,9% zum nationalen BIP beigetragen habe. Zudem verwies sie auf die ambitionierten Ziele von Präsident Ramaphosa: «Der Präsident hat mir ein Ziel gesetzt: Bis 2030 wollen wir 50 Millionen Besucher in unserem Land begrüssen. Zudem sagte er: Bis 2029 dürften mehr als eine Million Arbeitsplätze geschaffen werden.»

Tourismus-Investitionen

De Lille erklärte weiter, dass der Tourismussektor im vergangenen Jahr bedeutende neue Investitionen angezogen habe. Dazu zählen:

  • die 24-Milliarden-Rand-Entwicklung an der V&A Waterfront in Kapstadt,
  • weitere 10,5 Milliarden Rand für den Cape Winelands Airport,
  • sowie das neue Club Med Beach & Safari Resort in KwaZulu-Natal mit Investitionen von 2,5 Milliarden Rand.

Im Bereich Infrastruktur hob De Lille ausserdem das kürzlich abgeschlossene Projekt am Cape-Agulhas-Leuchtturm hervor, wo sich Atlantischer und Indischer Ozean treffen. Dort wurde für 82 Millionen Rand ein neues Besucherareal mit Restaurant und Fussweg zwischen den beiden Ozeanen geschaffen.

Auch das Dinosaur Interpretation Centre im Golden Gate Highlands National Park, das gemeinsam mit der Europäischen Union entwickelt wurde, erwähnte sie. Das Projekt kostete 120 Millionen Rand und verzeichnete bis Ende des vergangenen Jahres bereits mehr als 90000 Besucher.

Gemeinsame Erklärung unterzeichnet

Ein zentraler Moment der Eröffnungszeremonie war die Unterzeichnung und Verlesung der sogenannten ‘Africa’s Travel Indaba Pledge’. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Verpflichtung von Tourismusministern, Regierungen, Tourismusorganisationen, Ausstellern und Vertretern der Privatwirtschaft, künftig enger zusammenzuarbeiten, nachhaltigen Tourismus zu fördern und innerafrikanische Partnerschaften auszubauen.

Die Erklärung verpflichtet die Unterzeichner unter anderem dazu,

  • Afrika als gemeinsames Reiseziel zu vermarkten
  • die grenzüberschreitende Vernetzung zu stärken
  • integratives Tourismuswachstum zu fördern
  • und sicherzustellen, dass lokale Gemeinschaften vom Tourismus profitieren

Patricia de Lille appellierte an die Delegierten, sich zu einer noch engeren Zusammenarbeit über Ländergrenzen und Branchen hinweg zu verpflichten. «Wir verpflichten uns, Afrikas Tourismuswirtschaft weiter auszubauen, unsere Geschichten zu erzählen und gemeinsam ein besseres Afrika und eine bessere Welt zu schaffen.»

Herbert F. Weber, Durban