
Die ITB 2026 stand unter einem sehr dunklen Schatten, vier Tage vor dem Start hatten die USA und Israel den Iran angegriffen, ein Ende des Kriegs ist nicht absehbar.
Die Bombardierungen zerstören nicht nur das Land und töten die Menschen, auch die globale Tourismusbranche spürt die Auswirkungen. Und auf der ITB in Berlin direkt, denn zahlreiche Aussteller konnten nicht anreisen, viele Plätze blieben leer und der Krieg, der Umgang mit ihm und die Folgen bestimmten die Messe. Wobei die Teilnehmer bezüglich ihrer Gespräche und Verhandlungen aber ein positives Fazit zogen.
Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran verschärft die ohnehin schon unsichere und instabile Situation im Nahen Osten noch weiter, die Liste mit den Ländern, für die Reisewarnungen und Sicherheitshinweise aufgestellt wurden, ist lang.
Auf Zypern und in der Türkei drangen Raketen in die jeweiligen Lufträume ein, Israel greift den Süden des Libanon an. Die Lufträume in der Golfregion sind gesperrt, tausende Reisende sassen in den Luft-Knotenpunkten Dubai, Abu Dhabi und Doha fest, dazu kamen die Feriengäste auf den Kreuzfahrtschiffen, die die Häfen der Golfstaaten nicht verlassen können. Die Rückflüge sind gestartet, doch der Transport wird angesichts der hohen Zahl der Betroffenen noch länger dauern.
Der Krieg war das Hauptthema auf der diesjährigen ITB, überall sprachen die Teilnehmer über die aktuelle Situation, den Umgang mit ihr und die möglichen Folgen in der engeren und weiteren Zukunft.
Konzepte gibt es noch keine, die Zeit seit dem Kriegsbeginn ist zu kurz. Und dazu kommt, dass zahlreiche der Partner aus dem Nahen Osten, mit denen solche Konzepte zusammen ausgearbeitet werden müssten, nicht vor Ort waren, da auch sie in ihren Heimatländern nicht verlassen konnten.
Positive Bilanz der Messeleitung
Daher erwies die Zahl der Aussteller einen leichten Rückgang gegenüber 2025. Im Vorjahr lag sie bei 5800, nach Angaben der Messeleitung eine Rekordmarke. In diesem Jahr präsentierten sich 5601 Aussteller aus 166 Ländern den rund 97’000 Teilnehmern, auch hier ein Rückgang gegenüber 2025, als mehr als 100’000 Touristiker nach Berlin gefahren waren.
Dabei zieht die Messeleitung aber eine durchaus positive Bilanz. Der nur geringe Rückgang zeige «die hohe Relevanz der ITB Berlin als internationale Leitmesse gerade in herausfordernden Zeiten», lautet das Fazit der Organisatoren.
Als weitere Bestätigung nennt sie die Wiederbesuchsabsicht von rund 90% der Besucher. Die Höhe der Geschäftsabschlüsse und Einkaufsentscheidungen liegen nach einer ersten Einschätzung der Messe bei mehr als 47 Milliarden Euro.
Leere Tische bei den arabischen Staaten

Dabei taten sich in den einzelnen Hallen aber Lücken auf, bei den arabischen Ländern waren an einigen Ständen bis zu 90% der Tische nicht besetzt. In den vergangenen Jahren hatten die Länder aus der Region ihre Stände immer wieder ausgebaut, die Zahl der Aussteller war gewachsen.
Doch ob sich diese Entwicklung fortsetzen kann, ist angesichts des Kriegs und der unsicheren Lage in der Region, ist noch nicht absehbar. Und dies ist nicht auf den Nahen Osten – die israelische Delegation hatte ihre Anreise im Vorfeld abgesagt – begrenzt: Zahlreiche Aussteller und Teilnehmer aus Asien – viele aus den Malediven – und Afrika sassen an den Flughäfen in der Golfregion fest oder hatten ihre Reisen erst gar nicht antreten können.
Starker Auftritt von Gastland Angola
Abseits der vom Iran-Krieg betroffenen Länder herrschte in den Hallen der anderen Destinationen durchgehend Betrieb. Das Gastland Angola präsentierte sich mit einem Stand unter dem Motto ‘The Rhythm of Life’ als ein weiteres Land, das den Tourismus immer stärker in den Mittelpunkt stellt.
Das Land im Südwesten Afrikas beliess es aber nicht damit, sondern informierte Medien und Publikum noch mit mehreren Veranstaltungen. Mit den grössten Ständen waren Thailand, Ägypten, die Türkei und Italien in Berlin vertreten, Marokko und Spanien waren auf der ITB direkte Nachbarn.
Der Rückgang der vergangenen Jahren bei den USA hat sich nicht umgedreht, die Grösse des Stands und die Anzahl der Aussteller bleibt weiterhin unter den Zahlen vor der Pandemie. Dabei bauten einige Länder ihre Präsenz mit weiteren Anbietern oder grösseren Flächen in den Hallen aus, es gab auch Neulinge und Wiederkehrer. 2025 waren Martinique und Tobago nicht vertreten gewesen, in diesem Jahr waren sie dann aber wieder vor Ort, Benin feierte seine Premiere.
Im kommenden Jahr wollen die Malediven als Gastland einen Schwerpunkt auf eine Verknüpfung von Tourismus und Nachhaltigkeit legen, dazu gehören der Schutz empfindlicher Meeresökosysteme und die Förderung lokaler Gemeinschaften.
Technik und Digitalisierung bleiben die Wachstumsmärkte
Gut besucht waren, wie in den vergangenen Jahren seit der Pandemie, die Hallen der Technik- und Digitalunternehmen. An den Ständen wurde fleissig verhandelt und diskutiert, die Stimmung war gut, entspannt und optimistisch, die Teilnehmer zogen zufriedene Fazits.
Das alles beherrschende Fachthema war Künstliche Intelligenz, egal ob in der Hotellerie, für Reservierungssysteme und Backoffice oder bei Digitalunternehmen. Auch bei den ITB Innovators, eine 2023 gestartete Kategorie, in der sich innovative Unternehmen präsentieren können, fussen die Produkte der meisten Aussteller auf KI-Lösungen.
Eine Dynamik, die nicht nachlassen wird, sondern sich eher noch verstärken wird, lautet die fast einstimmige Prognose und die die Touristiker nicht verpassen dürfen. Und die Messe selbst folgt diesem Trend folgerichtig ebenfalls. Erstmals unterstützte der 24/7-KI-Chatbot MIA die Besucher rund um die Uhr bei ihren Fragen.
Volles Programm beim Kongress
Den ITB Berlin Kongress hat die Messe längst etabliert, in diesem Jahr trafen sich mehr als 24’000 Besucher zu den Vorträgen, Präsentationen und Podiumsdiskussionen der mehr als 400 Speaker zu denen unter anderem der frühere deutsche Aussenminister Joschka Fischer und EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas gehörten.
In diesem Jahr stand die Veranstaltung unter der Überschrift ‘Leading Tourism into Balance’ mit 200 Sessions und 17 Thementracks verteilt auf vier Bühnen, die Einzelthemen waren Künstliche Intelligenz, nachhaltiges Wachstum, neue Marktstrukturen, Resilienz sowie Verantwortung von Unternehmen und Destinationen.
Ukraine

Präsent war auch in diesem Jahr wieder die seit vier Jahren unter dem Angriffskrieg Russlands leidende Ukraine.
Das Land war mit einem Stand mit sieben Anbietern aus dem Hotelbereich und Destinationen vertreten.
Dabei wollen die Verantwortlichen aus Kiew ihr Land als Reiseziel für die Zeit nach dem Krieg vorbereiten.
Die Kampagne des Ministeriums steht unter der Überschrift ‘Let’s plan the Ukraine’, in der sich die Urlauber über das Land informieren können. «Wir wissen, dass die Menschen jetzt nicht für ein paar Tage oder eine Woche in die Ukraine fahren, aber wir wollen ihnen zeigen, was unser Land zu bieten hat», sagt die Vertreterin des Ministeriums. Doch für Gäste, die bereits fahren möchten, bestehen Reisemöglichkeiten per Zug und Überlandbussen, zahlreiche Hotels haben, besonders im Westen, geöffnet.
Wolfram Marx, Berlin








