KI: Positive, aber vorsichtige Einstellung

Der allgemeine Einsatzgrad von KI ist nach wie vor gering.
Business Travel Show Europe ©Jake Darling Photography

Laut Daten der Business Travel Show Europe bietet KI den Einkäufern von Geschäftsreisen bereits jetzt greifbare Vorteile – insbesondere bei der Bewältigung geopolitischer Turbulenzen, der grössten Herausforderung, vor der die Branche im Jahr 2026 stehen wird.

Während Untersuchungen von BTN Intelligence zeigen, dass die Einführung von KI noch in den Kinderschuhen steckt, geht aus der Studie der Business Travel Show Europe hervor, dass bereits etwa jeder zehnte Einkäufer einen Nutzen aus KI zieht, wobei die grössten Vorteile direkt mit den drängendsten Herausforderungen zusammenhängen: geopolitische Risiken, steigende Kosten und die Sicherheit der Reisenden.

KI bewältigt die geopolitische Unsicherheit

Die Untersuchung ergab, dass geopolitische Instabilität für 46,5% der Reiseeinkäufer das grösste Anliegen ist, gleichzeitig aber auch einer der Bereiche ist, in denen KI bereits am deutlichsten Wirkung zeigt.

  • 10,08% der Einkäufer profitieren bereits von einer KI-gestützten Echtzeit-Analyse geopolitischer Risiken, die ihnen hilft, Störungen zu überwachen, die Sicherheit zu bewerten und schneller auf globale Ereignisse zu reagieren.
  • KI sorgt zudem für Kosteneinsparungen (10,92%) und hilft damit, den Inflationsdruck zu bewältigen, von dem 36,5% der Einkäufer betroffen sind. Preissteigerungen bei Flugbenzin werden diese Sorge noch verstärken.
  • 9,24% berichten von Verbesserungen bei der Sorgfaltspflicht, wobei KI die Nachverfolgung von Reisenden, Warnmeldungen und die Risikominderung unterstützt.

Eine Branche auf einer Achterbahnfahrt: Optimismus vs. Vorsicht

Trotz dieser ersten Erfolge schwanken die Einkäufer im Reisebereich weiterhin zwischen Begeisterung und Besorgnis, was zu einer Stimmung gegenüber KI führt, die man am besten als ‘Achterbahnfahrt’ beschreiben kann.

Einerseits sehen die Einkäufer grosses Zukunftspotenzial:

  • 64,71% erwarten verbesserte, personalisiertere Reiseerlebnisse
  • 62,18% nennen Kostenoptimierung und die Suche nach günstigen Angeboten
  • 61,34% heben eine verbesserte Sorgfaltspflicht hervor
  • 60,50% sehen einen Mehrwert in Nachhaltigkeit und ESG-Überwachung
  • 59,66 % wünschen sich Szenariomodellierung, um besser auf Störungen vorbereiten zu können
  • 48,74% sind optimistisch hinsichtlich der Analyse geopolitischer Risiken – bestärkt durch diejenigen, die bereits Ergebnisse sehen
Risiken stehen weiterhin im Vordergrund

Gleichzeitig sind Einkäufer bei der grossflächigen Einführung von KI zurückhaltend – insbesondere in risikoreichen Bereichen wie dem Reisemanagement, wo Sicherheit, Compliance und Genauigkeit von entscheidender Bedeutung sind.

Zu den wichtigsten Bedenken zählen:

  • Fehlinformationen, Desinformation und Voreingenommenheit (75,63%)
  • Risiken im Bereich Datenschutz und Datensicherheit (66,39%)
  • Rechtliche Risiken und Compliance-Risiken (47,06%)
  • Unsicherheit hinsichtlich der Strategie und Preisgestaltung der Anbieter (25,21%)
KI als Entscheidungshilfe, nicht als Entscheidungsträger

Elisabetta Gibertoni, Global Travel & Events Senior Manager bei Livanova, setzt derzeit KI ein. Ihre Nutzung und ihre Bedenken spiegeln die Ergebnisse der Umfrage wider. Sie sagte: «Wir nutzen KI, um die Suche nach Reiseinformationen zu verbessern, um die Buchung zu unterstützen und den Nutzern zu helfen, Details zu den Reiserichtlinien zu finden – angefangen bei Chatbots bis hin zu fortgeschritteneren Anwendungsfällen. Meine grössten Bedenken gelten der Datenqualität, der Transparenz und der Aufrechterhaltung der menschlichen Kontrolle bei kritischen Entscheidungen. KI sollte als Instrument zur Entscheidungsunterstützung eingesetzt werden – nicht als Entscheidungsträger –, und Unternehmen sollten sich zunächst auf kontrollierte, risikoarme Anwendungen konzentrieren.»

Louis Magliaro, Executive VP der BTN Group, dem Veranstalter der Business Travel Show Europe, fügte hinzu: «Diese Daten zeigen, dass unsere Branche eine fortschrittliche Haltung gegenüber KI einnimmt. Wir erkennen ihr Potenzial, das Reisemanagement zu verändern – insbesondere in Bereichen wie geopolitischen Risiken und Kostenkontrolle –, und es besteht eine klare Nachfrage nach praktischen Lösungen, die messbaren Mehrwert bieten. Als daten- und regulierungsintensive Branche benötigen wir jedoch auch Sicherheitsvorkehrungen. Einkäufer wollen den Nachweis, dass KI sicher, konform und effektiv ist, bevor sie den Einsatz ausweiten. Es wird entscheidend sein, zu beobachten, wie Early Adopters diese Tools nutzen.»

Vom Versprechen zur praktischen Anwendung

Da das Augenmerk nun darauf gerichtet ist, wie schnell und sicher sich die Einführung skalieren lässt, bietet die Business Travel Show Europe, die vom 24. bis 26. Juni im Excel London stattfindet, Einkäufern eine Plattform, um ihre zahlreichen Fragen, Hoffnungen und Bedenken zum Thema KI anhand von Expertenrunden, Fallstudien aus der Praxis und praktischen Rahmenkonzepten zu erörtern.
Zu den Höhepunkten zählt die Sitzung ‘AI show and tell: Wie Reisemanager KI heute einsetzen’, in der Early Adopters ihre Erfahrungen aus erster Hand teilen und Elizabeth West neue europäische Forschungsergebnisse aus dem oben erwähnten BTN Intelligence-Bericht vorstellen wird. (Business Traveltip)

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