Kreczy: «Ich werde auch mal ‚Mama Mayday‘ genannt»

Sie gilt als die treibende Kraft zur Gründung der Reisebüro-Initiative Mayday. Annette Kreczy sieht sich als Branchenfachprofi und daher engagiert sie sich in ihrer Freizeit für die mittelständischen Reisebüros.

Annette Kreczy, Sie sind die Hauptgründerin der Aktion «Mayday» – wird Ihr Engagement auch bei DER Touristik Suisse/Kuoni einfach so akzeptiert?

Das wurde von Anfang an akzeptiert. Als das mit Mayday losging, habe ich mit Dieter Zümpel darüber gesprochen – und er hatte überhaupt kein Problem damit. Mayday ist etwas, wo ich mich in meiner Freizeit und als Privatperson engagiere, weil es mir einfach sehr wichtig ist und leidtut, wie die Reisebüros unverschuldet in der Krise unter die Räder kommen.

Es ist ein Herzensprojekt von mir. Wenn man sowas anfängt, weiss man nicht, was daraus wird. Ich habe auf Facebook gesehen wie die Leute frustriert und hilflos waren. Darum habe ich das angepackt und gesagt, lass uns doch mal zusammenspannen und wie können wir das Ganze kanalisieren.

Annette Kreczy
©zVg

Sind Sie die «Schwester Annette»?

Ich werde Scherzes halber auch schon «Mama Mayday» genannt.

Sind Sie jetzt noch aktiv bei Mayday dabei?

Ich bin nach wie vor aktiv bei Mayday dabei. Ich bin etwas in den Hintergrund gerückt, da bei Mayday auch ohne mich sehr gute Arbeit mit Calls und Lobbyarbeit geleistet wird.

Wie geht es weiter mit Mayday und wer bezahlt das überhaupt?

Wir haben keinen Präsidenten und werden auch nie ein Verein oder Verband werden. Bei Mayday ist alles ehrenamtlich. Wir haben jetzt ein «Kässeli» eingerichtet und auch schon Spenden erhalten. Damit können wir zum Beispiel ein gescheites Mikrofon kaufen. Weiter geht es mit Themen, die die Branche bewegen wie die Quarantäneliste, Kundengeldabsicherung bei Airline und dem Pauschalreisegesetz. Wir sind das Bindeglied zur Basis und zu den Verbänden.

Das klingt eher kritisch – sind die Verbände Ihrer Meinung nach abgehoben?

Das würde ich so nicht sagen. Aber die Kommunikation mit der Basis und die Nutzung der verschiedenen Medien könnte noch verbessert werden – um auch noch etwas schneller zu werden.

Wie haben Sie den TV-Auftritt von Nathalie Dové miterlebt?

Super, das hat sie top gemacht. Sehr professionell, sehr gut vorbereitet, sehr charmant und sie hat einem breiten Publikum die Situation der Reisebranche nähergebracht.

Wie lautet denn Ihre explizite Forderung an die Politiker in dieser Corona-Situation?

Zum einen fordere ich für die unabhängigen Reisebüros eine zeitnahe Umsetzung des Härtefallmassnahmenpakets. Zum anderen ein verantwortungsbewusst pragmatischer Umgang mit dem Thema Reisen. Testen statt Quarantäne. Mittelfristig steht dann eine Revision des Pauschalreisegesetzes an und das Thema Kundengeldabsicherung bei Airlines müsste auch angeschaut werden.

(Interview: YS/AH)