Kunst und Kultur à discrétion in Prag

Die tschechische Hauptstadt Prag wartet mit immer neuen Attraktionen auf.
Prague bietet Kunst und Kultur à discrétion ©William Zhang / Unsplash

Seit Jahrhunderten als Kulminationsort von Kunst und Kultur erster Güte etabliert, überrascht Prag selbst Insider regelmässig mit zusätzlichen Hotspots. Sie ergänzen traditionelle Locations auf ideale Weise.

Besuchen wir zwei: Das neue Mucha Foundation Art Museum und das traditionsreiche Gemeindehaus.

Mucha Foundation Art Museum

Wer mitten in Prag am barocken, in gediegener Ockerfarbe restaurierten Savarin-Palais vorbeischlendert, entdeckt plötzlich eine wehende Fahne vor dem Mucha Foundation Art Museum.

Es ist das neueste, nahe des Wenzels Platzes gelegene Museum der tschechischen Hauptstadt und eine Hommage an das beeindruckende künstlerische Vermächtnis von Alfons Mucha (1860-1939).

Dieser wird weltweit als Wegbereiter des Jugendstils, der Art Nouveau gefeiert – kein Wunder, erzielt Muchas Oeuvre nach wie vor Rekordpreise. Die Mucha-Familie hat nun 80 seiner Werke aus Familienbesitz ins Museum eingebracht. Gemälde, Plakate, Zeichnungen, Bücher, Fotografien – eine spannende Auslegeordnung.

Das Savaria Palace in Prag ist das neue Zuhause der Mucha Foundation Kollektion ©Crestyl
Pionier der neuen Kunst

Wie man beim Rundgang unschwer erahnen und nachvollziehen kann, avancierte Mucha dank der femininen Gesichtszüge seiner aparten Modelle, deren kurvenreiche Rundungen sowie von der Natur inspirierten Motive zu einem Pionier der neuen Kunst.

In diesem ‘kunstvollen’ Framing freundete er sich während seiner Pariser Jahre mit Paul Gauguin an, und Sarah Bernhardt – der erste Weltstar der Geschichte – avancierte zu seinem Förderer, war sie doch dermassen begeistert von seinen Plakaten für ihre Aufführung von ‘Gismonda’, dass sie ihm einen sechsjährigen Vertrag überreichte und er sodann Plakate, Bühnenbilder, Kostüme und Abrechnungen für sie entwarf. 

Alphonse Mucha (1860-1939), JOB, 1896. ©Mucha Trust 2025

Dank diesem ‘Rückenwind’ erlangte er rasch grosse Berühmtheit und designte auch für andere Auftraggeber Plakate für Fahrräder, Parfüms, Brandy, Seife, Champagner, Schokolade usw. Legendär war ebenfalls sein Design der JOB-Zigarettenpapiere.  

Es erstaunt allerdings nicht, dass er mit seinem weltoffenen Geist insbesondere ins Visier von Nazideutschland geriet.

Als am 15. März 1939 die Wehrmacht in die Tschechoslowakei einmarschierte, wurde Mucha als einer der Ersten verhaftet und durch die Gestapo verhört, da seine Aktivitäten als Sovereign Grand Master der tschechoslowakischen Freimaurer und sein Engagement für die slawische Einheit suspekt waren.

Zermürbt, geistig gemartert und enttäuscht über die blutige Herrschaft der Nazidiktatur und das Schicksal seines Vaterlandes starb er am 14. Juli des gleichen Jahres. 

Verdiente Referenz

Seine künstlerische Hinterlassenschaft allerdings ist lebendig und findet zahlreiche Neuinterpretationen in Form verschiedener Kunstströmungen, die seine von floraler Üppigkeit, fliessenden Formen und natürlicher Schönheit dominierte ‘Handschrift’ neu aufleben lassen und ihm so eine späte – und verdiente! – Referenz erweisen. 

Das Gemeindehaus in Prag ©Prague City Tourism
Art-Nouveau-Juwel Gemeindehaus

Immer wieder überrascht das Prager Gemeindehaus mit seinen Aktivitäten; seien es die hochklassigen Konzerte in der Smetana Hall, seien es die wechselnden Kunstausstellungen (bis 25. September Meisterfälscher Wolfgang Beltracchi), seien es die rauschenden Galas und Empfänge, Meetings und Bankette.

Im Rahmen gruppenweiser Besichtigungen ist auch das MICE-Segment angesprochen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen oder hier Veranstaltungen jeder Couleur durchzuführen.

Sowohl das Gebäudeäussere als auch das -innere wirken spektakulär – ein Art-Nouveau-Juwel der Sonderklasse. Mit überschwänglich reicher Symbolik, gigantischen Skulpturen, raumgreifenden Statuen und herrlicher Ornamentik wird dem Nationalstolz gehuldigt und auf Industrie, Handel und Transport als Künder des damaligen Aufbruchs verwiesen. 

Zudem geniesst man von den im Gebäude untergebrachten gediegenen Restaurants aus freien Blick auf die unzähligen vorbeiflanierenden Passanten – und freut sich über das kühle Bier (natürlich aus Tschechien) und die erstaunlich preiswerte Kulinarik.   

Ebenso preiswert ist der Prague Visitor Pass, der sich für die Gäste im Handumdrehen bezahlt macht durch freien Transport im öV und zahlreiche Discounts (oder Gratiszugang) bei den unzähligen Sehenswürdigkeiten.

Werner Knecht, Prag