Mallorca erwartet Besucherrekord

Trotzdem plant Mallorca die Anzahl Betten in Ferienhäuser und -Wohnungen massiv zu verringern.
Flughafen Palma de Mallorca © Wikimedia/Wusel007

Gemäss der spanischen Koordinierungsstelle für Flugslots (AEDFA) hätten internationale Fluggesellschaften für das Jahr 2022 Slots für eine totale Kapazität von 33,1 Mio. Plätzen beantragt und belegt. Dies entspricht einer Steigerung gegenüber dem bisherigen Spitzenjahr 2019 von 11,5%.

Die von zwei Corona-Jahren geplagten Hoteliers, Gastronomen, touristische und andere Dienstleister und der Handel freut dies natürlich. Allerdings drohen die Regierungspläne für mehr Nachhaltigkeit und Schonung der Ressourcen einmal mehr auf der Strecke zu bleiben.

Alleine Eurowings will Mallorca in der kommenden Saison von 20 Flughäfen bis zu 380 Mal wöchentlich anfliegen. Eurowings-CEO Bischof meinte dazu, nach zwei Jahren der Pandemie hätten die Menschen einen riesigen Nachholbedarf und veranschaulichte es mit dem ‘Prinzip Ketchup-Flasche’: «Erst kommt lange nichts, dann alles auf einmal.»

Allerdings diskutieren lokale Touristiker, welchen Einfluss die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine auf die Nachfrage haben werden. Im Sommer 2019 gab es jedenfalls Verbindungen nach Russland, beispielsweise mit der Airline S7 nach St. Petersburg. Höhere Flugpreise wegen gestiegener Treibstoffkosten und generell höhere Energiekosten könnten dazu führen, dass Reisewillige ihre Pläne zurückstellten.

Möglicher Abbau von 90’000 Betten

Diesem erwarteten Besucherrekord gegenüber steht das per Eildekret im Februar 2022 eingeführte, neue Tourismusgesetz der Balearen. Dieses beinhaltet einen grossen Aktionskatalog zu den Themen der Kreislaufwirtschaft, und des Arbeitnehmerschutzes im Tourismusgewerbe, wie z.B. Auflagen an die Hotellerie zur Müllvermeidung, zum Austausch von Öl-Heizungen gegen Erdgas betriebene, Nutzung des Regenwassers
bis hin zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen der 20’000 Hotelangestellten.

Aber das Gesetz beinhaltet auch das Einfrieren der sogenannten ‘Bettenbörse’, an welcher Lizenzen für Hotels und andere Ferienunterkünfte (Wohnungen, Villen, Fincas) erworben werden können, für vier Jahre. Auf der Insel darf es maximal 430’000 Gästebetten, davon 315’000 in Hotels und 115’000 in Fernienhäusern und -wohnungen geben.

Vermieter dürfen aber, anders als Hoteliers, ihre Lizenzen beispielsweise bei Geschäftsaufgabe nicht weiter veräussern, wodurch sich über die vier Jahre die Anzahl Betten im Parahotellerie-Bereich zwangsläufig reduzieren wird. Der Vermieterverband Habtur geht davon aus, dass dies bis in vier Jahren zu einem Wegfall von 90’000 Betten führen könnte.

(Hans-Peter Brasser)