Mit NDC kommt auch Instant Ticketing

Amex GBT und Lufthansa werben bei TMC für den neuen Datenstandard.

Flugtickets über NDC gebucht sind günstiger als solche, die im klassischen GDS gebucht sind. Diesen Schluss zog Björn Dumke von American Express GBT in einem Webinar für TMC über den bei vielen Reiseprofis immer noch umstrittenen neuen Datenstandard.

Die Feststellung beruhe auf eigenen Beobachtungen, erklärte der Management&Procurement-Spezialist. Der Airline auf der anderen Seite, im konkreten Fall der Lufthansa, beschere NDC mehr Verkäufe. Die Zielpreise der Airline seien auch «1:1 in allen Verkaufskanälen», versicherte er.

NDC, folgerte Dumke, habe einen klaren Mehrwert. Er räumte allerdings ein, dass es «zu Recht Kritikpunkte gab» – etwa wenn Light Fares zuerst aus den Systemen verschwanden um dann komplizierter wieder unter NDC aufzutauchen. Ein ungelöstes Problem sei auch noch das Interlining unter dem neuen Datenstandard. NDC stehe eben immer noch am Anfang, meinte Dumke Kritiker.

Diese machen neben unnötiger Kompliziertheit des Systems auch die Intransparenz geltend, die mit NDC in den Buchungsprozessen entstünden. Sowohl bei den eigentlichen Flugtarifen wie auch bei den Preisen für Ancillaries. Man sei nie sicher, wirklich den besten Tarif angezeigt zu bekommen, hört man oft. «Airlines geben sich sehr bedeckt», musste der Tech-Vertreter einräumen.

Die Umstellungen mit NDC sind gerade bei den Prozessen im Business Travel erheblich. So läuft der neue Datenstandard mit Continous Pricing ganz klar auf sofortige Buchungen hinaus. «NDC führt zu Instant Ticketing», bestätigte Dumke.

Firmen müssen Reiserichtlinien verfeinern

Dies wiederum muss unweigerlich zu Änderungen in den Genehmigungsverfahren bei den Kundenfirmen, die ihre Reiserichtlinien entsprechend anpassen müssen. Denn Instant Ticketing heisst gemäss Dumke bei Lufthansa etwa, dass ein Tarif eine halbe Stunde gilt, dann muss der Deal stehen. «Das ist irreversibel, daran führt kein Weg vorbei», so Dumke. Die Kundenunternehmen brauchen also ihrerseits eine Instant Genehmigung.

Überhaupt ist klar, dass die Reiserichtlinien vieler Firmen für NDC noch nicht überall aufgerüstet sind. Etwa die Abgrenzungen bei der Berechtigung für Business statt Eco – die diversen und unterschiedlich benannten Zwischenklassen sind in vielen Reiserichtlinien schlicht nicht existent.

Gleiches gilt für die Ancillaries, die früher inkludierten und heute separat zubuchbaren Leistungen, für die NDC recht eigentlich erfunden wurde. Die Reiseregeln der Firmen müssen künftig präzise Vorgaben dazu enthalten, was ein Business Traveller im Flugzeug auf Kosten des Arbeitgebers zu Essen oder zu Trinken bekommt und ob er einen Sitzplatz reservieren darf und nur mit Handgepäck reisen darf.

Offene Fragen zu NDC gibt es im Business Travel zu Hauf. Etwa auch diese: Was passiert mit den Firmenraten – wird es diese überhaupt noch geben? Oder wie stehen sie im Verhältnis mit den Tarifen im Continuous Pricing über NDC? «Das müssen die Airlines beantworten», so Amex-GBT-Mann Dumke. Aber die halten sich, wie er sagte, eben bedeckt.

Dumke jedenfalls rechnet nicht damit, dass die Flugpreise wegen NDC steigen werden. Dafür gebe es andere Gründe, wie Nachfrage und Kapazität. Wenn Geschäftsreisen fehlen und weniger teure Business Tickets gebucht würden, würden automatisch die günstigeren Tickets teurer werden, so seine Prognose.

(Christian Maurer)