Myanmar – kann ich da wieder hinreisen?

Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Stephan Roemer.
©TRAVEL INSIDE

Stephan Roemer, Geschäftsführer Tourasia, bereist Myanmar regelmässig, trotz der aktuellen Konfliktsituation im Land.

Er berichtet für TRAVEL INSIDE, warum sich eine Reise in das südostasiatische Land lohnen kann, und inwiefern er doch davon abraten würde.


«Kaum ein Land löst bei mir gemischtere Gefühle aus als Myanmar. Ein Land, das ich seit Jahrzehnten kenne, das mir ans Herz gewachsen ist – und das seit dem Militärputsch vom 1. Februar 2021 nicht mehr zur Ruhe gekommen ist.

Was danach folgte, war kein Rückschlag, sondern ein Absturz: Massenproteste, eine brutale Reaktion der Armee und daraus erwachsen ein Bürgerkrieg, der bis heute andauert. Inlandflüge wurden gestrichen, Busverbindungen zwischen den Städten eingestellt, Hotels, die praktisch nur von Touristen lebten, fielen in eine Art Dornröschenschlaf oder schlossen ganz. Der internationale Tourismus kam über Nacht zum Erliegen.

Ich habe das Land seither trotzdem regelmässig besucht, meist zweimal im Jahr – aus geschäftlichen Gründen, aber ebenso aus Verbundenheit mit langjährigen, teils jahrzehntealten Freunden und mit den Mitarbeitenden, die wir über unsere Tochtergesellschaft DTH Travel beschäftigen.

Meine Besuche beschränkten sich dabei bewusst auf Yangon und Bago, wo ich mich stets sicher gefühlt habe. Das hat mir einen seltenen Blick auf die tatsächliche Entwicklung im Land erlaubt – nicht aus der Zeitung, sondern mit eigenen Augen.

Von der Geisterstadt zum Geheimtipp

2022 war ich einer der ganz wenigen Ausländer, die überhaupt noch in einem der wenigen offenen Hotels in Yangon logierten. Fünf Jahre später hat sich das Bild spürbar gewandelt. Bei meinem letzten Besuch waren die meisten Hotels wieder geöffnet – und zu meiner Überraschung oft so gut gebucht, dass ich selbst auf ein Ausweichhotel zurückgreifen musste.

Die Gäste? Vor allem Koreaner, dazu einige Japaner und zahlreiche Chinesen, die vorrangig geschäftlich unterwegs sind. Dieses Jahr traf ich aber vermehrt auch auf Europäer – darunter sogar eine spanische Reisegruppe, mit der ich mich unterhielt. Einige waren für internationale Organisationen im Land, andere eindeutig aus touristischem Interesse.

Meine erste Frage an sie war immer dieselbe: Wie steht es um die Sicherheit? Die meisten beschränkten sich auf Yangon. Die Spanier allerdings wagten sich weiter – nach Bagan und sogar zum Inle-See – und schwärmten regelrecht davon, die berühmte Tempelebene praktisch für sich allein gehabt zu haben, ganz ohne die sonst üblichen Touristenmassen. Tatsächlich sind Bagan und Heho (Inle-See) wieder per Flug erreichbar, wenn auch nur zwei- bis dreimal wöchentlich.

Yangon selbst hat sich in den letzten fünf Jahren kaum verändert – ausser dass, wenn auch deutlich gebremster als in den Nachbarländern, hier und dort neue Hochhäuser in den Himmel wachsen. Die Restaurants waren bei meinem letzten Aufenthalt gut besucht, von einer Mischung aus Ausländern und wohlhabenden Burmesen.

Das bekannte Gourmetlokal ‘Seeds’ des Schweizer Sternekochs Felix Eppisser war bis auf den letzten Platz ausgebucht, das Fünf-Gänge-Menü ging förmlich im Minutentakt über den Tisch – unter den wachsamen Augen des Chefs.

Übernachtet habe ich diesmal im legendären The Strand, für umgerechnet CHF 150 pro Nacht inklusive Frühstück – vor der Pandemie zahlte man dort noch über CHF 400. Dort traf ich auch ein deutsches Paar, gerade aus Bagan zurückgekehrt: erfahrene Weltreisende, die die Stille und Einsamkeit der Tempelebene während fünf Tagen bewusst genossen hatten. Sie schwärmten vom Service, vom Pool, den sie kaum teilen mussten – und von einem zwar etwas in die Jahre gekommenen, was natürlich dem Genuss nicht abträglich war.

Also: Kann man wieder nach Myanmar reisen?

Meine ganz persönliche Einschätzung – und ausdrücklich nur meine persönliche Meinung, keine offizielle Reiseempfehlung – lautet: jein.

In Yangon sehe ich aktuell keine konkreten Sicherheitsbedenken. Auch in Bagan halte ich einen Aufenthalt für vertretbar, solange man sich innerhalb der geöffneten Hotels und der per Fahrrad erreichbaren Pagodenebene bewegt – das beliebte Tharabar Gate Hotel etwa beherbergte auf meine Nachfrage letzte Woche immerhin 28 Gäste. Ausserhalb dieser Zonen rate ich klar von Reisen ab. Die Sicherheit auf dem Landweg ist nicht gewährleistet, und man liest immer wieder von Zusammenstössen.

Bezeichnend finde ich, wie sehr sich die burmesische Bevölkerung – in ihrer bekannt ergebenen, geduldigen Art – mit der politischen Lage arrangiert hat und sich schlicht Ruhe und Frieden wünscht. Manche schätzen es inzwischen sogar, dass die Regierungsarmee in diesen Gebieten Präsenz zeigt und für eine gewisse Ordnung sorgt.

Mein Fazit: Eine Reise nach Myanmar ist heute wieder möglich, sollte sich aus meiner Sicht aber auf Yangon und – ausschliesslich per Flug erreicht – Bagan beschränken. Ein gewisser Abenteuercharakter bleibt, das gebe ich offen zu, und ich würde eine solche Reise nur Reisenden empfehlen, die auch im Falle einer unvorhergesehenen Situation gelassen und selbständig reagieren können.

Was die offiziellen Stellen sagen

Damit dieser Bericht nicht nur meine persönliche Reiselust widerspiegelt, hier der Abgleich mit der Aussen Perspektive: Das EDA rät nach wie vor generell von touristischen und anderen nicht dringenden Reisen nach Myanmar ab und warnt aktuell explizit vor Reisen in die Provinzen Mandalay, Shan und Magway – Landminen bleiben zudem in mehreren Grenz- und Konfliktregionen ein reales Risiko.

Am 28. März 2025 erschütterte zudem ein Erdbeben der Stärke 7,7 mit Epizentrum nahe Mandalay das Land, forderte über 5’000 Todesopfer und beschädigte Strassen- und Bahnverbindungen teilweise bis heute.

Im Dezember 2025 und Januar 2026 hielt das Militär Wahlen ab, die in den grossen Städten weitgehend ruhig verliefen – an einer nachhaltigen Befriedung der teils jahrzehntealten Konflikte ändert das jedoch wenig, da pro-demokratische und ethnische Oppositionskräfte davon ausgeschlossen blieben und schätzungsweise weiterhin rund 40 Prozent des Landes kontrollieren.

Diese Fakten relativieren mein persönliches, vor Ort gewonnenes Bild keineswegs – sie ergänzen es. Wer nach Myanmar reist, tut dies weiterhin ausserhalb der offiziellen Empfehlungen und in eigener Verantwortung.

Und unsere Mitarbeitenden vor Ort?

Ein Wort noch zu DTH Travel, unserer Tochtergesellschaft in Myanmar: Von ursprünglich 82 Mitarbeitenden beschäftigen wir heute noch 18 – sie warten sehnlichst darauf, ihre angestammte Arbeit wieder vollumfänglich aufnehmen zu können. Im Moment sichern sie sich vor allem über Dateneingaben für unsere anderen Büros in Asien ihren Lebensunterhalt.

Myanmar bleibt ein Land der Extreme – zwischen Schönheit und Schwere, zwischen stillen Tempelfeldern und einem Konflikt, der noch lange nicht gelöst ist. Wer bereit ist, sich auf diese Ambivalenz einzulassen, wird mit Erlebnissen belohnt, wie man sie sonst kaum noch findet.»

Stephan Roemer, Geschäftsführer Tourasia