Notfall im Ausland

So wirken sich Luftraumsperrungen und KI auf internationale Rega-Einsätze aus.
©Rega Mediendienst

Geopolitische Spannungen, veränderte Reiserouten, neue technologische Risiken und der Einsatz von künstlicher Intelligenz: Die Anforderungen an die internationale Assistance- und Repatriierungsbranche nehmen laufend zu.

Vor diesem Hintergrund lud die Rega kürzlich rund 60 Vertreterinnen und Vertreter von Versicherungen, Assistance-Gesellschaften, Reiseunternehmen und weiteren  Partnerorganisationen zur Fachtagung ins Rega-Center am Flughafen Zürich ein.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen aktuelle Entwicklungen im internationalen Umfeld sowie deren Auswirkungen auf medizinische Rückführungen und die Versorgung von Reisenden im Ausland.

Geopolitische Entwicklungen beeinflussen Repatriierungen

Zum Auftakt zeigte Daniel Landert, Leiter Jet Einsatz, Pilot und Mitglied der Geschäftsleitung der Rega, auf, wie sich die weltweite Sicherheitslage auf die Durchführung von Ambulanzflügen auswirkt. Konflikte, gesperrte Lufträume und veränderte Flugkorridore stellen die Einsatzplanung zunehmend vor Herausforderungen.

Ein besonderes Augenmerk galt dabei den weltweit zunehmenden Vorfällen von GPS-Spoofing und GPS-Jamming. Diese gezielten Störungen von Satellitennavigationssystemen betreffen mittlerweile zahlreiche Regionen und erhöhen die Belastung der Pilotinnen und Piloten.

Wie die Rega solche Risiken im Rahmen von Repatriierungen systematisch bewertet und minimiert, erläuterte Tim Bishop, Spezialist Flugdienst und Mitglied des Security-Teams der Rega. Anhand aktueller Konfliktregionen zeigte er auf, wie sich Sicherheitslagen teilweise innerhalb weniger Stunden verändern können und weshalb eine kontinuierliche Neubewertung von Flugrouten und Einsatzoptionen erforderlich ist.

Oliver Howald, Dertour Suisse

Auswirkungen auf das Reiseverhalten Im anschliessenden Gespräch mit Daniel Deicher, Moderator der Veranstaltung, sprach Oliver Howald, Vice President Sales and Crisis Management bei Dertour Suisse, über die Auswirkungen geopolitischer Entwicklungen auf die Reisebranche.

Dabei wurde deutlich, dass Sicherheitsaspekte für viele Reisende zunehmend an Bedeutung gewinnen und Reiseveranstalter ihre Angebote und Beratungsleistungen entsprechend anpassen müssen.

Repatriierungen im Wandel

Einen Blick auf die langfristige Entwicklung der Branche warfen Steffen Bohn, Co-Leiter der Medizinischen Einsatzzentrale Medicall, und Markus Detel, Bereichsleiter Finanzen & Internationales Netzwerk Medicall. Sie zeigten auf, wie sich Repatriierungen in den vergangenen 26 Jahren verändert haben und wie die medizinische Versorgungsqualität weltweit gestiegen ist.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass die steigende Mobilität, die zunehmende Komplexität internationaler Reisen und die Vielzahl verfügbarer Transportmöglichkeiten neue Anforderungen an Assistance-Organisationen und medizinische Dienstleister stellen.

Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Assistance-Welt

Zum Abschluss der Tagung stand ein Thema im Fokus, das derzeit zahlreiche Branchen beschäftigt: künstliche Intelligenz. Tim Rohner, Experte für digitale Technologien im Gesundheitswesen, stellte gemeinsam mit der Rega-Beratungsärztin Gwendolin Zehnder ein KI-Projekt vor, das die medizinische Fallbearbeitung unterstützt.

Das Projekt wurde innerhalb weniger Monate von der Konzeptphase in den operativen Einsatz überführt und unterstützt die Beratungsärztinnen und -ärzte der Rega bei der Übersetzung und Analyse von handschriftlichen Arztberichten von Patientinnen und Patienten im Ausland unterstützt.

Plattform für Austausch und Vernetzung

Die alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung hat sich in den vergangenen Jahren als Plattform für den fachlichen Austausch innerhalb der Assistance- und Repatriierungsbranche etabliert. Beim anschliessenden Apéro im Hangar nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, aktuelle Herausforderungen zu diskutieren und bestehende Netzwerke zu pflegen.

Die Rega organisiert die Fachtagung regelmässig, um den Austausch zwischen Versicherungen, Assistance-Gesellschaften, Reiseunternehmen und medizinischen Partnerorganisationen zu fördern und gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen eines zunehmend komplexen internationalen Umfelds zu diskutieren. (TI)