
Nach dem jüngsten Ausstand bei der Muttermarke Lufthansa stehen die Zeichen in Deutschland erneut auf Arbeitsniederlegung: Die Pilotinnen und Piloten der Regionaltochter Lufthansa Cityline haben sich mit überwältigender Mehrheit für mögliche Streikmassnahmen ausgesprochen, wie das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet.
Wie die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mitteilt, votierten 99% der teilnehmenden Mitglieder für einen Arbeitskampf. Die Beteiligung lag bei bemerkenswerten 95%. Damit ist der Weg für härtere Bandagen im Tarifkonflikt formal geebnet.
Regionalflotte vor dem Aus
Cityline betreibt aktuell rund 30 Regionaljets der Typen Airbus A319, Bombardier CRJ900 sowie Airbus A321P2F und beschäftigt etwa 500 Pilotinnen und Piloten. Die Airline sichert im Lufthansa-Netzwerk vor allem Zubringerverbindungen zu den Drehkreuzen.
Allerdings steht die Gesellschaft vor dem Aus: Der Konzern plant, den Flugbetrieb im kommenden Jahr einzustellen und die Strecken schrittweise auf die neue Tochter Lufthansa City Airlines zu übertragen.
Nach Darstellung der VC steht diese strategische Neuausrichtung jedoch nicht im direkten Zusammenhang mit den laufenden Tarifverhandlungen.
Im Zentrum der aktuellen Gespräche stehen Gehaltsanpassungen: Für die Jahre 2024 bis 2026 fordert die Gewerkschaft jeweils 3,3% mehr Vergütung pro Jahr. Ein jüngst vorgelegtes Angebot des Arbeitgebers bleibt laut VC hinter diesen Erwartungen zurück.
Besonders kritisch bewertet die Gewerkschaft eine vorgeschlagene Friedenspflicht bis Ende 2027, die die Handlungsmöglichkeiten der Pilotenschaft faktisch stark einschränken würde. VC-Präsident Andreas Pinheiro warnt, man würde sich damit tarifpolitisch weitgehend selbst blockieren.
Konzernweite Konfliktlinien
Parallel schwelt bei der Muttergesellschaft weiterhin der Streit um die betriebliche Altersversorgung der rund 4’800 Cockpit-Beschäftigten. Erst vor zwei Wochen hatte ein Streik bei Lufthansa selbst zur Streichung von über 800 Flügen und rund 100’000 betroffenen Passagieren geführt.
Beobachter rechnen nun mit koordinierten Aktionen, da für beide Flugbetriebe eine gemeinsame Tarifkommission zuständig ist. Für den Konzern steigt damit der Druck, eine tragfähige Gesamtlösung zu finden.
Strukturreformen als Zankapfel
Das Management hatte nach dem jüngsten Ausstand Reformvorschläge für das Betriebsrentensystem präsentiert und zugleich Gespräche über eine grundsätzliche Neuordnung des Flugbetriebs unter externer Moderation angeboten. Dabei geht es nicht zuletzt um künftige Einsatzmodelle und Karriereperspektiven innerhalb des Konzerns.
Die VC begegnet diesen Vorstössen bislang mit Skepsis. Seit Längerem kritisiert sie die Strategie, neue Marken wie City Airlines oder Discover aufzubauen, um Kostenstrukturen zu flexibilisieren und Druck auf bestehende Tarifwerke auszuüben.
In den laufenden Verhandlungen konzentriert sich die Gewerkschaft allerdings auf jene Punkte, die unmittelbar tariflich regelbar sind.
Für die Reisebranche bedeutet die Entwicklung vorerst vor allem eines: eine anhaltende Unsicherheit im Lufthansa-Netz – mit potenziellen Auswirkungen auf Zubringerströme, Hub-Stabilität und damit auch auf internationale Anschlussverkehre. (TI)








