Oceania Cruises strebt mit der neuen Allura einen Luxus-Standard an

Das aktuell neuste Kreuzfahrtschiff, die Allura von Oceania Cruises, hat Fahrt aufgenommen. TRAVEL INSIDE war auf einer Preview-Reise von Genua nach Triest an Bord.
Pooldeck der Allura von Oceania Cruises. ©BE

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Es ist ein prächtiges neues Kreuzfahrtschiff, das derzeit auf seiner Jungfernfahrt von Triest durch die Adria nach Athen tuckert. Vorgängig konnten Trade-Partners und Medien aus der ganzen Welt, darunter auch TRAVEL INSIDE, die auf der Fincantieri-Werft in Sestri Ponente (Genua) erbaute Allura von Oceania Cruises im Rahmen einer mehrtägigen Preview-Fahrt von Genua nach Triest eingehend unter die Lupe nehmen.

Fakten und Anmutung
Die Allura im Hafen von Genua. ©BE

Einige Fakten vorweg: Die Allura ist das Schwesterschiff der 2023 ausgelieferten Vista und weist identische Kennzahlen auf: Vermessen mit einer Bruttoraumzahl von ca. 68’0000, nimmt der Neubau maximal 1200 Passagiere auf. Die Passagier-Raum-Zahl (Passenger Space Ratio) beträgt somit gut 56. Und mit rund 800 Besatzungsmitgliedern beträgt das Personal-Gäste-Verhältnis 2:3. Die Kosten für den Neubau belaufen sich auf rund 660 Mio. US-Dollar.

Der Aufbau über 11 Passagierdecks ist identisch mit der Vista, die Bord-Infrastruktur mit geringen Veränderungen (siehe unten) ebenfalls. Das kreative Design des Studio Dado setzt auf eine dezent neu interpretierte, klassisch-moderne und sowohl raffinierte wie dezent verspielte Eleganz, die – in den verschiedenen Räumlichkeiten unterschiedlich umgesetzt – überall eine unaufdringlich-wohnliche Atmosphäre mit luxuriösem Anspruch verströmt.

Die Neuerungen auf der Allura
Das Jacques. ©BE

Im Vergleich mit der Vista gibt es natürlich einige Neuerungen zu entdecken: So feiert das französische Spezialitätenrestaurant Jacques, bekannt von der Marina und Riviera, auf der Allura ein Comeback (Deck 5). Auf der Vista wurde dieses beliebte Restaurant durch ein neues Ember ersetzt, das auf eine «neu interpretierte klassische amerikanische Küche» setzte. Das Ember erfüllte wohl die gehegten Erwartungen nicht und wird in diesem Herbst nun auch auf der Vista durch ein Jacques ersetzt. Favoriten wie Ente mit Grand-Marnier Orangensauce oder Kalbsmedaillon mit Morchelsauce, aber auch neue vegetarische Kreationen zeichnen das hochkarätige Jacques aus.

Im Umfeld der Café Bar Baristas mit Bakery (Deck 14) gibt es zudem neu eine Crêperie mit frisch zubereiteten Crêpes und Waffeln sowie Eisspezialitäten. Hier befand sich auf der Vista die Bibliothek, die nun auf der Allura auf demselben Deck an die Stelle des Conference Centers rückte: Eine feine, ruhigen Oase mit raumhohen Glasfronten, komfortablen Sesseln und vielen (englischsprachigen) Büchern und Bildbänden.

Weitere erwähnenswerte Neuerungen betreffen etwa die Ausweitung der Angebotspalette im panasiatischen Spezialitätenrestaurant Red Ginger mit Gerichten der japanischen Nikkei-Küche (Deck 5), und im Grand Dining Room (Deck 6) wurde die Karte mit rund 270 neu entwickelten Rezepten aufgewertet.

So gibt es etwa auf der Frühstückskarte köstliche Signature Eggs Benedict-Kreationen, das Mittagsmenü überrascht mit französischen Bistro-Gerichten und die Abendkarte mit Klassikern wie Beef Wellington mit Shiraz-Rotweinsauce, sautiertem Spinat und Trüffel-Kartoffelpüree oder in Chermoula-Butter gebratener Maine-Hummer mit Risotto Primavera und Bisque Jus.

Die «Feinste Küche auf See»
Alexis Quaretti. ©BE

Mit diesen Anmerkungen sind wir bereits mitten im Thema, das Oceania Cruises gezielt in den Vordergrund rückt: «Bei Oceania Cruises stellen wir die Kulinarik in den Mittelpunkt all unseres Handelns, und unsere Philosophie der Feinsten Küche auf See ist der Nordstern, der unser gesamtes Unternehmen leitet», erklärte Culinary Director Alexis Quaretti ohne Wenn und Aber.

Er ergänzte, dass dazu ein Küchenchef pro acht Gäste im Einsatz stehen. Jedes Spezialitätenrestaurant hat seine eigene Galley, dazu kommt die Main-Galley für den Grand Dining Room – die gesamte Galley-Fläche an Bord beträgt über 200 m2.

Nebst dem bereits erwähnten Grand Dining Room, dem französischen Jacques und dem panasiatischen Red Ginger wird exquisite Kulinarik auch in den Spezialitätenrestaurants Grand Polo Grill, einem klassischen Steakhouse, und dem Toscana, einem feinen Italiener, zelebriert (beide Deck 14). Alle Spezialitäten-Restaurants sind übrigens bei Oceania inbegriffen.

Unkomplizierte Restaurants sind auf Deck 12 angesiedelt: Das Terraces Café mit Köstlichkeiten im Self-Buffet-Stil und an A-la-Minute-Stationen wartet zudem mit herrlichen Aussenplätzen am Heck auf – zu jeder Tageszeit eine höchst stimmungsvolle Alternative. Das auf der Vista eingeführte Aquamar Kitchen nebenan wartet zum Frühstück und mittags mit einer köstlichen Wellness-orientierten Karte auf, der Waves Grill mit klassischen Snacks.

Die persönliche Erfahrung
Beeindruckender Brunch. ©BE

Der persönliche kulinarische Eindruck auf einer Preview-Fahrt muss berücksichtigen, dass man die allerersten Tage einer neu zusammengestellten Crew – wie in einem Hotel in den Schweizer Berg-Nobelorten unmittelbar nach Saisoneröffnung – nicht endgültig beurteilen darf.

Die «getesteten» Gerichte waren fast durchwegs hervorragend, auch wenn der Blattsalat mal etwas unmotiviert und mit zu viel Essig serviert wurde oder die Tarte aux Pommes etwas gar lieblos präsentiert daherkam – das wird sich bestimmt noch ändern. Dafür darf das allerbeste französische Baguette auf See gelobt werden: Knusprig, luftig und geschmacklich perfekt. Und der grosse Brunch im Grand Dining Room war schlichtweg eine Show der Superlative, Kaviar à discrétion inbegriffen.

Es dreht sich noch mehr um die Kulinarik an Bord der Allura (und der anderen Schiffe) von Oceania Cruises: Im Kochstudio Culinary Center können die Gäste unter kundiger Anleitung Gerichte nachkochen, im Chef’s Studio nebenan geben Chefköche ihre Geheimnisse preis. Weinliebhaber besuchen die Sommelier-Präsentationen, im Angebot sind auch exklusive Cellar Master’s Classic Wine Paring Luncheons. Die Weinkarte ist beeindruckend und führt viele spannende kalifornische, europäische und weltweite Crus auf.

Das gute Leben an Bord
Martinis Lounge. ©BE

Natürlich mangelt es an Bord der neuen Allura auch nicht an hübschen Bars und Lounges. So etwa die Martinis-Lounge, einer Pianobar auf Deck 6 mit einer tollen Cocktail-Karte (12 bis 14 USD) und einer ruhigen Grand Lounge nebenan. Oder oben auf Deck 14 voraus die grosszügige und von offenen Fensterfronten gesäumte Horizons-Lounge mit Bar, Tanzfläche und abends Live-Musik oder DJ.

Auf demselben Deck liegt – nebst der Bibliothek – auch eine Smokers Lounge, das Artist Loft mit Kunstkursen und das LYNC Digital Center, wo man jederzeit Inputs und Präsentationen zu digitalen Fragen kriegt.  Abends werden unten auf Deck 5 in der Allura Lounge gute Music- & Tanz-Shows geboten, die mit toller Choreographie, einem professionellen Ensemble und attraktiven visuellen Umsetzungen gefallen.

Der Pool auf Deck 12 mit Jacuzzis und Waves Bar ist gesäumt von komfortablen Liegen, und natürlich verdient auch der Aquamar-Spa auf Deck 14 mit herrlicher Aussenfläche voraus und Fitness Center eine Erwähnung. Ein Jogging Track, Deckspiele, eine Minigolf-Anlage und ein Picklelball-Court ergänzen auf den obersten Decks das Angebot für aktive Gäste. Outdoor-Rambazamba sind auf einem Schiff dieser Ausrichtung jedoch kein Thema.

Kabinen- und Suiten-Vielfalt
Penthouse Suite. ©BE

Zur Auswahl der Kabinen und Suiten, die alle aussen liegen: Die French Veranda Staterooms (22 m2) sind die einzigen Kabinen, die nicht über einen Balkon verfügen. Die Veranda und Concierge Level Veranda Staterooms kommen auf 27 m2 (inkl. Balkon).  Die Penthouse Suites sind mit 41 m2 vermessen, dann geht es über die Oceania Suites (89 bis 109 m2) und Vista Suites (161 bis 171 m2) bis zur 223 m2 grossen Owner’s Suite. Wie auf der Vista gibt es zudem auch auf der Allura auf Deck 9 am Heck sechs 23 m2 grosse Concierge Solo Veranda Kabinen.

Die empfehlenswerten Penthouse Suites sind in einem freundlichen, hellbeigen Ton gehalten mit dezenten Olive-, Holz- oder Anthrazit-Kontrasten. Der gehobene Komfort mit einem separaten Ankleidebereich, bequemer Couchgruppe, Tisch mit Stühlen, einem sehr bequemen Bett und recht grossem Badezimmer mit zwei Lavabos und Regendusche ist gegeben. Allerdings fehlt eine Espressomaschine, auf Deck 11 steht dafür eine Executive Lounge zur Verfügung (was aber Suiten-Gäste auf unteren Decks nicht eben glücklich macht…).

Alles Luxus oder was?
Jason Montague. ©BE

Bis anhin ordnete man Oceania Cruises in einem «Upper-Premium»-Segment ein, der Begriff «Luxus» wurde eher vermieden. Doch Jason Montague, der seit diesem Februar bei Norwegian Cruise Line Holdings als «Chief Luxury Officer» für die strategische Führung von Oceania Cruises und Regent Seven Seas Cruises verantwortlich zeichnet, sieht das nun etwas anders: «Mit der Allura festigen wir unseren Luxus-Anspruch», erklärte er an einer Präsentation.

In Abgrenzung zu Regent Seven Seas, mit einem umfassenden All-inklusive-Angebot als «Ultra-Luxus» bezeichnet, stehe Oceania Cruises für einen «Entry-Level-Luxus», bei dem der Gast die Wahl habe. Kritische Trade-Stimmen an Bord fragten sich aber, ob sich Oceania mit dem Begriff «Luxus» tatsächlich einen guten Dienst tue. Es gebe da und dort, etwa in der Grösse der Kabinen oder bei der Passenger Space Ratio, doch noch Nuancen zu einem «wahren Luxus-Schiff». Und die amerikanische Unsitte, Teller vom Tisch zu räumen während andere noch am Essen sind, passt auch nicht so recht ins Bild. Wie immer auch: Luxus liegt bekanntlich ebenso im Auge des Betrachters, respektive des Gasts.

Schweizer Spitzen-Yield
Steve Odell und Gabriella Fonzo. ©BE

Im Gespräch mit Steve Odell, Senior Vice President International & Consumer Sales von Oceania und Regent, sowie Gabriella Fonzo, Senior Director Sales EMEA von Oceania und Regent, kam das Luxus-Thema nochmals auf: Dies gelte insbesondre für die Vista und Allura, die das Produkt auf einen neuen Level heben, sagte Odell.

Oceania Cruises ist eine US-amerikanische Marke, entsprechend machen nordamerikanische Gäste im Schnitt rund 75% aus, gefolgt von Grossbritannien und Australien. «Der DACH-Markt steht an vierter Stelle, wobei sich die Schweiz durch den höchsten Yield aller Märkte auszeichnet», sagte Gabriella Fonzo. Die Mehrheit der Oceania-Gäste ist zwischen 55 und 75 Jahre alt.

In Sachen Umwelt und Klima gibt sich die Reederei eher zurückhaltend, hat aber eigentlich – insbesondere was die Vista und Allura betrifft – nichts zu verbergen: Zum Einsatz kommt modernste Technologie und viele Massnahmen in Bezug auf Abwasser, Abfall, Energieeffizienz, Frischwasserproduktion oder Navigation. Landstromanschluss ist vorhanden, und als Treibstoff wird ausschliesslich Marine Diesel (MGO) genutzt, die Abgase werden durch ein Selective Catalytic Reduction System (SCR) gereinigt.

Die nächste Schiffs-Generation
Das Atrium. ©BE

Die Allura bricht nach einer Sommersaison im Mittelmeer im Herbst für einige Routen nach Kanada und Neuengland auf. Am 23. November wird der Neubau offiziell von ehemaligen Food & Wine Best New Chefs in New York getauft, bevor sie ihre erste Wintersaison in der Karibik antritt.

Doch allzu lange wird die Allura nicht das neuste Flaggschiff der Reederei bleiben: Wie schon bekannt, ist bereits eine weitere neue Bauklasse bei Fincantieri in der Pipeline, die mit 86’000 BRZ und Platz für 1450 Gästen etwas grösser ausfallen wird als die Vista und die Allura. Die Oceania Sonata ist für 2027 geplant, die Oceania Arietta für 2029. Doch damit noch nicht genug: Anlässlich der Übernahme der Allura gab Jason Montague bekannt, dass diese Bauserie 2032 und 2035 mit zwei weiteren Einheiten fortgeführt wird.

Das könnte heissen, dass dann nebst der Insignia, die Oceania Ende 2027 an den Residenzanbieter Crescent Seas übergibt, noch weitere Einheiten der 1998 bis 2000 erbauten R-Klasse (Regatta, Nautica, Sirena, je 584 Pax) die Reederei verlassen werden.

 

Beat Eichenberger, Trieste