Opinion: Die EU-Pauschalreiserichtlinie ist realitätsfremd

Welcher Leistungsträger bezahlt bei Annullation der Reise, aus welchem Grund auch immer, innert sieben Tagen zurück?
Hans-Peter Brasser, Senior Correspondent @TRAVEL INSIDE

Gemäss dem Vorschlag der EU zum Schutz von Pauschalreisenden, haben diese weiterhin innert 14 Tagen nach Annullation, vom wem auch immer, Anspruch auf Erstattung der bereits einbezahlten Reisekosten.

Dies werde dadurch erleichtert, dass Pauschalreiseveranstalter, bei denen es sich zumeist um KMUs handelt, dass diese Anspruch auf Erstattung durch die Leistungsträger innerhalb von sieben Tagen haben. Dies soll es Reiseveranstalter ermöglichen die Erstattungsfrist von 14 Tagen einzuhalten.

Mit dieser überarbeiteten Pauschalreiserichtlinie soll der Schutz von Pauschalreisenden insbesondere in Krisensituationen wirksamer werden. Man hätte dabei Lehren aus der Covid-Pandemie gezogen.

Die Kommission ist realitätsfremd

Möglicherweise können Leistungsträger die in der EU ansässig sind, rechtlich zur Einhaltung der Erstattungsfrist von sieben Tagen verpflichtet werden und möglicherweise sieht die EU-Kommission bei nicht einhalten dieser Frist sogar einen Sanktionskatalog vor.

Gerade die von der Covid-Pandemie ausgelöste Krise zeigte doch, dass die Leistungsträger wie Fluggesellschaften, Hotels, Mietwagenanbieter etc. nicht so schnell erstatten, ja gar nicht so schnell erstatten können ohne die eigene Liquidität zu gefährden. Eine Vielzahl von Gerichtsfällen ist dadurch absehbar.

Aus der Pauschalreiserichtline geht nicht hervor, wie es sich im Falle von Leistungsträgern von ausserhalb der EU verhält. Von solchen eine Erstattung innert sieben Tagen zu erwarten oder sogar zu verlangen, ist noch realitätsfremder.

Hans-Peter Brasser