Opinion: Mehr Fakten, weniger Reflexe

Die süddeutsche Kritik an den Pistenverlängerungen in Zürich-Kloten.
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Kaum werden die geplanten Pistenverlängerungen am Flughafen Zürich wieder zum Thema, sind die Schlagzeilen da: Schweizer und auch Südbadische Gemeinden wollen sich juristisch gegen das Vorhaben wehren (TRAVEL INSIDE berichtete).

Der Eindruck, der dabei entsteht, ist schnell gemacht – der Flughafen wolle wachsen, mehr Flugverkehr generieren und damit auch mehr Lärm verursachen. Genau dieser Eindruck ist jedoch irreführend.

Selbstverständlich ist es legitim, dass betroffene Gemeinden ihre Interessen vertreten. Das gehört zu einem demokratischen Verfahren.

Ebenso legitim ist aber die Erwartung, dass eine Diskussion über ein Infrastrukturprojekt auf den tatsächlichen Fakten basiert – und nicht auf Annahmen, die mit dem Projekt wenig zu tun haben.

Pistenverlängerung ist nicht gleich Kapazitätsausbau

Eines ist unbestritten: Die geplante Verlängerung der Piste 28 um 400 Meter nach Westen und der Piste 32 um 280 Meter nach Norden ist definitiv kein Kapazitätsausbau.

Es entstehen keine zusätzlichen Slots, es werden keine neuen Flugbewegungen geschaffen und der Flughafen erhält damit keinen Freipass für weiteres Wachstum.

Sicherheit ist nicht Wachstum

Das Ziel ist, den Betrieb sicherer und robuster zu machen. Längere Pisten schaffen grössere Sicherheitsreserven bei Starts und Landungen, entschärfen komplexe Betriebssituationen und erhöhen die Stabilität des Flugbetriebs – insbesondere bei schwierigen Wetterlagen oder wenn Verspätungen den Tagesablauf bereits belasten.

Ein stabilerer Betrieb kommt letztlich allen zugute: den Airlines, den Passagieren und nicht zuletzt sogar auch den Anwohnern, weil dadurch die Basis geschaffen wird, dass weniger Warteschlaufen, Ausweichmanöver und betriebliche Unregelmässigkeiten notwendig werden.

Dass diese Verbesserungen sinnvoll sind, ist keine neue Erkenntnis. Fachleute aus der Aviatik weisen seit Jahren darauf hin, dass die heutige Pistenkonfiguration insbesondere an Spitzentagen an ihre Grenzen kommt und sicherheitstechnisch optimiert werden kann. Genau darum geht es – nicht um mehr Flugverkehr.

Ein Wirtschaftsmotor

Der Flughafen Zürich ist zudem weit mehr als ein regionales Infrastrukturprojekt. Er ist das nationale Luftverkehrsdrehkreuz der Schweiz und ein zentraler Standortfaktor für Wirtschaft, Tourismus und internationale Unternehmen.

Hunderttausende Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von seiner Leistungsfähigkeit ab. Wer die Zuverlässigkeit dieses Drehkreuzes stärkt, stärkt letztlich auch die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Bemerkenswert ist allerdings, dass ausgerechnet Gemeinden jenseits der Landesgrenze gegen ein Schweizer Infrastrukturprojekt mobil machen. Selbstverständlich dürfen auch sie ihre Anliegen einbringen. Ebenso selbstverständlich darf aber darauf hingewiesen werden, dass die Schweiz ihre für das Land zentrale Verkehrsinfrastruktur weiterentwickeln können muss – insbesondere dann, wenn dies der Sicherheit dient und nicht dem Wachstum.

Der Flughafen Zürich ist auch für viele Menschen aus Südbaden der bevorzugte Abflughafen. Tausende von ihnen reisen jedes Jahr von ZRH in die Ferien oder auf Geschäftsreise – weil Zürich als Hub mit seinem Streckennetz, seiner Qualität und seiner Zuverlässigkeit überzeugt.

Das ist auch gut so – denn gerade auch für die Menschen in Südbaden ist Zürich geografisch gesehen definitiv der nächstgelegene Airport der Region. Der Rhein ist «nur» eine politische Grenze, der die beiden Länder glücklicherweise mehr vereint, als trennt.

Umso nachvollziehbarer wäre es, diesem Flughafen auch jene Verbesserungen zuzugestehen, die seine Sicherheit erhöhen – selbst wenn dadurch kein einziges Flugzeug mehr startet oder landet.

Grenzüberschreitende Nachbarschaft lebt vom gegenseitigen Respekt. Dazu gehört auch, die Fakten anzuerkennen. Die geplanten Pistenverlängerungen sind kein Symbol für grenzenloses Wachstum, sondern ein Bekenntnis zu mehr Sicherheit und einem zuverlässigeren Flugbetrieb.

Darüber sollte diskutiert werden – und nicht über ein Szenario, das mit dem eigentlichen Projekt wenig gemein hat.

In den Kommentarspalten der sozialen Medien, wo die Flugbewegungen mittlerweile nicht selten sogar als «Gegenargument» zum Einkaufstourismus herhalten müssen, schwappen die Wogen derzeit diesbezüglich gewohnt ziemlich hoch – eben zu unrecht, wenn man den Sachverhalt kennt.