Petition ‚Aktion Mayday‘: Initiantin Annette Kreczy erklärt

«Wir wünschen uns einen branchenübergreifenden Diskurs, der nicht auf SRV Mitglieder beschränkt werden sollte.»
Annette Kreczy.

Die Aktion Mayday und die Petition für eine Reisebüro-Task-Force haben vergangene Woche hohe Wellen geschlagen in der Schweizer Reisebranche. So hat sich der Schweizer Reise-Verband (SRV) öffentlich distanziert. Zu den Unterzeichnerinnen des Manifests gehört Annette Kreczy, Vertriebsleiterin von DER Touristik Suisse und Geschäftsleitungsmitglied beim Grossveranstalter.

TRAVEL INSIDE hat sie nach den Gründen für die Aktion und ihr Mitmachen gefragt:

Wie kam diese Aktion genau zu Stande, wer gab wann, wie und warum den Anstoss?

Ich bin auf Facebook in verschiedenen Reisebüro-Foren, in denen es einen regen Austausch untereinander gibt. Es geht hier zum einen um ganz praktische Fragen während der Corona Krise wie beispielsweise zum Umgang mit Erstattungen, Richtlinien zur Kurzarbeit, Ansprechpartnern bei Leistungsträgern etc. Zum anderen manifestiert sich dort auch die kritische Situation vieler kleiner und mittelgrosser Reisebüros, und das Gefühl, dass die Belange der Reisebüros in Bern bis vor Kurzem wenig Beachtung gefunden haben. Mich persönlich hat es frustriert, täglich auf verschiedenen Medien den Ausdruck der Hilflosigkeit vieler Reisebüros lesen zu müssen. Daher habe ich die jetzigen Mitglieder der Aktion Mayday kontaktiert und vorgeschlagen, dass wir gemeinsam überlegen, wie wir die spezifischen Sorgen und Nöte der Reisebüros kanalisieren können, mit dem Ziel dann auch Lösungen zu finden.

Warum öffentlich mit der Petition statt auf dem «Dienstweg» über den SRV?

Es geht und ging uns nie darum, die Arbeit einzelner Verbände, Organisationen oder Personen zu hinterfragen. Die Corona Krise stellt unsere Branche vor nie dagewesene Herausforderungen, die wir gemeinsam lösen sollten. Wir begrüssen es daher, dass SRV, STAR und TPA wohl nun mit dem Seco zum Thema Hilfsfonds an einem Tisch sitzen und anerkennen das bisher Erreichte durch den SRV.

Es gab dazu ja auch am Freitag 29.5. ein Update im TRAVEL INSIDE, der aufzeigt, dass derzeit vieles am Laufen ist und wir hoffen, dass es vielleicht bald auch weitere ‘Good News’ aus Bern zu vermelden gibt. Es gibt jedoch noch eine Vielzahl weiterer Themen, die unseren Kolleginnen und Kollegen unter den Nägeln brennen – unabhängig davon, welchem Verband, Association oder Garantiefonds sie angehören. Wir wünschen uns einen branchenübergreifenden Diskurs, der nicht auf SRV Mitglieder beschränkt werden sollte. Daher haben wir nicht den «Dienstweg» über den SRV gewählt.

Was ist Ihre persönliche Motivation als Unterzeichnerin? Haben Sie ad personam unterschrieben oder mit Segen (oder im Auftrag) von DER Touristik/Kuoni?

In erster Linie habe ich ‚ad personam‘ unterschrieben, da ich mein gesamtes Berufsleben in der ein oder anderen Form in der Touristikbranche verbracht habe und mir unsere Zukunft daher sehr am Herzen liegt. In meiner Funktion bei DER Touristik/Kuoni bin ich auch für unsere Drittagenten verantwortlich – daher ist es mir auch in dieser Rolle wichtig, mich für die Zukunft der Reisebüros in der Schweiz zu engagieren.

Ist es kein Problem, dass der DER-CEO im SRV-Vorstand und dessen Task Force nicht genau die gleichen Forderungen vertreten kann, z.B. die auslaufende Kurzarbeitsentschädigung für Inhaber trifft die Grossen meist nicht?

Ich glaube nicht, dass das ein Problem ist und ich habe den Eindruck, dass man im SRV Vorstand zwischen den Interessen des jeweiligen Unternehmens und den Interessen der verschiedenen Mitglieder unterscheidet. Der kürzlich erzielte Betreibungsstillstand für die Reisebranche hilft insbesondere den ‘Kleineren’. Ausserdem ist mit Natalie Dové nun auch eine Vertreterin der unabhängigen Reisebüros in den Vorstand gewählt worden, der es gelingen wird, auch die Belange der ‚Kleineren‘ mit Nachdruck zu vertreten.

Die Aktion ist sehr Retailer-orientiert – was hat ein Grosser wie DER Touristik davon?

Das ist nicht der Punkt. Meine Mitarbeit hieran geschieht in meiner Freizeit und orientiert sich an den spezifischen und unternehmensübergreifenden Interessen von Reisebüros.

Interessant ist: Vier von fünf Initianten sind Frauen – wie kommt das?

Das ist mehr zufällig gekommen und vermutlich auch der Tatsache geschuldet, dass in der Reisebranche etwa 80% Frauen arbeiten.

Die Aktion Mayday bzw. die Petition plädiert für ein verbandsübergreifendes Vorgehen – ist da eine weitere Stimme wie die der Aktion nicht eher hinderlich?

Es geht nicht darum, dass wir mit der Aktion Mayday eine neue Stimme oder Institution etablieren wollen – vielmehr möchten wir die Aktion als eine Einladung zum Dialog zur Zusammenarbeit innerhalb der Branche sehen. Es gab ja bereits verschiedene Vorstösse zu verschiedenen Themen, für die Basis ist aber häufig nicht klar, an welchen Themen bereits gearbeitet wird und welche Forderungen wir als Branche vertreten. Hier wünschen wir uns für die Zukunft mehr Transparenz und einen besseren Austausch mit Vertretern der unabhängigen Reisebüros, damit eben nicht der Eindruck entsteht, dass nur die Belange ‘der Grossen’ oder der Verbandsmitglieder Gehör finden.

Was sind die Feedbacks, die ihr erhalten habt?

Wir haben sehr viel Zuspruch und sehr viel positive Rückmeldungen von Branchenkollegen erhalten. Seitens der Verbände gab es natürlich auch kritische Äusserungen, die wir hoffentlich in den letzten Tagen im Dialog auch klären konnten.

(Interview: Christian Maurer)