«Ponant gibt seinen Kapitänen viel Freiheit»

Ein Ponant-Kapitän erklärt TRAVEL INSIDE was es bedeutet Kapitän eines Expeditionsschiffes zu sein.
Kapitän Thomas McCandless auf der Brücke der Le Dumont d'Urville ©BRA

Sicher steuert Kapitän Thomas McCandless, aufgewachsen auf der französischen Seite des Ärmelkanals und schon als Kind darauf im Segelboot unterwegs, die Le Dumont d’Urville anlässlich des Ponant Seminar-at-Sea vom 31.5.-3.6.2026 von Malta nach Nizza.

Seit 25 Jahren fährt er zur See. Im Interview mit TRAVEL INSIDE nimmt er sich Zeit die Fragen zu seiner Rolle und weshalb man mit Ponant reisen sollte zu beantworten.


Kapitän Thomas McCandless, was ist für Sie das Wichtigste, das Sie Gästen auf einer Expeditions- oder Kreuzfahrt vermitteln möchten?

Aus Sicht eines Kapitäns stehen zunächst Sicherheit und Vertrauen im Mittelpunkt. Unsere Gäste sollen wissen, dass sie mit Ponant in den Händen eines sehr erfahrenen und professionellen Unternehmens sind. Dazu gehört natürlich die nautische Expertise unserer Mannschaft und die sichere Durchführung aller Operationen.

An dieser Stelle vielen Dank Ihnen und Ihrer Crew, dass Sie uns heute früh sicher an Il Giglio vorbeibrachten.

Ja, ich wollte dies heute während meiner Ansprache nicht erwähnen um keine schlechten Erinnerungen an dieses tragische Unglück im Jahr 2012 zu wecken.

Gleichzeitig ist Gastfreundschaft ein zentraler Bestandteil unseres Produkts. Wir möchten, dass sich die Gäste während der gesamten Reise wohl und willkommen fühlen.

Darüber hinaus geht es um die kulturelle und pädagogische Dimension des Reisens. Expeditionen sind für uns mehr als nur das Besuchen schöner Orte. Wir möchten unseren Gästen helfen, die Regionen, die wir bereisen, besser zu verstehen – ihre Natur, ihre Geschichte und ihre Kultur. Das macht eine Reise am Ende noch wertvoller.

Sehen Sie sich in erster Linie als Kapitän oder auch als Gastgeber an Bord?

Ich würde sagen, es ist etwa eine 50:50-Aufteilung. Natürlich bin ich für die Sicherheit des Schiffes verantwortlich. Gleichzeitig repräsentiert der Kapitän die Marke Ponant und die Werte des Unternehmens.

Wir arbeiten eng mit allen Abteilungen zusammen, um sicherzustellen, dass das Gästeerlebnis höchste Priorität hat. Die Zufriedenheit unserer Gäste ist ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Wenn beispielsweise Wetterbedingungen oder andere Umstände eine Änderung der Route erforderlich machen, erklären wir den Plan B den Gästen offen und transparent. Wir möchten, dass sie verstehen, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden und dass sie sich als Teil des Abenteuers fühlen.

Die Schweiz ist ein Binnenland und die Schweizer*innen sind in der Seemannssprache ‘Landratten’. Gleichzeitig ist die deutschsprachige Schweiz für Ponant ein wachsender Markt. Wie würden Sie potenzielle Kunden oder Reiseberater überzeugen, Ponant zu wählen?

Ponant ist ein französisches Unternehmen mit französischen Wurzeln, aber zugleich sehr international aufgestellt.

Die Arbeitssprache an Bord ist aus Sicherheitsgründen Englisch. Unsere Crewmitglieder kommen aus der ganzen Welt, und unsere Gäste ebenfalls. Deshalb sind wir darauf spezialisiert, ein internationales Publikum zu betreuen.

Alle öffentlichen Durchsagen, Tagesprogramme und wichtigen Informationen werden grundsätzlich mehrsprachig angeboten. Auf Reisen mit französischen Gästen erfolgt die Kommunikation meist auf Französisch und Englisch, auf anderen Reisen ausschliesslich auf Englisch.

Unsere internationale Ausrichtung ermöglicht es uns, Gäste unterschiedlichster Herkunft willkommen zu heissen.

Wenn man Ponant mit anderen Anbietern im Expeditionssegment vergleicht – warum sollte sich ein Gast für Ponant und nicht beispielsweise für Silversea entscheiden?

Ponant gehört zu den Pionieren der Expeditionskreuzfahrt. Gleichzeitig verfügen wir über eine sehr moderne Flotte mit Schiffen die kleine Häfen anlaufen können und können deshalb eine grosse Vielfalt an Reiserouten anbieten.

Ein wichtiger Unterschied liegt für mich in unserer französischen Identität. Die französische Lebensart spiegelt sich in vielen Bereichen wider – insbesondere in der Gastronomie und im Service.

Wir legen grosen Wert darauf, dass sich unsere Gäste nicht nur als Passagiere fühlen, sondern wirklich willkommen sind. Dieses Gefühl von Gastfreundschaft ist ein wesentlicher Bestandteil des Ponant-Erlebnisses.

Kapitän Thomas McCandless steuert die Ponant-Schiffe in die entlegensten Gebiete der Welt ©BRA

Sie fahren regelmässig in sehr abgelegene Regionen der Welt. Wie bereiten Sie sich auf eine neue Route oder Expedition vor?

Die Vorbereitung beginnt lange vor Reisebeginn. Wir stehen in engem Kontakt mit lokalen Behörden, Partnern und Guides. Gemeinsam planen wir die Ausflüge und Expeditionen im Detail.

Dabei achten wir beispielsweise darauf, Überschneidungen mit anderen Schiffen möglichst zu vermeiden, um die Exklusivität und Authentizität des Erlebnisses zu bewahren.

Natürlich beschäftigen wir uns intensiv mit Wetterdaten, nautischen Gegebenheiten und möglichen Risiken. Das gehört zu den Kernaufgaben eines Kapitäns. Auch nach mehr als 35 Jahren in der Schifffahrt lernt man ständig dazu und versucht, jede Reise noch besser vorzubereiten.

Sind Sie persönlich in die Routenplanung eingebunden?

Ja, sehr stark sogar. Ich habe zuvor auch für andere Reedereien gearbeitet, aber Ponant gibt seinen Kapitänen vergleichsweise viel Freiheit.

Da das Unternehmen ursprünglich von Seeleuten gegründet wurde, besteht ein grosses Verständnis für die nautische Perspektive. Wenn wir unterwegs besondere Möglichkeiten entdecken – etwa aussergewöhnliche Tierbeobachtungen oder andere einzigartige Erlebnisse – können wir die Route innerhalb bestimmter Grenzen anpassen.

Natürlich bleibt Sicherheit immer die oberste Priorität. Aber innerhalb dieses Rahmens verfügen die Kapitäne über einen gewissen Handlungsspielraum, um das Gästeerlebnis zu verbessern.

Gibt es etwas, das Sie insbesondere Reiseprofis und Vertriebspartnern mitgeben möchten?

Ich würde sie ermutigen, unser Produkt selbst zu erleben. Eine Expeditionsreise mit Ponant ist weit mehr als eine klassische Kreuzfahrt.

Unsere Reisen eröffnen neue Perspektiven auf andere Kulturen und Lebensweisen. Erst vor Kurzem war ich beispielsweise in Papua-Neuguinea. Solche Begegnungen erweitern den Horizont und schaffen ein tieferes Verständnis für die Welt.

Wir sind ein sehr flexibles Unternehmen und können auf unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse unserer Gäste eingehen. Das gilt für die Gestaltung des Reiseerlebnisses ebenso wie für Gastronomie und Service.

Diese Flexibilität ist eine unserer grossen Stärken.

Eine letzte Frage zum Thema Nachhaltigkeit. Kritiker argumentieren, dass bereits die Anreise von hundert Gästen in sehr abgelegene Regionen ökologische und kulturelle Auswirkungen haben kann. Wie gehen Sie damit um?

Nachhaltigkeit ist für Ponant ein zentrales Thema. Wir verfügen über zahlreiche Zertifizierungen und halten uns an alle geltenden internationalen Umweltvorschriften. Darüber hinaus investieren wir kontinuierlich in neue Technologien und Projekte, um unseren ökologischen Fussabdruck weiter zu reduzieren.

Gleichzeitig verstehen wir die Verantwortung, die mit Reisen in sensible Regionen verbunden ist. Deshalb verfolgen wir einen stark edukativen Ansatz. Unsere Naturführer und Experten vermitteln den Gästen ein tieferes Verständnis für die besuchten Regionen und deren Schutzbedürftigkeit.

Wir arbeiten eng mit lokalen Gemeinschaften zusammen und achten darauf, Besucherzahlen zu begrenzen, um die Authentizität und Unberührtheit vieler Destinationen zu bewahren. Es geht nicht darum, möglichst viele Menschen an einen Ort zu bringen, sondern darum, Reisen verantwortungsvoll zu gestalten.

In vielen Regionen unterstützen wir zudem lokale Projekte und Unternehmen. Wir beziehen lokale Dienstleistungen, arbeiten mit örtlichen Guides zusammen und schaffen wirtschaftliche Impulse für die Gemeinden vor Ort.

Unser Ziel ist eine Win-win-Situation: Die Gäste erhalten authentische Erlebnisse, während die lokalen Gemeinschaften von unserer Präsenz profitieren und gleichzeitig ihre kulturelle Identität und natürliche Umwelt bewahren können.

Interview: Hans-Peter Brasser, Le Dumont d’Urville, 2. Juni 2026