«Ponant wurde aus dem Segeln heraus geboren»

Ponant Deputy CEO Belinda Hindmarsh stellt sich den Fragen von TRAVEL INSIDE.
Belinda Hindmarsh, Deputy CEO Ponant ©BRA

Vom 31.5.-3.6.2026 begrüsste Ponant rund 120 Vertriebspartner aus der ganzen Welt auf der Le Dumont d’Urville auf der Fahrt von Malta nach Nizza.

Belinda Hindmarsh, Deputy CEO von Ponant, gab TRAVEL INSIDE am Seminar-at-Sea Auskunft über sich, über die Strategie von Ponant für die nächsten Jahre und wie sie mehr Schweizer*innen für die Ponant Schiffe gewinnen will.


Belinda Hindmarsh, Sie kommen aus Neuseeland. Wie kommt es, dass eine Neuseeländerin heute für eine französische Kreuzfahrtgesellschaft arbeitet?

Das ist eine gute Frage. Man weiss nie genau, wo man im Leben landen wird. Für mich ist Ponant allerdings viel mehr als ein französisches Unternehmen. Es geht vor allem um Reisen und Entdeckungen – und genau das liegt mir im Blut.

Ich komme aus einer Familie von Entdeckern. Meine Mutter zog bereits mit 16 Jahren von den Niederlanden nach Neuseeland. Wenn ich auf meine Familiengeschichte zurückblicke, stelle ich fest, dass die Frauen in meiner Familie über Generationen hinweg immer wieder in andere Teile der Welt gezogen sind.

Ich wurde in Christchurch, Neuseeland, geboren. Meine Mutter wurde in den Niederlanden geboren, ihre Mutter stammte aus Indonesien, und auch die Generationen davor wurden jeweils in unterschiedlichen Teilen der Welt geboren. Über fünf Generationen hinweg hat jede Generation an einem anderen Ort gelebt. Deshalb überrascht es mich eigentlich nicht, dass ich schliesslich in Frankreich bei Ponant gelandet bin. Was mich besonders begeistert, ist der Entdeckergeist des Unternehmens.

Wie lange sind Sie bereits bei Ponant?

Im kommenden Sommer werden es drei Jahre sein. Davor habe ich meine gesamte Karriere in der Reisebranche verbracht. Angefangen habe ich bei Aer Lingus, der irischen Fluggesellschaft. Dort war ich unter anderem für den Betrieb in verschiedenen Märkten verantwortlich. Das Unternehmen hat mich von Dublin nach Schweden versetzt – und dort habe ich schliesslich meinen Mann kennengelernt. Schweden wurde zu meinem Zuhause.

Später blieb ich der Reisebranche treu und arbeitete unter anderem in London für Expedia. Dort war ich in den Bereichen Travel Technology, Hotel Distribution und B2B-Marketing tätig. Insgesamt war ich 14 Jahre bei Expedia und habe das Wachstum des Unternehmens intensiv begleitet. Danach wechselte ich zu CWT Carlson Wagonlit Travel, einem grossen Anbieter im Geschäftsreisemarkt. Es war immer Reisen – nur mit unterschiedlichen Segmenten und Herausforderungen. Schließlich führte mich mein Weg zu Ponant.

Derzeit haben Sie rund 120 Vertriebspartner aus aller Welt zu diesem Seminar-at-Sea auf der Le Dumont d’Urville eingeladen. Was erwarten Sie sich davon?

Zunächst einmal freue ich mich sehr, dass so viele Partner gekommen sind. Für mich geht es vor allem um Neugier. Wir möchten den Partnern die Möglichkeit geben, Ponant aus erster Hand kennenzulernen und zu verstehen, wie wir uns von anderen Anbietern im Bereich Expeditions- und Entdeckungsreisen unterscheiden.

Ich bin überzeugt davon, dass man ein Produkt erst wirklich versteht, wenn man es selbst erlebt. Wer sieht, wie wir arbeiten, wie wir unsere Reisen gestalten und wie stark wir auf die Kombination aus kleinen Schiffen, exzellenter Gastfreundschaft und intensiven Erlebnissen an Land setzen, kann diese Erfahrung später authentisch an seine Kunden weitergeben.

Unser Ziel ist es, dass die Reiseberater nach Hause zurückkehren und mit Überzeugung und Selbstvertrauen über Ponant sprechen.

Wenn ich Ihre Strategie North Star richtig verstehe, geht es derzeit eher darum, das Unternehmen zu konsolidieren und weiterzuentwickeln, als zusätzliche Kapazitäten aufzubauen?

Ja, das trifft es ziemlich gut. Im Moment konzentrieren wir uns darauf, klar zu definieren, wer wir als Unternehmen sind und wofür unsere DNA steht.

Ponant wurde aus dem Segeln heraus geboren und hat sich schon immer auf aussergewöhnliche Destinationen rund um den Globus konzentriert. Gleichzeitig verfügen wir über eine sehr starke maritime Kompetenz, die heute ein echtes Alleinstellungsmerkmal darstellt. Während viele Wettbewerber vor allem auf Hotellerie fokussiert sind, verbinden wir maritime Expertise mit hochwertiger Gastfreundschaft.

Diese Kombination möchten wir noch stärker hervorheben. Es geht darum, Gäste mit kleinen Schiffen in entlegene Regionen der Welt zu bringen und dort authentische Begegnungen sowie aussergewöhnliche Erlebnisse zu ermöglichen.

Natürlich wird Wachstum weiterhin kommen. Wir analysieren kontinuierlich neue Quellmärkte und internationale Chancen. Dabei betrachten wir sowohl bestehende Märkte als auch Regionen, in denen wir bislang noch wenig Präsenz haben.

Nach der Übernahme von Aqua Expeditions: Wie weit ist die Integration inzwischen fortgeschritten? Gibt es gemeinsame Buchungsbedingungen, Provisionen und Systeme oder werden die Unternehmen weiterhin getrennt geführt?

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Es handelt sich um eine hybride Lösung.

Aqua Expeditions gehört heute zur Ponant-Familie, und wir betrachten das Geschäft ganzheitlich als ‘Ponant plus Aqua’. Gleichzeitig erkennen wir an, dass Aqua in vielerlei Hinsicht anders arbeitet als Ponant.

Deshalb wurden die beiden Unternehmen bislang nicht vollständig integriert. Aqua nutzt weiterhin eigene Buchungssysteme, eigene Agenturmodelle und eigene Geschäftsbedingungen. Der Hauptgrund dafür liegt in den unterschiedlichen Geschäftsmodellen.

Aqua ist stark auf Destinationen basierte Erlebnisse spezialisiert, während Ponant weltweit unterschiedlichste Regionen bereist. Das Angebot unterscheidet sich also deutlich. Aqua macht das, was es tut, ausserordentlich gut, und wir möchten diese Stärke nicht durch eine zu starke Vereinheitlichung gefährden.

Daher bleiben die Vertriebsstrukturen vorerst getrennt, während Aqua gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil der Ponant-Gruppe ist.

Sie haben über die Einführung des neuen Reservierungssystem gesprochen. Sind Sie mit dem Verlauf zufrieden?

Ja, absolut. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung. Neue Systeme bringen immer Herausforderungen mit sich, insbesondere wenn grosse Datenmengen aus einem alten System migriert werden müssen.

Die Umstellung ist insgesamt sehr gut verlaufen. Jetzt arbeiten wir daran, die Möglichkeiten des Systems optimal zu nutzen – insbesondere im Bereich Produktdarstellung, Angebotsgestaltung, Dokumentation und Vermarktung.

Für Reisebüros und Vertriebspartner ist das besonders wichtig. Das neue System bietet deutlich mehr Flexibilität.

Handelt es sich um eine Eigenentwicklung?

Nein, das System basiert auf Seaware, einer etablierten Standardlösung. Wir haben uns bewusst für diese Plattform entschieden, weil sie moderner, cloudbasiert und sehr flexibel anpassbar ist.

Dadurch können wir Prozesse effizienter gestalten und unsere Produkte besser vermarkten.

Der Schweizer Markt gehört zu den Märkten, die im Kreuzfahrtgeschäft noch nicht wieder das Niveau von 2019 erreicht haben. Woran liegt das Ihrer Meinung nach und was könnte man tun, um das Wachstum wieder anzukurbeln?

Das ist eine interessante Frage. Zunächst müsste man verstehen, welche Faktoren Menschen aktuell davon abhalten zu buchen.

Ich glaube allerdings nicht, dass mangelnde Nachfrage grundsätzlich das Problem ist. Vielmehr geht es darum, Interesse zu wecken und Menschen zu inspirieren, etwas Neues auszuprobieren.

Ich bin mir nicht sicher, ob das Konzept der Expeditions- und Entdeckungsreisen mit kleinen Schiffen bereits ausreichend bekannt ist. Deshalb halte ich es für besonders wichtig, Reiseberater an Bord zu bringen und ihnen die Möglichkeit zu geben, das Produkt selbst zu erleben.

Wer bereits andere Formen von Erlebnisreisen unternommen hat – etwa Safaris oder Abenteuerreisen in Afrika – könnte durchaus auch Interesse an einer Expeditionskreuzfahrt entwickeln. Man muss diese Menschen erreichen und ihnen die Gelegenheit geben, die Erfahrung selbst kennenzulernen.

Interview: Hans-Peter Brasser, Le Dumont d’Urville, 2. Juni 2026