
Vor allem bei den bereits etwas älteren Reise-Profis weckte die herbstliche Anreise nach Montreux lebhafte Erinnerungen an die «gute alte Zeit»: Hier fand bis 2010 (und später noch für die Romandie) jahrzehntelang der TTW Montreux statt, ein fulminantes Schaufenster der Schweizer Reisebranche mit Messe, Content-Foren, Events, Weiterbildung und legendären «social gatherings».
An diesen «branchen-historischen» Ort lud die Genossenschaft TPS (Travel Professionals Switzerland) ihre Mitglieder Ende letzter Woche zur 3. ordentlichen Generalversammlung. Die grösste Reisebüro-Vereinigung der Schweiz formierte sich 2022 durch eine Fusion der Vorgängerorganisationen TPA, TTS und später auch Twd.
Die TPS zählt aktuell 182 Genossenschaftsmitglieder (97 in der Deutschschweiz, 78 in der Romandie) und 49 Filialen (40 in der Deutschschweiz, 7 in der Romandie, 2 im Tessin), somit insgesamt 231 Verkaufsstellen. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte die TPS 17 neue Mitglieder gewinnen, darunter u.a. die acht Westschweizer AVP-Agenturen. Drei Mitglieder traten wegen Geschäftsaufgabe aus.
Positive finanzielle Entwicklung

An der Generalversammlung am 26.09.25 im Hotel Eden Palace au Lac waren 92 Stimmen vertreten. Souverän führten Co-Präsidentin Sonja Laborde, Co-Präsident Kurt Eberhard und Geschäftsführer Thomas Althaus durch die Traktandenliste.
Kontroversen waren kaum auszumachen, meist einstimmig folgten die anwesenden Mitglieder den Anträgen des Vorstands und der Geschäftsleitung und entlasteten kommentarlos das Gremium, was letztlich der TPS-Führung ein gutes Zeugnis ausstellt.
Das wichtige Traktandum Finanzen gleich vorweg: Die Jahresrechnung 2024/25 schloss mit einem stolzen Gewinn von CHF 69’937.18 ab. Unter Berücksichtigung des Gewinnvortrags 2023/24 von CHF 2’150.59 ergab sich somit ein Bilanzgewinn von CHF 72’087.77, das Eigenkapital erhöhte sich auf CHF 252’087.77. «Diese positive Entwicklung eröffnet uns für die nächsten Jahre neue Perspektiven», gab sich Thomas Althaus zufrieden.
Zum guten Ergebnis trug vor allem die an der letzten GV beschlossene Erhöhung der Mitgliederbeiträge bei (CHF 1’290 für Genossenschaftsmitglieder, CHF 200 für Filialbetriebe), was zu Mehreinnahmen von CHF 50’000 führte. Positiv wirkten sich u.a. auch die neuen Mitglieder aus, die Ferienwelt-Ausgabe 2025 und die Reduzierung des Raumaufwandes (Verlegung des Geschäftssitzes nach Bern).
Grössere Ausgabenposten waren u.a. die Digitalisierung der Ferienwelt-Ausgabe (CHF 35’000) und der auf Grund der an der letzten GV beschlossenen Erhöhung der Vorstands-Entschädigungen gestiegene Lohnaufwand (rund CHF 50’000). «Der TPS Revenue Tracker ist zu hundert Prozent bezahlt und wurde nicht aktiviert», ergänzte Althaus.
Das Budget 2025/26 sieht einen Betriebsgewinn von CHF 13’531 vor, die Jahresbeiträge bleiben unverändert. Wichtige Posten sind u.a. die Ferienwelt mit minus CHF 48’000, gestiegene Honorare der Geschäftsstelle durch eine Neueinstellung (CHF 27’300, siehe unten) oder der IT-Aufwand für eine neue Buchhaltungssoftware (CHF 36’000). Angestrebt wird ein weiteres Wachstum der Genossenschaft um fünf bis zehn neue Mitglieder.
Vielseitige Aktivitäten-Palette

Als Aktivitäten-Schwerpunkte der Geschäftsstelle im vergangenen Jahr nannte Althaus die laufenden Verbesserungen an der TPS Website und des Intranets, die Realisierung des neuen Analyse- und Umsatzstatistiktools TPS Revenue Tracker, die Akquisition neuer Mitglieder, den Ausbau des Premiumpartnerportfolios und der neue Auftritt der TPS Ferienwelt.
Dazu kam die Eventorganisation mit TPS Social Events, TPS Inside und dem Weiterbildungs-Anlass TPS Academy, der zum zweiten Mal erfolgreich in Zürich zur Durchführung kam, in der Romandie jedoch wegen mangelnder Nachfrage abgesagt werden musste. Hier arbeitet man nun an einem neuen Konzept.
Neu bietet die TPS ihren Mitgliedern zudem eine attraktive Betriebshaftpflicht-Versicherung zu sehr attraktiven Konditionen. Weitere Informationen gab Althaus zur Ausgabe 2026 der Ferienwelt ab, die Ende Januar 2026 erscheinen wird.
Schliesslich wird am 1. November die Geschäftsstelle in Bern mit Louisa Bordewieck als Head of Marketing & Communications verstärkt.
So profitieren die TPS-Mitglieder
Die «Raison d’être» der TPS liegt darin, dass die Mitglieder dank kumulierten Volumina bei rund 70 namhaften Premiumpartnern von vorteilhaften Konditionen und Provisionen profitieren. Das sind 12 TPS-Spezialisten, 36 Touristik-Partner, 6 Service-Partner, 9 Technologie-Partner und 7 Airline-Partner. «Das Total der finanziellen Vorteile für die TPS-Mitglieder betrug im letzten Jahr 4,124 Millionen Franken», unterstrich bereits Co-Präsidentin Laborde in ihrer Begrüssung.
Geschäftsführer Thomas Althaus reichte noch einige Details nach: Das Total der ausbezahlten Incentives betrug CHF 1,377 Mio., wobei allein Travelport CHF 834’416 ausmachte. Die Einsparungen CETS/Smartpoint-Lizenzen betrugen CHF 678’000 und zusätzliche Kommissionen beliefen sich auf CHF 2,068 Mio.
«Dank einer TPS-Mitgliedschaft sind zusätzliche Einnahmen oder Einsparungen je nach Geschäftsgrösse zwischen 6’000 und 90’000 Franken garantiert, jedes Mitglied kann unabhängig des generierten Umsatzes profitieren», sagte Althaus bestimmt und belegte dies mit konkreten Fallbeispielen.
Abschied von Roger Geissberger und Wahlen

Die Vorstandswahlen standen ganz im Zeichen der Verabschiedung des bisherigen Vizepräsidenten Roger Geissberger, der in Kürze endgültig bei Knecht Reisen ausscheidet und in den «Unruhestand» tritt. «Roger ist ein aussergewöhnliches, erfolgreiches ‘Urgestein’, das die Schweizer Reisebranche über Jahrzehnte prägte», sagte Co-Präsident Kurt Eberhard.
Geissberger war nebst seiner Karriere bei Knecht Reisen bereits ein Mann der ersten Stunde bei der TTS und hat dann wesentlich zur Bildung der TPS beigetragen. «Für seine Verdienste und sein Engagement verdient er unseren grossen Dank», sagte Eberhard, was von den Mitgliedern mit grossem Applaus quittiert wurde.
Inaktivität wird Roger Geissberger auch in Zukunft nicht kennen: Er wird mehr Zeit für sein Hotel in Bellwald aufbringen, pflegt weiterhin verschiedene Mandate und wird nicht zuletzt Schiffsreisen unternehmen – er war bereits über 70 Mal auf Kreuzfahrt.
Als Ersatz für Roger Geissberger wurde neu Sebastian Kickmaier (Knecht Reisen) in den Vorstand gewählt, und mit Regula Baerlocher (RN Travel Services) nahm für die AVP-Büros ein weiteres neues Mitglied Einsitz im Vorstand. Alle weiteren Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt: Sonja Laborde, Kurt Eberhard, Marcel Gehring, Florence Inäbnit, David Léchot, Michael Mettler und Koni Koelbl.
Anträge wurden keine eingereicht, einzig eine Anmerkung von Vizepräsident David Léchot liess aufhorchen: Gerade mal noch neun Branchen-Lehrlinge starteten in der Romandie ihren Berufsweg – «wenn wir nicht mindestens zehn Lehrlinge haben, ist die Ausbildung gefährdet», warnte Léchot die Mitglieder eindringlich.
KI – das Thema der Stunde

Nach einem Stehlunch traf man sich nochmals im Plenarsaal, wo Ivan Rizzuto von TKF / Cloud Solutions in seiner Keynote-Präsentation die Möglichkeiten der KI (Künstliche Intelligenz) für die Reisebranche aufzeigte.
«KI ist eine historische Zäsur, die unsere Rolle als Menschen neu definiert», hielt er fest. Darauf gelte es sich einzustellen.
Während Beratung und Vertrauen im Reisebüro für Wertschöpfung sorgen, seien Administration, Buchung und Planung Zeit Fresser. «Der Zeitaufwand für Beratungen liegt bei rund 20 Prozent, während administrative Arbeiten 80 Prozent ausmachen», so Rizzuto. Mit KI könnte dieses Verhältnis nahezu umgekehrt werden.
Als konkretes Beispiel nannte Rizzuto etwa das Verfassen eines Reiseprogramms. Dazu stellt man der KI sämtliche Buchungsdetails zur Verfügung und definiert den gewünschten Stil und das Layout – den Rest macht das Tool im Handumdrehen. Auch für die Erstellung einer detaillierten Kundendatei mit Buchungshistorie, Vorlieben, Budget etc. kann KI ideal genutzt werden, für die Aufbereitung von Social Media Content oder personalisierte Newsletter ebenso.
«Dies alles ist keine Hexerei – fangen Sie einfach mal an und entdecken Sie all die Möglichkeiten, die ein KI-Tool für Routinearbeiten bietet, damit Sie mehr Zeit für die Beratung gewinnen», hielt Ivan Rizzuto fest.
Wertvolle Stunden für den Austausch

Ein Rahmenprogramm nach getaner Arbeit gehört zu jeder GV, denn der persönliche Austausch unter den Anwesenden in lockerer Atmosphäre ist ein ebenso wichtiges Element für eine reüssierte Versammlung.
Dabei wartete das TPS-Programm mit einer überraschenden Besichtigung auf.
Erst 2020 wurde gegenüber des Château de Chillon das Fort de Chillon eröffnet, eine beeindruckende, im zweiten Weltkrieg erbaute Festungsanlage zur Sicherung des Durchgangs an der Waadtländer Riviera. Die Anlage wurde 1995 von der Armee endgültig aufgegeben und ist heute ein äusserst attraktives, realistisches und interaktives Museum im Berginnern über den Bunker-Alltag der Soldaten.
Auch im Innern, diesmal in einem stimmungsvollen Weinkeller in der Vieille Ville von Montreux, ging es mit Waadtländer Wein, Häppchen und vielen Gesprächen weiter, bevor mit dem Gala Diner im anmutigen Petit Palace des Fairmont Montreux Palace der abschliessende Höhepunkt folgte.
Einige Nostalgikerinnen und Nostalgiker liessen es sich nicht nehmen, zum Abschluss noch der einstigen Harry’s Bar des Montreux Palace (heute Funky Claude’s Bar) einen Besuch abzustatten, zu TTW-Zeiten legendäre Location für spätabendliche, diskrete Runden hinter den Kulissen.
Wer noch das Programm am Samstag mitmachte, kam in den Genuss eines Ausflugs in die berühmten Weinberge des Lavaux mit Besuch des Vinorama in Rivaz und einem Gourmet-Essen im Restaurant Tout au Monde in Grandvaux – (gut) Essen hält schliesslich auch in der TPS Leib und Seele zusammen.
Beat Eichenberger, Montreux








