«Schweizer Gäste sind ausgesprochen qualitätsorientiert»

TRAVEL INSIDE sprach auf der Mein Schiff Flow mit Clas Eckholt, VP Commercial von TUI Cruises.
Clas Eckholt, Vice President Commercial TUI Cruises. ©BE

Herr Eckholt, gemäss Ihren Angaben macht der Markt Schweiz nur rund ein Prozent der Gäste auf der Mein-Schiff-Flotte aus – ist das nicht etwas ernüchternd?

Nun, diese Zahl gilt es zu relativieren: Unser Heimmarkt Deutschland mit rund 90 Millionen Einwohnern ist für uns mit einem Gäste-Anteil von deutlich über 90 Prozent naturgemäss unser wichtigster Quellmarkt.

Die Schweiz ist mit ihrer deutlich kleineren Bevölkerungszahl ein vergleichsweise kleiner Markt. Hinzu kommt, dass unser Fokus in der Schweiz auf dem deutschsprachigen Markt liegt. Deshalb ist das adressierbare Markpotential kleiner als die Gesamtbevölkerung vermuten lässt.

Vor diesem Hintergrund freuen wir uns besonders, dass wir sowohl für die Marke Mein Schiff wie für Hapag-Lloyd Cruises in den letzten zwei Jahren in der Schweiz ein sehr erfreuliches zweistelliges Wachstum erzielen konnten.

Auf der anderen Seite machen die Schweizer Gäste bei Hapag-Lloyd Cruises rund acht Prozent aus – was ziehen Sie daraus?

Das unterstreicht die Bedeutung der Schweiz für unsere Premium- und Luxusmarken. Schweizer Gäste sind ausgesprochen qualitätsorientiert und entscheiden sich häufig gerne für höherwertige Kategorien.

Die Schweiz ist für Hapag-Lloyd Cruises tatsächlich ein wichtiger Markt, wobei es auch das Verhältnis zwischen den zwei Marken zu beachten gilt: Bei Hapag-Lloyd Cruises sprechen wir von jährlich insgesamt 45’000 bis 50’000 Gästen, bei Mein Schiff sind es knapp eine Million.

Den gehobenen Schweizer-Anspruch können wir aber auch bei Mein Schiff beobachten, wo oft Suiten mit den exklusiven X-Bereichen gebucht werden.

Der Suiten-Bereich mit gesonderten X-Infrastrukturen wurde auf den Intuition-Schiffen ausgebaut und liegt neu kompakter am Heck der Schiffe – warum?

Es ist richtig, dass die Suiten und ihre speziell für Suiten-Gäste entwickelten Räume und Aussenbereiche auf den anderen Schiffen in der Regel voraus liegen, wobei die X-Lounge und das X-Restaurant eine gewisse Einheit bilden.

Wir haben nun sämtliche Suiten und alle Räumlichkeiten über die Decks am Heck konzentriert, um eine räumliche Nähe und ein ganzheitliches Gefühl zu schaffen.

Zugleich wurde das den Suiten-Gästen vorbehaltene Angebot mit einem X-Coast Restaurant und der X-Lounge auf Deck 6 und 7 sowie mit dem X-View-Restaurant, der X-Bar und dem X-Sundeck auf Deck 16 erweitert.

Das klingt nach einem eigentlichen «Ship-in-Ship»-Konzept, wobei die exklusiven Suiten-Bereiche nicht hermetisch abgeriegelt, sondern einzig entsprechend gekennzeichnet sind.

Das entspricht unserer DNA: Wir verfolgen bei Mein Schiff einen ganzheitlichen Premium-Ansatz mit all-inclusive, der von der Innenkabine bis zur grossen Suite für alle gilt. Wir wollen, dass unsere Gäste sich frei über das ganze Schiff bewegen können.

Aber ja, wir haben auch spezielle X-Bereiche geschaffen, die unseren Suiten-Gästen vorbehalten sind. Wir trennen diese aber ganz bewusst nicht mit strikten Barrieren ab und wollen keine offensichtliche Separierung oder Klassentrennung – ein Konzept, das ein offenes und integriertes Premium-Erlebnis schafft.

So können zum Beispiel alle Gäste am Abend, falls verfügbar, gegen Aufpreis im X-View-Restaurant speisen.

Ein anderes da und dort diskutiertes Thema kreist um die Familien: Es gibt auf der Relax und Flow weder Wasserrutschen noch Attraktionen für Teens – wie wichtig sind Familien überhaupt für Sie?

Mein Schiff richtet sich nicht auf eine einzelne Zielgruppe aus, sondern wir haben ein Produkt, das offen auf unterschiedliche Interessen eingeht – das gilt auch für Familien mit Kids und Jugendlichen, die ein wichtiges Segment darstellen.

Für Kids zwischen 3 und 11 Jahren bieten wir den betreuten Kids-Club mit dem Maskottchen «Finni», für die Jugendlichen wählen wir einen etwas anderen Ansatz: Anstatt sie in besonderen Räumen oder Bereichen zu isolieren, bespielen wir über das ganze Schiff ein differenziertes Teens-Programm mit Spass, Sport, Spielen, Basteln und altersgemässen Aktivitäten.

Dazu gehören auch spezielle Ausflüge. Ja, Mein Schiff ist gerade zu den Ferienzeiten bei Familien sehr beliebt. Gleichzeitig setzen wir auf ein ausgewogenes Premium-Angebot statt auf einen Freizeitpark auf See.

Nochmals kurz zurück zum Markt Schweiz: Sind auch hier die Reisebüros der wichtigste Vertriebskanal?

Ja, die Reisebüros sind ganz klar unser wichtigster Vertriebskanal. Für die Marke Mein Schiff betreut Simone Weber unsere Partner direkt vor Ort in der Schweiz, gemeinsam mit Jennifer de Haas aus Wien.

Für Hapag-Lloyd Cruises ist Marc Wannagat in der Schweiz im Einsatz. Zusammen mit unserem Team im Headquarter kümmern sie sich kontinuierlich und sehr partnerschaftlich um unsere Schweizer Kooperations- und Reisebüropartner.

Unsere Wertschätzung für den Markt Schweiz haben wir eben auch mit der Einladung von über 150 Schweizer Reisebüro-Profis auf die Pre-Cruises der neuen Mein Schiff Flow unterstrichen. Wichtig ist aber auch, dass wir die deutschsprachige Schweiz nicht nur aus vertrieblicher Sicht stärken, sondern dass wir auch ganzheitlich im öffentlichen Raum mit Medien-Arbeit und Marketing in die Sichtbarkeit unserer Marke investieren.

Beat Eichenberger, Trieste