«Schweizern kann eine Costa Kreuzfahrt nicht lange genug sein»

TRAVEL INSIDE sprach mit Ulrike Soukop und Bernhard Bohn von Costa.
Ulrike Soukop und Bernhard Bohn ©BE

Frau Soukop, Sie konnten in diesem Jahr Ihr 25-Jahre-Jubiläum bei Costa feiern. Was führte Sie einst zu den Schiffsreisen?

Soukop: Ich war früher im Reisebüro tätig und organisierte unter anderem tolle Firmen-Incentives, die mich an einige der schönsten Destinationen der Welt führten und auch die Faszination der Schiffsreisen entdecken liessen. Ich hatte stets schon eine gewisse Affinität zum Meer, und als ich eine neue Herausforderung suchte, packte ich die Chance und heuerte bei Costa an.

Während Costa damals in der Schweiz eine eigene Niederlassung unter Nicole Gottschlich betrieb, betreute ich den Markt Österreich in den ersten Jahren noch vom Deutschland-Büro aus. 2003 konnte ich dann ein eigenes Costa-Büro für Österreich in Linz eröffnen, zu dem wenig später auch der heutige Sales Direktor Bernhard Bohn stiess, ein weiteres ‘Urgestein’.

Seit 2019 sind Sie in Linz auch für den Markt Schweiz zuständig…

Soukop: Es gab zuvor eine Phase, während der Costa und Aida in unseren Märkten ein gemeinsames Vertriebsmarketing betrieben. Als dieses wieder aufgelöst wurde, hat Costa entscheiden, dass wir in Linz die Möglichkeit erhalten, auch den tollen Markt Schweiz zu betreuen.

Was hat in Ihren Augen die Entwicklung der Kreuzfahrt über die letzten Jahrzehnte insbesondere geprägt?

Soukop: Nun, die Kreuzfahrt steckte damals in Zentraleuropa noch ziemlich in den Kinderschuhen, und man musste bei den Reisebüros viel Aufklärungsarbeit leisten. Länder, die am Meer liegen, hatten immer schon einen engeren Bezug zu den Schiffsreisen als Binnenländer.

Was sich natürlich verändert hat, ist die gewaltig gestiegene Vielfalt, sowohl was die Schiffsflotten wie das Produkt angeht. Nur ein Beispiel: Als ich bei Costa begann, nahm die Costa Atlantica ihren Betrieb auf.

Es war damals das erste europäische Kreuzfahrtschiff mit Balkonkabinen – einer von vielen Meilensteinen in der langen Geschichte von Costa. Heute sind Balkonkabinen Standard, die Angebots-Palette ist riesig und für jeden Kunden gibt es das passende Schiff.

Wie unterscheiden sich die beiden Märkte Schweiz und Österreich?

Soukop: Es gibt sowohl Gemeinsamkeiten wie Unterschiede. Der Schweizer Gast ist qualitätsbewusst und bucht hauptsächlich Balkonkabinen. Innenkabinen sind kaum ein Thema, während diese in Österreich über Preisaktionen eher verkauft werden. In beiden Märkten ist die Anreise ein wichtiges Element.

Für die Schweiz ist diese zu den Abfahrtshäfen für Reisen im westlichen Mittelmeer per Auto oder Bus einfacher, für die Karibik und die Kanaren legen wir zudem Fly&Cruise-Pakete auf.

Beiden Märkten gemeinsam ist auch die erfreulich hohe Gästezufriedenheit. Sowohl die Schweizer wie die österreichischen Gäste lieben Italien und somit das italienische Flair und Essen bei Costa – das ist unsere DNA.

Bohn: Noch eine Anmerkung zu den Balkonkabinen: Die Schweiz ist bei Costa weltweit gesehen der Markt mit dem höchsten Anteil an Balkonkabinen. Die Schweizer leisten sich zudem etwas an Bord, etwa unser Michelin-Sterne-Gourmetrestaurant Archipelago oder Getränkepakete.

Zusammen mit Österreich hat die Region Alps die höchste Rate verkaufter Getränkepakete. Und noch eine Besonderheit: Die deutschsprachigen Märkte, insbesondere die Schweiz, sind auf längeren Reisen, Transatlantik-Passagen oder Weltreisen überproportional vertreten – den Schweizern kann es abseits der Standard-Routen nicht lange genug sein. Bei den Weltreisen spielt sicher mit, dass diese dank dem Ausgangs- und Endhafen Savona ohne Flüge durchgeführt werden können.

Wie haben sich die zwei Märkte seit Corona entwickelt?

Soukop: Wir dürfen als Teil der börsennotierten Carnival Corp. keine Zahlen nennen, doch beide Märkte entwickeln sich positiv. Vor allem das Gruppengeschäft hat wieder stark angezogen. Gerade in der Schweiz spielen Gruppen, Teilcharter, Charter oder Themenreisen stets schon eine wichtige Rolle und können das Jahresergebnis jeweils stark beeinflussen.

Konkret: Liegt Costa in der Schweiz wieder auf dem Vor-Corona-Niveau von 2019?

Soukop: Gemäss den Zahlen der CLIA lag der Gesamtmarkt Schweiz 2024 noch nicht auf dem Niveau von 2019, und das war auch bei Costa der Fall. Dabei muss man berücksichtigen, dass wir während Corona unsere Kapazitäten reduziert haben.

Beim Vergleich mit Deutschland, wo die Kreuzfahrt inzwischen über Vor-Corona liegt, spielt mit, dass die deutschen Reedereien nach Corona umgehend wieder Fahrt aufgenommen haben und in ihrem Heimmarkt massiv in die Werbung und Kommunikation investiert haben.

Generell konnte man feststellen, dass alle Reedereien den Fokus zuerst auf ihre Heimmärkte legten und weniger auf andere Quellmärkte. Eine zurückhaltende Kommunikation führt nun mal zu einem zurückhaltenden Wachstum.

Jahrelang war der Markt Schweiz stärker als der Markt Österreich, doch gemäss CLIA ist das derzeit umgekehrt. Auch bei Costa?

Bohn: Ich sage es mal so: Wir sind im Gleichschritt unterwegs und kommen unter dem Strich auf ähnliche Gesamtvolumen. Was den Markt Österreich betrifft, so sind wohl die deutschen Reedereien hier stärker positioniert als in der Schweiz, und die angetönten Anstrengungen dieser Reedereien haben den österreichischen Markt wohl generell stärker getrieben. Auf der anderen Seite haben wir in Österreich nicht denselben hohen Anteil an Luxusreedereien wie in der Schweiz.

Mit welchen News und Schwerpunkten will Costa nun in der angelaufenen Wintersaison punkten?

Soukop: Bei den Langstrecken steht die Karibik mit zwei Schiffen im Vordergrund, wobei wir für die Fahrten der Costa Pacifica ab Punta Cana mit Edelweiss ein Fly&Cruise-Paket auflegen. Fly&Cruise ist auch für die neuen regelmässigen siebentägigen Fahrten der Costa Fortuna in den Kanaren auf dem Markt.

Da wir die Emirate in diesem Winter aus Sicherheitsgründen frühzeitig annulliert haben, sind nun diesen Winter die beiden Flaggschiffe Costa Smeralada und Costa Toscana im Mittelmeer unterwegs, was auf sehr gute Resonanz stösst. Die Costa Deliziosa sticht wieder auf grosse Weltreise in See, und wie immer ist Costa mit zwei Schiffen im dortigen Sommer in Südamerika präsent.

Bohn: Neu und speziell sind im nächsten Jahr übrigens einzelne Japan-Fahrten mit der kürzlich renovierten Costa Serena. Dieses Asien-Schiff wurde und wird vor allem für asiatische Gäste verchartert, nun ergaben sich einige Lücken, die jetzt für unsere Märkte verfügbar sind und bereits auf eine gute Nachfrage stossen – Japan liegt im Trend. Im Oktober 2026 wird die Costa Serena dann auf einer Weltreise von Tokio über die Südsee, das Kap Hoorn und Buenos Aires nach Europa überführt.

Wie hat sich bei Costa das Preisniveau entwickelt?

Soukop: Wie generell in der Cruise-Industrie gab es über die letzten Jahre gewisse Erhöhungen, die nicht zuletzt der Einsicht geschuldet sind, dass sich die Kreuzfahrten lange unter ihrem Wert verkauft haben.

Zudem gilt es das Preis-Leistungsverhältnis zu berücksichtigen: Costa investiert laufend in Mehrwerte für ihre Gäste, so etwa mit den einmaligen Sea Destinations, unsere neuartigen Erlebnisse und Erfahrungen an Bord, oder im Bereich Kulinarik mit neuen destinationsbezogenen Gerichten.

Gibt es News in Bezug auf die Kommissionierung der Vertriebspartner?

Bohn: Unser Kommissionsmodell ist grundsätzlich unverändert, wobei wir stets offen sind für Gespräche mit unseren Vertriebspartnern über gemeinsame Aktivitäten, mögliche Zusatz-Kommissionen oder Werbekosten-Unterstützung.

Unser Schweizer Vertriebsteam mit District Sales Manager Andreas Fimpel, unterstützt von Saskia Schori und in der Romandie von Chiara Comte sind zusammen mit dem Büro in Linz die bekannten und langjährigen Ansprechpartner.

Beat Eichenberger, Costa Smeralda