
Bei herrlichem Spätsommer-Wetter ging am Samstag in Zürich die diesjährige Kreuzfahrtmesse von Cruisetour, dem Kreuzfahrtspezialisten von TUI Cruises, über die Bühne.
Das Lake Side entpuppte sich mit seiner Lage am Zürichsee ein weiteres Mal als höchst stimmungsvolle Location – mehr Nähe zum thematisierten Element Wasser geht nicht.
«Mit 23 vertretenen Reedereien ist es uns wiederum gelungen, die gesamte Angebotsvielfalt auf Hochsee und Fluss und von Expedition über Mainstream bis Luxus darzustellen», konnte Sascha List, Geschäftsführer von Cruisetour, zufrieden zu Protokoll geben. Tatsächlich nutzten mehr oder weniger sämtliche im hiesigen Markt relevanten Reedereien die Cruisetour-Plattform für direkte Kunden-Kontakte.
Über 600 Besuchende nahmen die Gelegenheit wahr, sich an den Ständen und bei Vorträgen aus erster Hand zu informieren. Ein Glücksrad vor dem Lake Side konnte dabei auch Schönwetter-Bummler zu einem spontanen Messe-Besuch motivieren – «darunter viele jüngere Leute und Familien», freute sich List.
Kein einfaches Kreuzfahrt-Jahr
Mit dem aktuellen Cruise-Jahr zeigte sich List im Gespräch mit TRAVEL INSIDE zufrieden, wies aber auch darauf hin, dass es kein einfaches Geschäftsjahr ist: «Die geopolitischen Verwerfungen wirken sich auch auf die Nachfrage bei den Kreuzfahrten aus».
Nach wie vor müssen Überstellungsfahrten und Grand Voyages durch die unsichere Lage im Roten Meer umgeplant werden, die angespannte Situation im Nahen Osten wirkt sich negativ auf die anstehende winterliche Orient-Saison aus und gar Karibik-Kreuzfahrten ab Häfen der USA, die derzeit mit einem Image-Problem kämpfen, stehen unter Druck.
«Wir steuern deshalb wenn möglich die Nachfrage auf stabile Regionen, allen voran das Mittelmeer und Nordeuropa, aber auch Südamerika, Asien, Australien-Neuseeland und der Pazifik stehen im Fokus», sagte List. Eine Trenddestination ist insbesondere Japan.
Für das kommende Jahr gibt sich List zuversichtlich: «In eher unsicheren Zeiten schätzen die Kunden die Unterstützung durch ein spezialisiertes, verlässliches Reisebüro, das verspricht mehr Sicherheit», sagte er.
Wichtiger Reisebüro-Anteil wächst
Cruisetour spricht als Spezialist sowohl Endkunden (B2C) wie die Reisebüros (B2B) an, wobei der B2B-Anteil gemäss List in letzter Zeit deutlich gewachsen ist. «Bei uns buchen nicht nur TUI-Filialen Kreuzfahrten, sondern auch immer mehr unabhängige Reisebüros».
Der Vertrieb verlange einen verlässlichen Partner und die Kompetenz eines Spezialisten, dafür stehe Cruisetour. «Wir haben im Team erfahrene Mitarbeitende, die sich ausschliesslich um Reisebüro-Anfragen kümmern», unterstrich List. Und natürlich fliesst der Cruisetour-Umsatz in das Kommissionsmodell von TUI ein.
«Ein wichtiges Standbein sind – nebst der generellen Vermittlung von Kreuzfahrten weltweit – unsere speziellen Pauschalreisen, die wir laufend mit eigener Reiseleitung und zusätzlichen Bestandteilen veredelt entwickeln», sagte List zum Angebot. Rund 30 solche Reisen kommen jährlich auf den Markt, die online, über Inserate und Broschüren vermarktet werden
«Wir haben unseren Marketing-Auftritt überarbeitet, der nun frischer und jünger wirkt», sagte List weiter. Damit soll verstärkt ein jüngeres Publikum angesprochen werden, denn Zahlen würden zeigen, dass das Durchschnittsalter der Schweizer Seereisenden höher liege als etwa in Deutschland oder Italien.
Der zurückhaltende Cruise-Markt Schweiz
Ob dies auch einen Einfluss hat auf die Tatsache, dass sich der Cruise-Markt Schweiz im Vergleich mit anderen Märkten nach wie vor eher zurückhaltend entwickelt, lässt List offen. «Ich denke, da spielen verschiedene Elemente mit: So etwa auch die Binnenlandlage der Schweiz, wo das Meer keine Alltäglichkeit ist, oder das hierzulande recht ausgeprägte, aktuell auch durch weltpolitische Entwicklungen befeuerte Sicherheitsbedürfnis.»
Dass die Schweiz für viele Reedereien ein (zu) kleiner Markt sei, um massiv in Marketingmassnahmen zu investieren, zielt gemäss List in eine falsche Richtung: «Dabei wird nicht berücksichtigt, dass in der Schweiz ein sehr attraktiver Yield erzielt werden kann». Aber auch das da und dort etwas angekratzte Image der Kreuzfahrt, etwa was Overtourismus, «Massenpötte» oder Nachhaltigkeit angeht, gelte es zu bedenken.
Solche Strömungen zu erkennen und mit ehrlichen Informationen und kompetenten Argumenten aus erster Hand aufzugreifen, gehört heute nebst Angebot & Preis wohl mit auf die Agenda spezialisierter Anbieter. Kreuzfahrtmessen können dabei eine wertvolle Plattform spielen.
Beat Eichenberger








