SRV: «2026 ist der Umsatz um 5-10% unter Vorjahr»

Der Schweizer Reise-Verband informiert über geopolitische Einflüsse, Umsatz und Branchentrends.
Martin Wittwer, SRV-Präsident ©TRAVEL INSIDE

An der gemeinsamen Jahresmedienkonferenz mit Allianz Partners Schweiz präsentierten SRV-Präsident Martin Wittwer und Geschäftsführerin Andrea Beffa die Entwicklung des Schweizer Reisegeschäfts und die Trends der Branche.

Mehr als 10 Milliarden Tourist*innen reisen jährlich ins Ausland in die Ferien – Tendenz steigend. «Es wird mehr gereist – mehr als letztes Jahr», sagt Martin Wittwer.

 

Die Reisebranche vertritt gemäss SRV ca. 2,5 Milliarden Umsatz pro Jahr. Das ist ein Viertel aller touristischen Reisen ins Ausland mit mindestens einer Übernachtung. Darauf beziehen sich die an der Medienkonferenz kommunizierten Daten.

Geopolitische Lage beschäftigt die Branche

Ein prägendes Ereignis war der Iran-Krieg und der Start des Nahost-Konflikts im Frühling 2026. «So etwas ist kein Trend. Das Jahr startete gut, und plötzlich hat es sich geändert», sagt Wittwer.

Andrea Beffa, Geschäftsführerin SRV ©TRAVEL INSIDE

Andrea Beffa betont: «Die SRV Mitglieder waren im Dauereinsatz, das war eine enorme Herausforderung.» Es fanden über 20’000 Kundenkontakte innerhalb weniger Wochen statt. Über 3’400 Umbuchungen wurden organisiert und über 1600 Reisende zurückgeführt. Anbieter trugen 2,3 Millionen Zusatzkosten. «Es war eine eindrückliche Leistung; mit wie viel Ruhe und Professionalität die Reisebüros diese Leistung erbracht haben.»

Die Vorteile einer Pauschalreisebuchung über das Reisebüro haben sich erneut gezeigt, durch den persönlichen Kontakt mit dem Reisebüro sowie die rechtliche Absicherung.

Hitzesommer beeinflusst das Buchungsverhalten

Nebst der Nahost-Krise und der darauffolgenden Kerosinknappheit hat der Hitzesommer die Reisebranche belastet. «Es ist ein Trend, der das Buchungsverhalten in der Auswahl der Zielgebiete und Zeitpunkt verändert, getrieben durch das Klima», sagt Martin Wittwer.

Entsprechend zeichnet sich weiterhin der Trend ‘Coolcation’ im Reiseverhalten ab, auch Reisen in den Balkan werden beliebter. Durch den Nahost-Konflikt hat auch die Mittelmeerregion an Beliebtheit gewonnen.

Die beliebtesten Destinationen im Sommer 2026 waren Spanien, Griechenland, Türkei und die Malediven. Auch Kanada war beliebt. Die Verlierer der Saison war die USA, mit einem Rückgang der USA-Einreisen von 16,5% im Vergleich zum Vorjahr. Die SRV-Mitglieder rechnen mit einem Umsatzrückgang von 20% durch USA-Reisen.

Nach dem Last-Minute Trend in der ersten Jahreshälfte werden Reisen inzwischen wieder weiter im Voraus gebucht. Die Vorausbuchungsfrist ist aktuell bei 120 Tagen im Schnitt angelangt.

Der SRV beobachtet zudem eine Saisonverschiebung, beziehungsweise -Verlängerung vom Sommer in den Herbst. Diesen Herbst sind die Destinationen Griechenland, Zypern und Ägypten hoch im Kurs. Auch Tunesien hat stark an Beliebtheit gewonnen. Im Winter sind es Ägypten, die kanarischen Inseln, Mauritius und Thailand.

Umsatz ging zurück

Umsatztechnisch musste die Branche im Frühling einstecken. Der SRV rechnet damit, dass der Umsatz über das gesamte Jahr 2026 hinweg 5% bis 10% unter dem Vorjahr liegen wird. Da spielt die Nahostkrise inklusive der steigenden Kerosinpreise eine Rolle, aber auch der Hitzesommer. Der Herbst und Winter 2026 werden allerdings wieder auf Vorjahresniveau liegen, prognostiziert der SRV.

Auch die Preise schwanken dieses Jahr stark. Darunter fallen die durch den Kerosinmangel gestiegenen Flugpreise. Dadurch, dass viele Reisende auf das westliche Mittelmeer auswichen, stiegen auch dort zeitweise die Preise.

Die Gäste zeigten eine höhere Preissensibilität bei klassischen Badeferien: Im Volumengeschäft sind die Dossier Werte leicht gesunken, bei Individualreisen wird hingegen mehr investiert, und die Dossier Werte sind moderat gestiegen.

Digitalisierung treibt Marktkonsolidierung

Auch die Marktkonsolidierung beschäftigt die Branche, durch den Zusammenschluss Unternehmen. Diese seien getrieben von der Digitalisierung, betont Martin Wittwer. Auch die KI werde den Buchungs-, Reservierungs- und Reiseprozess verändern – also die gesamte Travel Journey. «Durch die Digitalisierung sind die Ländergrenzen offen», so Wittwer. «Das Volumengeschäft hat die Branche verändert», so Wittwer. Und die Schweiz sei viel zu klein, um riesige Volumen zu generieren. Das habe einen Einfluss auf Konsolidierungen.

Dies ist aber auch eine Chance für Reiseprofis. Andrea Beffa sagt: «In einer komplexen Welt steigt der Beratungsbedarf. Wir spüren einen Trend zur Individualisierung.» Die Schweiz sei sehr stark im Individualgeschäft. «Das birgt Potenzial für Spezialangebote und Nischen.»

Angelika Tanner

v.l.: Andrea Beffa und Martin Wittwer (beide SRV), Pia Bodner (Allianz Partners Schweiz)