SRV-Umfrage: Klimadebatte schadet dem Feriengeschäft 2020 nicht

Die Preise dürften sich auf Vorjahresniveau halten.
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Die jährliche Umfrage des Schweizer Reise-Verbands (SRV) bei den grössten Schweizer Reiseveranstaltern zeigt: Das Feriengeschäft dürfte unter der Klimadebatte auch 2020 kaum leiden. Gleichwohl wird dem Thema einiges an Bedeutung beigemessen, zumal auch die Reisenden immer sensibler werden und sich verstärkt für nachhaltigere Reisevarianten interessieren, schreibt der SRV in seiner Mitteilung vom Mittwoch.

Was die Reiseziele der Kunden betrifft, zeigen sich gegenüber den Vorjahren wenig Veränderungen. Befragt wurden in diesem Jahr die Verantwortlichen bei DER Touristik Suisse (Kuoni und Helvetic Tours), Hotelplan Suisse, TUI Suisse, Knecht Reisen, ITS Coop Travel und Globetrotter.

«Die Einschätzungen der Veranstalter lassen auch uns vom Schweizer Reise-Verband auf ein erfolgreiches Reise- und Ferienjahr 2020 hoffen. Dass die Kunden tendenziell kritischer und bewusster reisen, kann der gesamten Branche nur recht sein. Ein besonderes Augenmerk richten wir derzeit auf die Verbreitung des Coronavirus, das die weltweite Reisetätigkeit massgeblich beeinflussen könnte», so SRV-Geschäftsführer Walter Kunz.

Der eindeutige Tenor: 2020 dürfte ein gutes Reisejahr werden. Die Klimadebatte beeinträchtigt die grundsätzliche Reisefreudigkeit der Schweizerinnen und Schweizer offenbar nicht, gleichwohl schlägt sie sich im Buchungsverhalten nieder. «Die Leute wollen reisen, aber sie wollen bewusster reisen», sagt etwa Markus Flick, Sprecher von DER Touristik Suisse mit den Ferienmarken Kuoni und Helvetic Tours. Nachhaltigkeit gewinne in der täglichen touristischen Nachfrage eindeutig an Bedeutung. «Immer mehr Kunden fragen zum Beispiel bewusst nach Hotels, die entsprechende Standards einhalten.» Darauf stelle sich DER Touristik Suisse ein und arbeite mit der Zertifizierungsorganisation Tourcert an der Optimierung des eigenen Nachhaltigkeitsengagements entlang der ganzen Wertschöpfungskette, so Flick.

Mehr Nachfrage für Bahnreisen

Dass die Klimadebatte 2020 aktuell bleibt, ist auch die Überzeugung bei Hotelplan Suisse. «Als Reiseveranstalter wollen wir diesen Bedürfnissen der Kunden Rechnung tragen», sagt die Sprecherin Bianca Gähweiler. So hat die Marke Hotelplan zum Beispiel im November 2019 einen Katalog mit ausschliesslich Bahnreisen publiziert. «Weiter führen wir mit Travelhouse ab Frühling 2020 in Zusammenarbeit mit dem E-Mobil-Pionier Louis Palmer E-Mobility-Reisen durch.»

Ähnlich tönt es bei TUI Suisse. «Unsere Kunden interessieren sich vermehrt für unser Nachhaltigkeitsengagement, buchen bewusst die nachweislich CO2 effiziente Flugzeugflotte Tuifly ab Basel oder übernachten in einem unserer TUI Umwelt Champion Hotels», so die Sprecherin Bianca Schmidt. Auch Ausflüge zu den TUI Care Foundation-Projekten in den Ferienregionen seien viel mehr gefragt als noch vor ein paar Jahren.

Was die Nutzung der Transportmittel betrifft, spüren die Reiseveranstalter einen ganz leichten Trend in Richtung Bahn. Das betrifft nicht nur Hotelplan Suisse aufgrund des neuen Bahnreisekatalogs. Auch bei Globetrotter habe die Zug-Nachfrage angezogen, bestätigt Sprecherin Sandra Studer. Und bei Knecht Reisen, so Sprecher Matthias Reimann, würden immer mehr Kunden für Städtereisen innerhalb Europas auf das Flugzeug verzichten.

Was hingegen die CO2-Kompensation bei Flugreisen betrifft, herrscht weitgehend noch eher vornehme Zurückhaltung. So zumindest lautet die Beurteilung von Andi Restle, Geschäftsführer von ITS Coop Travel: «Wir haben das Thema in den Vordergrund gerückt und bieten in der Buchungsstrecke eine einfache Lösung für eine CO2-Kompensation an, die bisher aber nur vereinzelt genutzt wird.»

Auch der Schweizer Reise-Verband (SRV) ist sich seit Jahren seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst, wie Geschäftsführer Walter Kunz betonz: «Die lebendige Natur und eine intakte Umwelt sind zentral. Voraussetzungen für das Reisegeschäft. Der SRV unterstützt deshalb die Klimapolitik der Schweiz und befürwortet auch eine CO2-Abgabe auf Flugtickets, sofern die Einnahmen gezielt und zweckgebunden in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien zur Förderung der CO2-Reduktion investiert werden.» Seit Jahren bringe sich der SRV aktiv in die Klimadiskussion ein und organisierte bereits 2004 einen ersten Aufklärungsworkshop unter dem Titel «Abheben zu Tiefstpreisen – bleibt der Klimaschutz am Boden?».

Die Schweizer bleiben ihren Ferienzielen treu

Was die Lieblingsferienziele der Schweizerinnen und Schweizer betrifft, dürften sich gegenüber 2019 kaum wesentliche Veränderungen ergeben. Bei Hotelplan Suisse gehören zu den gefragtesten Destinationen die «üblichen Verdächtigen» wie Spanien, Zypern, USA, Ägypten gefolgt von Griechenland. «Da die Hauptbuchungszeit für Sommer- und Herbstferien erst begonnen hat, kann sich die Reihenfolge noch ändern», sagt Bianca Gähweiler.

Bei TUI Suisse dürfte sich laut Bianca Schmidt erneut Mallorca als beliebteste Sommerferiendestination der Schweizer etablieren, während im aktuellen Winterhalbjahr die Malediven stark gefragt seien. Als Familien-Hotspots kommen immer stärker Menorca und Dalaman (Türkei) auf. «Etwas weniger beliebt als in den Vorjahren sind dafür Sri Lanka im Winter und im Hinblick auf den Sommer gegenwärtig die USA und Kanada», so Schmidt. Einen aktuellen Buchungsboom für Kreta erlebt zurzeit DER Touristik Suisse mit der Marke Helvetic Tours. Etwas im Rückstand sind laut Markus Flick dagegen die Karibik und Mexico. Bei Kuoni seien die Malediven, Thailand, die USA sowie Kanada die «Topseller».

Einen Buchungszuwachs für Ägypten stellt in der laufenden Wintersaison ITS Coop Travel fest. «Für die Sommersaison liegen die Türkei, Zypern und Griechenland über Vorjahr, während die spanischen Ziele wie die Kanaren und Balearen eher etwas verlieren», sagt Andi Restle. «Im Fernbereich laufen die Arabischen Emirate, Seychellen und Bali besser als im Vorjahr.»

Eine sich gleichmässig über den Globus verteilende Reisenachfrage gibt es von Globetrotter zu berichten. «Beliebt sind Kanada/USA, Südliches Afrika, Südostasien, Südamerika und zurzeit besonders Zentralasien», so Sandra Studer. Bei Knecht Reisen liegen Kolumbien, Kanada, Südafrika, Namibia, Neuseeland, Malediven, Seychellen, Mauritius sowie Osteuropa mit Russland als eigentlichem «Überflieger» hoch im Kundenkurs. «Im Nachfragehoch befindet sich auch Skandinavien», sagt Matthias Reimann.

Tieferer Eurokurs federt lokale Preiserhöhungen ab

Auch was das erforderliche Reisebudget betrifft, dürfte sich für die Schweizer Kundschaft in diesem Jahr nur wenig verändern. Alle befragten Veranstalter bestätigen, dass sich Preise mehr oder weniger auf Vorjahresniveau bewegen dürften. In gewissen Europa-Destinationen können Kunden allenfalls von leichten Vergünstigungen profitieren, jedoch wurden diese vielerorts durch geringfügige Preiserhöhungen seitens der lokalen Leistungsträger wieder wettgemacht. (TI)

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