
MSC prüft offenbar einen Einstieg bei der Meyer Werft in Papenburg. Wie Bloomberg und das Handelsblatt unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten, könnte die Reederei die derzeit von der öffentlichen Hand gehaltenen Anteile übernehmen. Offiziell bestätigt wurden die Gespräche bislang weder von MSC noch von der Meyer Werft.
Der deutsche Bund und das Land Niedersachsen waren Ende 2024 im Zuge der finanziellen Stabilisierung der Werft eingestiegen. Zusammen hält die öffentliche Hand rund 80% der Anteile, die Familie Meyer die übrigen rund 20%. Bund und Land stellten 400 Mio. Euro Eigenkapital zur Verfügung und übernahmen zudem Garantien für einen Kreditrahmen von insgesamt 2,6 Mrd. Euro.
Spekulationen über Einstieg bereits 2025
Ein möglicher Einstieg von MSC kommt nicht völlig überraschend. Bereits im Dezember 2025 wurde im Zusammenhang mit der neuen Partnerschaft zwischen MSC Cruises und der Meyer Werft über eine mögliche finanzielle Beteiligung der Reederei spekuliert (TRAVEL INSIDE berichtete).
MSC Cruises und die Meyer Werft hatten zu diesem Zeitpunkt eine Absichtserklärung über den Bau von vier Kreuzfahrtschiffen sowie zwei weitere Optionen unterzeichnet. Die Vereinbarung war auch deshalb bemerkenswert, weil MSC erstmals Neubauten an die Meyer Werft in Papenburg vergab. Zuvor hatte die Reederei ihre Kreuzfahrtschiffe bei Fincantieri in Italien und Chantiers de l’Atlantique in Frankreich bauen lassen.
Im Juni 2026 teilten MSC Cruises und die Meyer Werft mit, dass die Planungen und Vertragsverhandlungen für die Neubauten weit fortgeschritten seien.
Die geplanten Schiffe gehören zur neuen Klasse ‘New Frontier’. Sie sollen über eine maximale Kapazität von 5400 Passagieren und eine Bruttoraumzahl von rund 180’000 verfügen. Die Ablieferung der ersten Einheit ist für 2030 vorgesehen, anschliessend soll jährlich ein weiteres Schiff folgen.
Fragen zur Unabhängigkeit der Werft
Ein möglicher Einstieg von MSC wirft allerdings auch Fragen zur künftigen Unabhängigkeit der Meyer Werft auf. Laut Handelsblatt müsse unter anderem geklärt werden, wie sich eine Beteiligung auf Aufträge konkurrierender Kreuzfahrtreedereien auswirken könnte. Im Raum steht dabei insbesondere die Frage nach dem Schutz sensibler Unternehmens- und Projektdaten. Zu den Kunden der Meyer Werft gehören auch andere grosse Kreuzfahrtkonzerne.
Ebenfalls offen ist die künftige Rolle der Familie Meyer, die weiterhin rund 20% der Anteile hält.
Die Sanierung der Meyer Werft soll bis Ende 2028 abgeschlossen werden. Bund und Niedersachsen hatten ihren Einstieg von Beginn an als temporäre Massnahme angelegt. Ob und zu welchen Bedingungen MSC die staatlichen Anteile übernehmen könnte, ist derzeit offen. (TI)








