
Das Zusammenspiel von KI-Innovationen, den Herausforderungen bei der Verwaltung globaler Reiseprogramme und sich wandelnden Vertriebsmodellen im Hotelgewerbe prägt die nächste Ära der Geschäftsreisen.
Doch es bestehen weiterhin erhebliche Lücken, darunter eine begrenzte Nutzung von KI, fragmentierte Daten und uneinheitliche Reiseerfahrungen auf den globalen Märkten, die der vollständigen Verwirklichung der Branchenvision einer ‘perfekten Geschäftsreise’ im Wege stehen.
Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die heute von der Global Business Travel Association (GBTA) in Zusammenarbeit mit Spotnana, Marriott International und Direct Travel veröffentlicht wurde und auf einer im März 2026 durchgeführten Umfrage unter Einkäufern von Geschäftsreisen in den USA, Kanada und Europa basiert. Der Bericht untersucht, wie Innovationen die Geschäftsreisen prägen, und zeigt gleichzeitig wichtige, nach wie vor bestehende Hindernisse auf, die den Fortschritt der Branche bremsen.
KI, Programmverwaltung und Preisunterschiede
Mehr als die Hälfte der Reiseeinkäufer (58%) gibt an, dass KI bislang wenig oder gar keinen Einfluss auf ihr Programm hatte, während 61% von Herausforderungen bei der Verwaltung globaler Reiseprogramme berichten und 72% Preisunterschiede bei Hotelbuchungen als grossen Schwachpunkt nennen.
«Geschäftsreisen stehen vor einer Phase tiefgreifender Veränderungen», sagte Suzanne Neufang, CEO der GBTA. «Aus dieser Studie geht klar hervor, dass Innovationen – insbesondere in den Bereichen KI, Daten und Einzelhandel – entscheidend sein werden, um die Lücke zwischen dem, was möglich ist, und dem, was Reiseprogramme heute leisten, zu schliessen.»
Künstliche Intelligenz: Grosses Interesse aber nur langsame Verbreitung
KI entwickelt sich zu einem zentralen Motor des Wandels im Geschäftsreisebereich, auch wenn sich die Einführung noch in einem frühen Stadium befindet.
Zwar geben 58% der Reiseeinkäufer an, dass KI bislang kaum oder gar keinen Einfluss auf ihre Programme hatte, doch ist das Interesse an KI-gestützten Funktionen weit verbreitet. Reisemanager konzentrieren sich insbesondere auf Anwendungen, die Abläufe optimieren und die Entscheidungsfindung verbessern, darunter:
- 92%: Predictive Analytics zur Prognose von Reisekosten
- 89%: automatisiertes Störungsmanagement und Umbuchung
- 85%: KI-gestützte Reisenden Betreuung
- 83%: dialogorientierte Buchungserlebnisse
Darüber hinaus stehen Einkäufer verschiedenen KI-Anwendungsfällen im Rahmen von verwalteten Geschäftsreisen positiv gegenüber. Bei jedem getesteten Anwendungsfall geben mehr Reiseeinkäufer an, dass sie sich ‘wohlfühlen’ als dass sie sich ‘unwohlfühlen’, was das Vertrauen in KI widerspiegelt, während die Technologie weiter ausgereift.
Einkäufer, die angeben, dass sie sich wohl dabei fühlen, Flüge und Hotels zu ausgehandelten Tarifen zu empfehlen (95%) und individuelle Berichte zu erstellen (92%).
Weniger Einkäufer geben an, dass sie sich wohl dabei fühlen, auf Mitarbeiterkalender zuzugreifen, um Flüge und Hotels zu empfehlen (64%), sowie Buchungen zu ändern oder zu stornieren (57%).
Insgesamt deuten die Ergebnisse auf eine klare Chance hin: Da sich die Fähigkeiten weiterentwickeln und die Akzeptanz zunimmt, ist KI gut positioniert, um eine zentrale Rolle bei der Verbesserung sowohl der Effizienz als auch des Reiseerlebnisses zu spielen.
«Die Branche entwickelt sich hin zu dynamischeren und individuelleren Reiseerlebnissen, was enorme Chancen für Reisende und Anbieter mit sich bringt», sagte Christal Bemont, CEO von Direct Travel. «Gleichzeitig gewinnt eine vernetzte Infrastruktur zunehmend an Bedeutung, die Inhalte, Richtlinien, Serviceleistungen und Daten so zusammenführt, dass dies für globale Unternehmen überschaubar bleibt.»
Reiseprogramme und Reisemanagement: Fragmentierung und Serviceausgewogenheit stellen Herausforderungen dar
Die Studie verdeutlicht die anhaltenden Herausforderungen für Reiseeinkäufer bei der Verwaltung globaler Reiseprogramme, die vor allem auf fragmentierte Technologie- und Datenökosysteme zurückzuführen sind.
Von den globalen Einkäufern geben 61% an, dass die Regionen übergreifende Reiseverwaltung eine Herausforderung darstellt. Nur 12% verfügen über einen konsolidierten Überblick über ihr Programm aus einer einzigen Datenquelle, was die weit verbreitete Datenfragmentierung unterstreicht.
Zu den grössten Herausforderungen, die von globalen Reisemanagern genannt werden, gehören:
- Fehlende konsolidierte Berichterstattung (63%)
- Uneinheitliche Unterstützung der Reisenden (60%)
- Verwaltung mehrerer Beziehungen zu Reisemanagementunternehmen (TMC) (52%)
Die Datenfragmentierung schränkt weiterhin die Transparenz und Leistungsoptimierung ein, während Schwankungen bei der Leistungserbringung das Reiseerlebnis beeinträchtigen.
Gleichzeitig betonen Einkäufer die Notwendigkeit, Technologie und Service in Einklang zu bringen. Bei der Bewertung von TMC-Partnern messen sie Technologie (54%) und Service (46%) fast gleiche Bedeutung bei, wobei 26 % angeben, dass der Service der wichtigere Faktor ist.
Diese Ergebnisse unterstreichen, dass sich die Innovation zwar beschleunigt, Technologie jedoch den menschlichen Faktor im Reisemanagement ergänzen – und nicht ersetzen – muss.
Hotelvertrieb: Neue Vertriebsmodelle deuten auf einen Wandel im Buchungserlebnis hin
Auch im Hotelvertrieb vollzieht sich derzeit ein Wandel, da neue Vertriebsmodelle die Art und Weise, wie Inhalte präsentiert werden und wie Reisende ihre Buchungsentscheidungen treffen, zunehmend neu gestalten. Während traditionelle globale Distributionssysteme (GDS) weiterhin eine grundlegende Rolle spielen, interessieren sich Einkäufer zunehmend für flexiblere, transparentere und personalisierte Buchungserlebnisse.
Eine zentrale Herausforderung bleibt bestehen: 72% der Einkäufer geben an, dass die Möglichkeit ihrer Reisenden, günstigere Hoteloptionen ausserhalb der verwalteten Kanäle zu finden, ihr grösstes Problem darstellt, was auf anhaltende Probleme mit Inhalten, Preisen und dem wahrgenommenen Wert hinweist.
Neue Vertriebsmodelle schaffen Möglichkeiten, das Buchungserlebnis zu verbessern.
- 51% der Einkäufer sagen, dass das attributbasierte Einkaufen das Hotelbuchungserlebnis verbessern würde. Mitarbeiter könnten im Rahmen des Buchungsvorgangs ein bestimmtes Zimmer auswählen. So könnten sie beispielsweise aus Sicherheitsgründen ein Zimmer in einer höheren Etage wählen – oder ein Zimmer mit Aussicht. Heute werden solche Wünsche oft erst nach der Buchung manuell geäussert.
- Grosses Interesse am Kauf von Zusatzleistungen – wie Frühstück, früher Check-in, später Check-out und Parken – über das Online-Buchungstool (OBT)/TMC während des Buchungsprozesses
Diese Funktionen spiegeln einen allgemeinen Trend hin zu Erfahrungen im Stil des Einzelhandels wider, die mehr Klarheit hinsichtlich Preisgestaltung und Wert bieten. Indem Reisende die ‘Gesamtkosten’ eines Aufenthalts im Voraus einsehen und vergleichen können, tragen diese Modelle dazu bei, Reibungsverluste zu reduzieren, die Entscheidungsfindung zu verbessern und die Zufriedenheit zu steigern.
Für Unternehmen ermöglicht dieser Wandel zudem einen besseren Einblick in das Reiseverhalten und die Ausgaben der Reisenden, was eine optimierte Ausrichtung der Richtlinien, Kostenkontrolle und Lieferantenstrategie unterstützt.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Art und Weise, wie Hotelangebote präsentiert werden – und nicht nur die Verfügbarkeit –, eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der nächsten Phase des Managed Travel spielen wird. (Business Traveltip)








