
Thailand richtet seine Tourismusstrategie neu aus. Statt möglichst viele Besucher anzulocken, möchte das Königreich künftig stärker auf kaufkräftige Reisende setzen, die länger bleiben, mehr Geld ausgeben und hochwertige Angebote nutzen. Besonders im Blick: Feriengäste aus Katar.
Unter dem Motto ‘Value over Volume’ – Wert statt Masse – wirbt die thailändische Tourismusbehörde TAT gezielt für Luxusreisen, Wellness, medizinische Behandlungen, Familienferien und gehobene Kulinarik. Damit setzt Thailand ein deutliches Zeichen für einen Tourismus, der wirtschaftlich mehr bringt und zugleich weniger Belastungen für die Bevölkerung verursacht.
Thailand setzt auf Katar
Die thailändische Botschafterin in Katar, Pensom Lertsithichai, traf sich am 13. August mit TAT-Gouverneurin Thapanee Kiatphaibool, um über Reisetrends und neue Marktchancen zu sprechen. Katar gilt wegen der hohen Kaufkraft seiner Bevölkerung als wichtiger Markt innerhalb des Golf-Kooperationsrates.
Zwischen dem 1. Juli und dem 9. August reisten 13’603 Besuchende aus Katar nach Thailand. Trotz der politischen Unsicherheiten im Nahen Osten lag die Zahl lediglich 0,52% unter dem Vorjahreswert. Auch die Flugverbindungen sind stark: Qatar Airways bietet insgesamt 49 wöchentliche Flüge von Doha nach Bangkok und Phuket an.
Thailand möchte nun enger mit der Fluggesellschaft, staatlichen Stellen in Katar und privaten Reiseanbietern zusammenarbeiten. Influencer-Kampagnen sollen zusätzlich dafür sorgen, dass aus dem Interesse an Thailand konkrete Buchungen werden.
Value over Volume ist entscheidend
Hinter dem Kurswechsel steht auch eine Frage, die in vielen Ferienorten immer lauter diskutiert wird: Welche Art von Tourismus möchte Thailand künftig fördern? In beliebten Ferienzentren sorgen rücksichtslose Besuchende, nächtliche Partys und laut aufheulende Motorräder regelmässig für Beschwerden. Vor allem junge Reisende, die Wohngebiete nachts als Rennstrecke behandeln, belasten das Verhältnis zwischen Feriengästen und Einheimischen.
Die offizielle Strategie richtet sich zwar nicht ausdrücklich gegen junge Touristen. Ihre Botschaft ist dennoch unmissverständlich: Thailand will nicht länger allein an steigenden Besucherzahlen gemessen werden. Gefragt sind Gäste, die Qualität schätzen, lokale Regeln respektieren und einen grösseren wirtschaftlichen Nutzen hinterlassen.
Reisende aus Katar passen in dieses Profil. Viele interessieren sich für erstklassige Hotels, private Angebote, medizinische Versorgung, Wellness, Gastronomie und familienfreundliche Erlebnisse. Genau in diesen Bereichen sieht Thailand grosses Wachstumspotenzial.
Der neue Kurs könnte auch für andere Besuchergruppen zum Signal werden: Wer Thailand respektvoll bereist, ist willkommen – unabhängig von Alter oder Herkunft. Wer dagegen nachts mit lärmenden Motorrädern Anwohner terrorisiert und sich aufführt, als gehöre ihm der Ferienort, passt immer weniger zu dem Tourismus, den das Land künftig fördern möchte.
Thailand entscheidet sich damit nicht gegen junge Menschen, sondern für mehr Rücksicht, höhere Qualität und einen nachhaltigeren Tourismus. Klasse statt Masse lautet die neue Richtung.
Pierre Rothschild, Thailand








