Air France-KLM schlittert in schwere Krise

Kommt es sogar zu einer Trennung der beiden Schwester-Airlines?
KLM - Air France, Tails
© Air France-KLM

Nach der Eskalation eines Tarifkonfliktes bei Air France-KLM stehen alle Zeichen auf Rot. Einerseits wird seit Wochen gestreikt und andererseits hat CEO Jean-Marc Janaillac nach nicht einmal zwei Jahren im Amt seinen Rücktritt für Mitte Monat angekündigt. An der Börse stürzte die Aktie am Montag zeitweise um mehr als 13% ab und das US-Analysehaus Bernstein Research hat das Kursziel von EUR 8,9 auf EUR 6,1 gesenkt. Bernstein-Analyst Daniel Roeska begründete diese Einstufung damit, dass die Fluggesellschaft keinen Plan habe, wie sie den Konflikt mit den Angestellten lösen kann.

Verschiedene Kommentare der französischen Regierung, die 14,3% am Unternehmen hält, sorgen zusätzlich für Unruhe. Air France müsse sich reformieren oder das Überleben der Airline stehe auf dem Spiel, hiess es. «Wenn Air France nicht die notwendigen Anstrengungen unternimmt, wettbewerbsfähig zu bleiben und dieses nationale Flaggschiff auf dem gleichen Niveau wie Lufthansa oder andere grosse globale Fluggesellschaften zu halten, wird Air France verschwinden», warnte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire im französischen TV-Sender BFMTV. Und beim Partner KLM gibt es Stimmen, die eine Trennung von Air France in den Raum stellen, da der niederländische Carrier deutlich besser dastehe als seine Schwester-Airline. So riefen Gewerkschaftvertreter die Regierung dazu auf, zu reagieren: «Wir als Niederlande müssen nun entscheiden, wo wir die Grenze ziehen», sagte der Vorsitzende des KLM-Betriebsrats Jan Willem van Dijk. Und ein KLM-Kapitän liess verlauten, dass sie genug davon hätten, an Air France gekettet zu sein und «unsere Airline von ihnen nach unten ziehen zu lassen».

Die französischen Gewerkschaften fordern für die Air-France-Beschäftigten eine sofortige Gehaltserhöhung um 5,1%. Das Unternehmen hatte 2% angeboten, plus 5% über die kommenden drei Jahre. Nachdem am Montag und am Dienstag gestreikt wurde, meldet die Airline, dass sich heute der Flugverkehr wieder normalisiere. Passagiere sollen aber zur Sicherheit den Status ihres Fluges überprüfen. Die Ausstände mit insgesamt 15 Streiktagen seit Anfang Jahr haben das Unternehmen nach eigenen Angaben schon mindestens EUR 300 Mio. gekostet. Die KLM war von den Streiks nicht betroffen. (TI)