Denn sie wissen nicht, was ihnen zusteht

Weil Reisende ihre Entschädigungen nicht einfordern, sparen die Airlines fast 6 Milliarden Franken.
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Das Fluggastrechteportal Airhelp fand in einer Befragung von rund 7000 Flugreisenden aus Europa heraus, dass noch immer 85 % der europäischen Flugreisenden nicht vollständig über ihre Rechte Bescheid wissen, die ihnen gemäss der europäischen Fluggastrechteverordnung (EG) 261/2004 zustehen. Nur 53 % der Befragten gaben an, dass ihnen aufgrund von Flugproblemen eine finanzielle Entschädigung in Höhe von bis zu EUR 600 zusteht. Zwei Drittel fühlten sich nicht ausreichend von den Airlines über ihre Rechte informiert, dabei sind die Fluggesellschaften dazu verpflichtet, Passagiere unter anderem auf ihrer Website und am Check-in auf die Fluggastrechte hinzuweisen.

Der häufigste Grund, weswegen Fluggäste ihre rechtmässige Entschädigung nicht einforderten, sei ihre Unkenntnis über ihre Rechte. Das gaben 42 % derer an, die eine Entschädigung in der Vergangenheit nicht bei der verantwortlichen Airline eingefordert haben. 36 % erwarteten zudem nicht, dass die Fluggesellschaft ihnen zuhören würde und 24 % wussten nicht, wie der Anspruch auf eine Entschädigung durchgesetzt werden könne. Insgesamt versuchten bislang nur knapp die Hälfte der europäischen Flugreisenden, die von einer Flugstörung betroffen waren, von ihrem Recht auf eine finanzielle Entschädigung Gebrauch zu machen.

Philippe Strässle, Director of Business Development von Airhelp, kommentiert die Ergebnisse der Umfrage: «Europäische Fluggäste, auch Schweizer, fühlen noch immer machtlos gegenüber den Fluggesellschaften und setzen ihre Rechte oft nicht durch. Jährlich fordern fast 13 Mio. Fluggäste, die von Flugstörungen betroffen waren, ihre rechtmässigen Entschädigungen nicht ein. Damit sparen die Airlines fast CHF 6 Mia., die eigentlich ihren geschädigten Passagieren zustünden.» Pavel Telička, Vize-Präsident des Europäischen Parlaments und Mitglied des Ausschusses für Verkehr und Fremdenverkehr, meint zur Studie: «Die jüngsten Flugprobleme haben gezeigt, in welchem Ausmass Fluggäste ihre Rechte nicht kennen. Die Tatsache, dass in der EU ein so geringes Bewusstsein für die Fluggastrechte herrscht, obwohl die EU eine der stärksten Rechtsvorschriften in dieser Angelegenheit aufgestellt hat, ist sehr besorgniserregend.»

Flugprobleme: Diese Rechte haben Passagiere
Im Falle eines verspäteten oder ausgefallenen Fluges sowie bei einer Nichtbeförderung aufgrund einer Überbuchung haben Reisende unter anderem Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung in Höhe von bis zu EUR 600 pro Person. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Start- oder Zielflughafen innerhalb der EU liegt und, im Falle von Letzterem, die durchführende Fluggesellschaft ihren Sitz in der EU hat. Der Grund für die Verzögerung im Flugbetrieb muss durch die Airline verschuldet sein. Das Recht auf finanzielle Entschädigung kann innerhalb von drei Jahren ab dem verspäteten Flugtermin eingefordert werden, ansonsten verjährt dieser Anspruch. Aussergewöhnliche Umstände wie unangekündigte Streiks, Unwetter oder medizinische Notfälle bewirken, dass die ausführende Airline von der Kompensationspflicht befreit wird. (TI)