Airlines lehnen die Forderungen von Passagieren oft zu Unrecht ab

Swiss schneidet überdurchschnittlich schlecht ab.

Wer von einem Flugausfall oder einer -verspätung betroffen ist, hat unter Umständen Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung in Höhe von bis zu EUR 600. Wie schwer es jedoch ist, einen solchen Ausgleich durchzusetzen, zeigt eine aktuelle Analyse von Europas grösstem Legal Tech-Unternehmen, Airhelp. Demnach lehnen einige der grössten Airlines der Welt nahezu jede rechtmäßige Entschädigungsforderung einfach ab.

Dazu zählen in erster Linie Tunisair, Vueling Airlines und Bulgaria Air mit je 99,9 Prozent und die irische Billigfluggesellschaft Ryanair (98,4 Prozent). Auch andere namhafte Airlines wie Easyjet (87,3 Prozent) – zweithöchstes Flugaufkommen in der Schweiz – und Aeroflot (86,2 Prozent) weigern sich besonders häufig, ihre Passagiere zu entschädigen. Im Schnitt lehnen die 51 analysierten Airlines 58 Prozent aller Entschädigungen zu Unrecht ab.

Swiss verbessert sich und schneidet dennoch schlecht ab

Die Swiss kann sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (78 Prozent) zwar verbessern, schneidet im Vergleich der 51 Fluggesellschaften jedoch insgesamt überdurchschnittlich schlecht ab. Die grösste Fluggesellschaft des Landes lehnt es in fast zwei Drittel aller Fälle ab, die legitime Auszahlung an ihre Passagiere durchzuführen (61,1 Prozent).

«Allein in diesem Jahr waren mehr als 6,7 Millionen Fluggäste in der Schweiz von Flugverspätungen oder -ausfällen betroffen«, sagt Philippe Strässle, Geschäftsführer von Airhelp Schweiz. «Doch viele Airlines behandeln ihre Passagiere bei der Auszahlung von Entschädigungen nicht gerecht und lehnen teilweise fast jede rechtmässige Entschädigungsforderung einfach ab.»

Dadurch wollen sie die Fluggäste dazu bringen, ihre Forderungen aufzugeben. Die Fluggesellschaften sind sich nämlich bewusst, dass ein Normalverbraucher zweimal nachdenkt, bevor er einen Anwalt einschaltet oder gegen ein grosses Unternehmen vor Gericht  zieht. Oftmals kennen Konsument ihre Rechte nicht und scheuen einen Rechtsstreit.

Mit dieser Taktik haben die Airlines oft Erfolg. Eine Umfrage im Auftrag von Airhelp ergab, dass fast zwei Drittel aller weltweiten Flugreisenden ihre Entschädigungsforderung aufgeben, nachdem diese von der jeweiligen Airline abgelehnt wurde. (TI)

Drucken