Iran-Krise halbiert Rentabilität der Luftfahrt

Der neueste Finanzausblick der IATA zeigt eine Halbierung.
IATA General Director Willie Walsh (m.) an der IATA-Generalversammlung vom 6.-8.6.2026 in Rio de Janeiro ©IATA

Die International Air Transport Association (IATA) hat ihren neuesten Finanzausblick für die globale Luftfahrtbranche veröffentlicht, der eine Halbierung der Rentabilität infolge kriegsbedingter Störungen im Nahen Osten und hoher Treibstoffpreise aufzeigt.

Die regionale Lage ist jedoch sehr unterschiedlich. Im geografischen Zentrum des Nahostkonflikts wird erwartet, dass die Fluggesellschaften im Nahen Osten aufgrund der schwachen Nachfrage und der Betriebsstörungen insgesamt rote Zahlen schreiben werden. Alle anderen Regionen dürften Gewinne erzielen, allerdings auf einem niedrigeren Niveau als in früheren Prognosen angenommen.

Zusammenfassung der wichtigsten Finanzkennzahlen 2026

Die Luftfahrtbranche wird 2026 trotz weiter steigender Umsätze einen deutlichen Gewinneinbruch verzeichnen. Hauptursache sind die stark gestiegenen Kosten, insbesondere für Treibstoff.

Deutlicher Rückgang der Profitabilität

  • Der erwartete Nettogewinn sinkt auf 23 Milliarden US-Dollar und liegt damit nur noch etwa halb so hoch wie die 45 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025.
  • Die Nettogewinnmarge fällt von 4,2 % auf 2,0 %.
  • Der Gewinn pro Passagier reduziert sich von 9,10 US-Dollar auf 4,50 US-Dollar.

Schwächere operative Ertragskraft

  • Der Betriebsgewinn wird auf 48 Milliarden US-Dollar geschätzt, nach 76,4 Milliarden US-Dollar im Vorjahr.
  • Die operative Marge sinkt von 7,2% auf 4,1%.

Kapitalrendite bleibt unzureichend

  • Die Kapitalrendite (ROIC) fällt auf 4,3% und liegt damit deutlich unter den durchschnittlichen Kapitalkosten von 8,5%.
  • Dies verdeutlicht die strukturelle Herausforderung der Branche: Selbst in Wachstumsphasen gelingt es den Airlines oft nicht, ausreichend Rendite auf das eingesetzte Kapital zu erzielen.

Umsatzwachstum und starke Nachfrage

Trotz des Gewinnrückgangs bleibt die Nachfrage nach Flugreisen hoch:

  • Die Branchenumsätze steigen um 9,4 % auf 1,165 Billionen US-Dollar.
  • Die Passagierzahl wächst auf 5,1 Milliarden Reisende (+2,4%).
  • Die Auslastung der Flugzeuge erreicht mit 84,0% einen neuen Rekordwert.

Fazit

2026 wird für die Luftfahrtbranche ein Jahr mit starkem Umsatzwachstum und hoher Nachfrage, aber deutlich geringerer Rentabilität. Rekordauslastungen und steigende Passagierzahlen können die massiv gestiegenen Kosten nicht kompensieren. Die Branche bleibt profitabel, erzielt jedoch nur noch geringe Margen und erwirtschaftet weiterhin eine Kapitalrendite unter ihren Kapitalkosten. Dies unterstreicht die anhaltend fragile Ertragslage vieler Fluggesellschaften.

«Kriegsbedingte Störungen im Nahen Osten und steigende Treibstoffkosten haben die Aussichten für Fluggesellschaften verschlechtert. Weltweit wird erwartet, dass sich die Rentabilität der Fluggesellschaften im Vergleich zu 2025 halbieren wird. Die Gewinne werden von 45 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 23 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr schrumpfen. Und die Margen werden von 4,2% auf 2,0% sinken. Alle Fluggesellschaften leiden unter dem rasanten Anstieg der Kerosinpreise um 70%. Ein Teil der zusätzlichen Kosten wird durch Preisanpassungen und Effizienzsteigerungen aufgefangen, doch dies wird nicht ausreichen, um die Rentabilität auf dem Niveau des Vorjahres zu halten. Kleinere Fluggesellschaften, die mit schwachen Bilanzen ins Jahr gestartet sind, haben es sicherlich schwer. Auf regionaler Ebene schreiben alle schwarze Zahlen, verzeichnen jedoch mit Ausnahme des Nahen Ostens stark rückläufige Finanzergebnisse. Die Fluggesellschaften aus der Golfregion sehen sich nach einer fast vollständigen Sperrung des Luftraums bei Kriegsausbruch mit operativer Unsicherheit konfrontiert. Diese Fluggesellschaften leisten Erstaunliches bei der Aufrechterhaltung der Verbindungen, doch erhebliche finanzielle Auswirkungen sind unvermeidlich», sagt Willie Walsh, Generaldirektor der IATA.

Finanzielle Widerstandsfähigkeit auf der Probe

Selbst in den besten Zeiten leidet die Luftfahrtbranche insgesamt unter geringen Margen und Renditen, die unter den Kapitalkosten liegen. Der Ölpreisschock hat die finanzielle Widerstandsfähigkeit der Fluggesellschaften auf die Probe gestellt, da die Nettomargen weltweit auf 2,0% gesunken sind.

«Die Fluggesellschaften tragen die Hauptlast des Treibstoffpreisschocks. Zwar steigen die Flugpreise, doch die Fluggesellschaften federn einen Teil des Anstiegs weiterhin in ihren Gewinnen ab. Der Nettogewinn pro Passagier wird voraussichtlich auf 4,50 US-Dollar sinken, die Hälfte des Vorjahreswerts. Unter den gegebenen Umständen zeugt das von Widerstandsfähigkeit. Aber davon bekommt man an den meisten Austragungsorten der FIFA-Weltmeisterschaft nicht einmal einen Hotdog, und es bleibt nicht viel Spielraum, sollten andere Kosten oder Steuern steigen», sagte Walsh.

Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen

Wachstum und Profitabilität

Die globale Luftfahrtbranche erwartet 2026 einen deutlichen Umsatzanstieg von 9,4 % auf 1,165 Billionen US-Dollar. Haupttreiber sind höhere Ticketpreise und steigende Zusatzerträge. Gleichzeitig steigen die Betriebskosten jedoch noch stärker (+13 % auf 1,117 Billionen US-Dollar), vor allem aufgrund massiv höherer Treibstoffkosten. Dadurch wird sich der Branchengewinn voraussichtlich auf 23 Milliarden US-Dollar halbieren.

Schwächeres wirtschaftliches Umfeld

Die Rahmenbedingungen verschlechtern sich:

  • Weltwirtschaftswachstum sinkt von 3,4% auf 2,5%
  • Inflation steigt von 4,1 % auf 5,0%
  • Wachstum des Welthandels fällt von 4,6% auf 1,9%

Damit nimmt der wirtschaftliche Gegenwind für Airlines deutlich zu.

Höhere Erträge durch steigende Preise

Die Einnahmen aus dem Passagiergeschäft sollen auf 839 Milliarden US-Dollar (+9,2%) steigen. Da die Nachfrage lediglich um 2,1% wächst, erfolgt der Anstieg hauptsächlich über höhere Ticketpreise. Die Fluggesellschaften versuchen damit, die höheren Treibstoffkosten an die Kunden weiterzugeben.

Zusätzlich gewinnen Nebenerträge (Gepäckgebühren, Sitzplatzreservierungen etc.) weiter an Bedeutung und steigen um 12,6% auf 165 Milliarden US-Dollar. Erstmals seit 2019 werden diese Einnahmen wichtiger sein als das Frachtgeschäft.

Treibstoff als grösster Kostentreiber

Der entscheidende Belastungsfaktor sind die Treibstoffkosten:

  • Anstieg von 252 auf 350 Milliarden US-Dollar (+39%)
  • Rohölpreis steigt von 69 auf 95 US-Dollar pro Barrel
  • Flugbenzin verteuert sich sogar um fast 70%

Da der Treibstoffverbrauch insgesamt stabil bleibt, ist allein der höhere Preis für den Kostenanstieg verantwortlich. Der Anteil der Treibstoffkosten an den Gesamtkosten steigt von 25% auf über 31%.

Zusätzlich entstehen neue Kosten durch:

  • CO₂-Kompensation im Rahmen von CORSIA (1,2–1,6 Mrd. USD)
  • Sustainable Aviation Fuel (SAF) mit Mehrkosten von rund 4,3 Mrd. USD

Anhaltende Lieferengpässe bei Flugzeugen

Die Flugzeughersteller können die Nachfrage weiterhin nicht decken:

  • Auftragsbestand steigt auf 18’100 Flugzeuge
  • Die Bestellungen übersteigen weiterhin die Auslieferungen
  • Airlines müssen ältere Flugzeuge länger nutzen und die vorhandene Flotte intensiver einsetzen

Dies erhöht die Kosten, begrenzt das Wachstum und bremst Fortschritte bei der Treibstoffeffizienz und Emissionsreduktion.

Zentrale Risiken

Die Branche sieht mehrere wesentliche Risiken:

  1. Stagflation (schwaches Wachstum bei hoher Inflation), die die Zahlungsbereitschaft der Reisenden belasten könnte.
  2. Politische Unsicherheit durch zahlreiche wichtige Wahlen weltweit, deren Ergebnisse Einfluss auf Handel, Energiepolitik und Inflation haben werden.
  3. Geopolitische Spannungen, insbesondere im Nahen Osten, die Flugrouten, Flughäfen und Lieferketten beeinträchtigen.
  4. Infrastrukturengpässe an Flughäfen und im Luftraum, die weiteres Wachstum erschweren und zusätzliche Kosten verursachen.
Fazit

Die Luftfahrtbranche wächst 2026 zwar weiterhin kräftig, doch das Wachstum wird fast vollständig von einem historischen Anstieg der Treibstoffkosten aufgezehrt. Höhere Ticketpreise und zusätzliche Gebühren stabilisieren die Einnahmen, können die Kostensteigerungen aber nicht vollständig kompensieren. Gleichzeitig belasten Lieferengpässe, geopolitische Risiken und ein schwächeres globales Wirtschaftsumfeld die Perspektiven der Branche. Insgesamt bleibt die Nachfrage robust, die Profitabilität der Airlines steht jedoch deutlich unter Druck.

Die Sicht des Reisenden

Flugreisen bleiben attraktiv und erschwinglich

Trotz gestiegener Treibstoffkosten und höherer Ticketpreise bieten Flugreisen aus Sicht der Konsumenten weiterhin ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Der durchschnittliche reale Preis für einen Hin- und Rückflug inklusive Zusatzleistungen wird 2026 voraussichtlich bei 462 US-Dollar liegen und damit rund 26 % unter dem Niveau von 2016.

Sehr hohe Kundenzufriedenheit

Eine IATA-Umfrage unter 6.500 Reisenden in 15 Ländern zeigt eine aussergewöhnlich hohe Zufriedenheit:

  • 97% waren mit ihrer letzten Flugreise zufrieden.
  • 88% sind überzeugt, dass Flugreisen ihre Lebensqualität verbessern.
  • 79% sehen Flugreisen als gutes Preis-Leistungs-Angebot.
  • 81% schätzen die grosse Auswahl an Flugangeboten.
  • 88% halten die Möglichkeit zu fliegen auch künftig für wichtig.

Luftfahrt wird als gesellschaftlich und wirtschaftlich wichtig wahrgenommen

Die Befragten messen der Luftfahrt eine zentrale Rolle für Wirtschaft und Gesellschaft bei:

  • 89% sehen Flugverbindungen als entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung.
  • 88% bewerten den Einfluss der Luftfahrt auf die Gesellschaft positiv.
  • 83% glauben, dass das globale Luftverkehrsnetz zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen beiträgt.
  • 90  wünschen sich, dass auch künftige Generationen die Welt per Flugzeug entdecken können.

Vertrauen in Nachhaltigkeitsziele der Branche

Die Luftfahrtindustrie verfolgt das Ziel, bis 2050 Netto-Null-CO₂-Emissionen zu erreichen. Die Mehrheit der Reisenden vertraut darauf, dass die Branche dieses Ziel ernsthaft verfolgt:

  • 80% sehen ein glaubwürdiges Engagement der Branche.
  • 76 % sind überzeugt, dass die führenden Akteure den Klimawandel ernst nehmen.
  • 78% glauben, dass nachhaltiges Fliegen langfristig möglich sein wird.

Hohe Reisebereitschaft trotz geopolitischer Unsicherheiten

Kriege und geopolitische Spannungen beeinflussen das Verhalten der Reisenden zwar, bremsen die Nachfrage jedoch kaum:

  • 41% möchten in den nächsten zwölf Monaten mehr reisen als bisher.
  • Weitere 52% planen ein ähnliches Reisevolumen wie im Vorjahr.

Gleichzeitig gehen Reisende bewusster mit Risiken um:

  • 91% halten Fliegen für sicher.
  • 85% sind der Meinung, dass Fliegen heute sicherer ist als je zuvor.
  • 86% prüfen vor einer Buchung staatliche Reisehinweise.
  • 81% sorgen sich über mögliche Störungen durch geopolitische Konflikte.
  • 71% buchen näher am Reisedatum, um Unsicherheiten zu vermeiden.

Dennoch haben 68% ihre Reisegewohnheiten trotz der weltweiten Krisen überhaupt nicht verändert.

Fazit

Die Umfrage zeigt ein sehr robustes Vertrauen der Konsumenten in die Luftfahrt. Flugreisen werden weiterhin als erschwinglich, sicher und gesellschaftlich wertvoll wahrgenommen. Trotz geopolitischer Risiken und steigender Preise bleibt die Reiselust hoch, und die Mehrheit der Reisenden unterstützt die langfristigen Nachhaltigkeitsziele der Branche. (Business Traveltip)

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