Jürg Müller: «Der Preis ist aktuell nicht das Hauptkriterium für Ticketkauf»

Jürg Müller, Country Manager Emirates Switzerland, beantwortet aktuelle Fragen über Corona-Massnahmen der Airline und wohin Schweizer Kunden fliegen.
Jürg Müller, Country Manager Switzerland, Emirates © Emirates

Jürg Müller, wie viele Flüge bietet Emirates derzeit aus der Schweiz an, ist auf den Winter hin eine Frequenzerhöhung geplant?

Aktuell fliegen wir fünfmal wöchentlich ab Zürich und dreimal wöchentlich ab Genf nach Dubai. Wenn es wirtschaftlich Sinn ergibt und sich die Nachfrage weiter erholt, werden wir Frequenzerhöhungen ins Auge fassen. Derzeit sehen wir uns aber ab der Schweiz mit dem existierenden Angebot gut aufgestellt.

Wohin fliegen die Schweizer Kunden? Bleiben sie in Dubai, wie hoch ist die Umsteigerquote?

Durch die Aufhebung der Quarantäne-Pflicht für Reiserückkehrer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sehen wir ab der Schweiz eine stetig steigende, motivierende Nachfrage für Dubai-Flüge. Die Metropole hat vom World Travel & Tourism Council als eine der ersten Destinationen das «Safe Travels»-Siegel erhalten und bietet ein vielfältiges Angebot mit zahlreichen Aktivitäten. Für mich beginnt dort jetzt mit abnehmender Hitze und dem Start der «Outdoor-Saison» die schönste Zeit für Ferien. Restaurants, Strände, Einkaufszentren und Freizeitattraktionen – alles ist geöffnet und kann – Sicherheitsabstand inklusive – guten Gewissens genossen werden.

Nach Dubai als beliebtestem Reiseziel fliegen zunehmend mehr Schweizer mit uns auf die Malediven – auch hier wurde die Quarantänepflicht kürzlich aufgehoben – und die Seychellen, neuerdings auch nach Südafrika, nachdem sich das Land für Touristen wieder geöffnet hat. Auch Reisende, die etwa den kompletten Winter in Übersee verbringen, nehmen zu – hier stehen Thailand aber auch Mauritius hoch im Kurs.

Welche Corona-Schutzmassnahmen gelten an Bord Ihrer Flugzeuge und wie hoch ist die Auslastung?

Global betrachtet liegt unsere Auslastung derzeit bei etwas mehr als 40%. An Bord haben wir eine Reihe umfangreicher Hygiene- und Gesundheitsmassnahmen eingeführt, damit Passagiere mit einem guten Gefühl verreisen können. Da wären etwa unsere kostenfreien Hygiene-Kits mit Masken, Handschuhen, antibakteriellen Tüchern und Handdesinfektionsmittel, die jeder Fluggast beim Boarding erhält. Die HEPA-Filtersysteme unserer modernen Grossraumflugzeuge sorgen dafür, dass die Kabinenluft alle drei Minuten ausgetauscht wird. Unsere Crew trägt selbstverständlich Schutzausrüstung, zudem setzen wir eine zusätzliche Reinigungskraft an Bord ein, die die Waschräume alle 40 Minuten gründlich reinigt und desinfiziert.

Emirates setzt auch auf PCR-Tests bei Fluggästen und biometrische Technologie. Merken Sie, dass Reisende wieder an Vertrauen gewinnen?

Unser Massnahmenpaket trägt sicherlich dazu bei, dass Fluggäste wieder mit besserem Gefühl verreisen und auch unser modernes Drehkreuz in Dubai hat daran gewiss seinen Anteil. Zudem erwähnenswert ist in Puncto «Passagiervertrauen» aber auch unsere kostenfreie Deckung von COVID-19 bedingten medizinischen Kosten, falls sich ein Passagier während der Reise mit dem Virus infizieren sollte. Dieses Angebot haben wir aufgrund des positiven Kunden-Feedbacks bis Ende des Jahres verlängert. Dass wir in diesem Bereich viel richtig machen, zeigt auch das «Safe Travel Barometer», die branchenweit erste Bewertungsplattform die in Reaktion auf die COVID-19-Pandemie eingeführt wurde und zahlreiche Parameter wie eingeführte Sicherheitsmassnahmen misst: Emirates landet hier unter über 230 bewerteten Fluggesellschaften weltweit auf dem ersten Platz.

Waren die Sondertarife ab Zürich und Genf ein spürbarer Erfolg oder lassen sich Leute derzeit auch nicht mit tiefen Preisen locken?

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass unsere attraktiven Sondertarife zahlreiche Touristen, die vorher noch gezögert haben, überzeugen konnten, nach Dubai zu reisen. Ich stelle aber fest, dass der Preis an sich in den aktuellen Zeiten nicht das Hauptkriterium für den Ticketkauf ist. Hier spielen Hygienemassnahmen, Flugplansicherheit und das angebotene Gesamtpaket eine wesentlichere Rolle – all das bieten wir bei Emirates.

Was sind die Erwartungen für 2021, bezüglich Auslastung und Passagiere?

Wir rechnen damit, dass wir in der kommenden Sommersaison wieder alle Destinationen in unserem Streckennetz anfliegen, die wir vor der Corona-Pandemie bedient haben. Was die Auslastung und Passagierzahlen angeht, hängt zu einem grossen Teil davon ab, ob bis dahin eine medizinische Lösung für COVID-19 verfügbar ist – aber die jüngsten Nachrichten in diesem Bereich stimmen ja bereits optimistisch. Mit einer Rückkehr zum Vor-Krisenniveau rechnen wir allerdings erst im späteren Verlauf des Jahres 2022.

Im Sommer haben sich europäische Ziele erholt, nun laufen eher wieder Fernstreckenziele an – werden bald die Kapazitäten und das Streckennetz hochgefahren?

Seit der Wiederaufnahme unseres Passagierflugbetriebs im Juni bauen wir unser Streckennetz wieder sukzessive aus. Stand jetzt fliegen wir mit 99 Destinationen – alleine 31 davon in Europa – bereits wieder rund 60% unseres Streckennetzes von vor der Pandemie an. Hierbei hilft uns derzeit natürlich auch das Frachtgeschäft, das ausgezeichnet läuft, die Verbindungen kostendeckend durchzuführen. Wo immer dies wirtschaftlich möglich ist und die Nachfrage es erlaubt, werden wir auch zukünftig unsere Frequenzen weiter hochfahren.

(Interview: Yannick Suter)