Air-Berlin-Übernahme: Lufthansa baut Markmacht massiv aus

Mit dem Einverleiben der Filetstücke von Air Berlin hat die Lufthansa-Gruppe ihr Ziel erreicht.
Carsten Spohr
© Star Alliance

Was allgemein vermutet wurde, ist gestern eingetreten: Der Lufthansa-Konzern übernimmt grosse Teile der insolventen Air Berlin – inklusive dem Filetstück, der Tochtergesellschaft Niki, wie auch die Luftfahrtgesellschaft Walter. Nebst den beiden Airlines wird Lufthansa 20 weitere Flugzeuge übernehmen. Gestern hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr den mit den Insolvenzverwaltern ausgehandelten Kaufvertrag unterzeichnet.  «Wir werden heute einen Meilenstein in der Geschichte von Lufthansa und Air Berlin sehen», sagte Spohr am Donnerstag in Berlin. Spohr bekräftigte, dass sein Unternehmen von Air Berlin voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3000 Mitarbeiter einstellen und dafür EUR 1,5 Mrd. investieren werde.

Eurowings kann sich nun Niki einverleiben
Dem Ausbau von Eurowings, die bereits ihr Streckennetz mit den ehemaligen Rennstrecken von Air Berlin massiv aufgestockt hat, steht somit nicht mehr im Weg. Der Flugverkehr der nicht insolventen Niki und LGW soll lückenlos weitergeführt werden, und anschliessend vermutlich in Eurowings integriert werden. Offenbar hatte der Konzern rund EUR 200 Mio. für die Teile der Air Berlin geboten und EUR 100 Mio. für den Weiterbetrieb des Geschäfts zur Verfügung gestellt, bis die EU-Kommission in Brüssel den Deal definitiv abgesegnet hat. Denn vollzogen wird der Deal erst nach der wettbewerbsrechtlichen Prüfung. Die Schweizer Weko ist hierbei nicht zuständig.

Lufthansa baut Marktmacht in Zürich massiv aus
Mit der Tochtergesellschaft Swiss war der Lufthansa-Konzern bereits jetzt schon der unangefochtene Platzhirsch am Flughafen Zürich – nun baut er seine Marktmacht noch weiter aus. Der Passagieranteil von Swiss betrug im vergangenen Jahr 53,1%, der Ferienflieger Edelweiss kam auf 5,2%, während Eurowings 2,5% für sich beanspruchen konnte. Mit Air Berlin, der bisher zweitstärksten Airline in Zürich mit 7,1% Passagiervolumen, steigt nun der Anteil der Lufthansa-Gruppe auf rund 70% – denn wie gross der Passagieranteil von Lufthansa und Austrian Airlines in Zürich ist, wird vom Flughafen nicht ausgewiesen. Fakt ist, dass ein Quasi-Monopol entsteht.

Verhandlungen mit Easyjet auf der Kippe?
Mit Easyjet dauern die Verhandlungen noch an. Dem Vernehmen nach haben die Briten ihr ursprüngliches Angebot von EUR 50 Mio. reduziert. Der britische Low-Cost-Carrier hatte dennoch ein Angebot zur Übernahme von 30 Maschinen der Air-Berlin-Flotte samt Personal abgegeben. Sollte der Deal mit Easyjet platzen, könnten die Thomas Cook-Tochter Condor oder andere Interessenten wieder ins Spiel kommen. (ES)

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