Treibstoffkosten-Explosion: Werden Schiffsreisen jetzt auch teurer?

TRAVEL INSIDE hat bei den Schweizer Reedereien nachgefragt – so handeln diese die Krise und ihre Folgen.
Treibstoff bunkern wird immer teurer – wer zahlts? ©Shutterstock.com/Kev Gregory

Dynamic Pricing ist ein grosses Thema – speziell in solch unsicheren Zeiten wie diesen, wo explizit kostentreibende Faktoren wie Treibstoffpreise für Kerosin, Diesel, Benzin, LNG und sonstige durch die geopolitische Instabilität geradezu ‘durch die Decke’ getrieben werden. 

Bei den Airlines ist die dynamische Preisgestaltung längst an der Tagesordnung und sorgt mitunter, speziell zuletzt, in einzelnen Fällen auch für hitzige und kontroverse Diskussionen bis hin zu Unverständnis. Sowohl bei Endverbrauchern, aber auch innerhalb der Reisebranche.

Auch bei Kreuzfahrten können die Preise zuweilen mehr oder weniger markanten Schwankungen unterworfen sein. Kulanzregelungen unterliegen einem gewissen Mass an Spielraum, und nicht jeder Anbieter handelt diesen gleich.

Wer hat unweigerliche Zusatzkosten zu tragen?

Da drängt sich eine zentrale Frage auf: Wie weit dürfen, können oder sollen diese Mehrkosten auf die zahlenden Passagiere abgewälzt werden? 

Die Airlineindustrie ist ja längst nicht der einzige Branchenzweig, dessen Renditen unter anderem auch unmittelbar von den aktuellen Kostenexplosionen für Treibstoffe sämtlicher Art abhängig sind. Auch die Kreuzfahrtreedereien sind stark von diesem instabilen Kostenfaktor betroffen. Wer keine langfristigen Festpreis-Deals im Einkauf gemacht hat, kann unter Umständen in finanzielle Bedrängnis kommen.

Wie handeln die Hochsee-Kreuzfahrtanbieter dieses Risiko?

Zurzeit gibt es noch keine generelle Tendenz. Die einen Anbieter am Markt fangen bereits an, die Preise aufgrund der gestiegenen Kosten anzupassen, andere üben sich diesbezüglich noch in Zurückhaltung – die Abschätzung der Dauer dieser Krise erschwert die Entscheidungsfindung zusätzlich.

Das deutsche Portal Reise vor neun hat bei den grossen Playern in Deutschland nachgefragt. Norwegian Cruise Lines (NCL) mag sich demzufolge aktuell nicht dazu äussern. 

©Costa

Costa Kreuzfahrten schon. Man hege aktuell keine Pläne, die Preise zu erhöhen. Auch die andere Carnival-Group-Tochter, Aida Cruises, stösst ins gleiche Horn: Die Rostocker Kussmund-Reederei will seine Reisen sogar bis 2028 zu festen Preisen verkaufen, ohne nachträgliche Anpassungen.

Havila Voyages gibt sich etwas zurückhaltender und erhebt zumindest auf bislang gebuchte Reisen keine zusätzlichen Kosten – behält sich aber vor, anhand der ‘aktuellen Lage’ auf künftige Buchungen «bei Bedarf einen Aufschlag zu erheben».

Ähnlich sieht es bei TUI Cruises aus. Dort habe man durch Termingeschäfte im Treibstoffeinkauf zwar (noch) einen gewissen Puffer, wolle aber die Lage laufend ‘situationsabhängig’ beurteilen und gegebenenfalls reagieren. 

Ein Viertel der Flotte ist blockiert

Bei TUI Mein Schiff sind grössere Probleme aktuell sowieso anders gelagert – denn mit der Mein Schiff 4 (in Abu Dhabi) und Mein Schiff 5 (in Katar) hängen aktuell immer noch zwei Schiffe im Persischen Golf fest, solange die Strasse von Hormus wegen des Krieges dicht ist. Bereits musste die Reederei erste Mittelmeerreisen im April absagen. Damit sind 25% der aus acht Schiffen bestehenden Flotte bei Mein Schiff blockiert. 

MS Hamburg ©Plantours

Doch zurück zur Treibstoff-Kostenexplosion: Plantours hingegen hat einen konkreten Plan und will die Kosten auf der Hamburg mit pauschal 15 EUR pro Tag/Passagier auf Hochsee-, resp. 7 EUR Tag/PAX auf Flussreisen auf seine Gäste abwälzen. Auf diese gibts 5% Vertriebskommission, wie Reise vor neun weiss. 

A-Rosa Flussreisen legt sich ebenfalls fest und verrechnet unter Berufung auf die eigenen AGBs einen Energiekostenzuschlag von 9 EUR pro Gast und Tag, für welchen Reisebüros eine Kommission erhalten.

Und die Schweizer Reedereien?

Auf Anfrage von TRAVEL INSIDE haben die drei grossen Schweizer Reedereien wie folgt Stellung genommen: Die Hochseereederei MSC Cruises hat bis zum Redaktionsschluss dieses Artikels binnen drei Arbeitstagen nicht auf die Anfrage reagiert.

Wesentlich gesprächiger zeigten sich die beiden Flussreiseanbieter Excellence Cruises und Thurgau Travel.

«Wir verrechnen keine Treibstoffzuschläge»
Stephan Frei, Geschäftsleiter Excellence Cruises ©Excellence Cruises

Stephan Frei CEO von Excellence Cruises mit Sitz im thurgauischen Weinfelden zu TRAVEL INSIDE: «Wir verrechnen den Kunden keine Treibstofferhöhungen. Wir konnten den Treibstoffbedarf 2026 für die Excellence Flotte frühzeitig absichern. Somit kommt es zu keinen Preiserhöhungen oder Weiterbelastungen bei Excellence Cruises.»

Die Schweizer Familienreederei aus der Twerenbold-Gruppe freut sich zum Saisonstart auf Europas Flüssen zudem darüber, dass mit der aktuellen Gold-Auszeichnung (TRAVEL INSIDE berichtete) der frisch umgebauten Excellence Pearl nun acht von zehn Schiffe der Excellence-Flotte Green-Award zertifiziert sind.

«Geben bewusst keine Mehrkosten an unsere Kunden weiter»
Daniel Pauli / zVg

Ähnlich klingt es auch bei Daniel Pauli-Kaufmann, dem Geschäftsführer von Thurgau Travel: «Die gestiegenen Treibstoffkosten betreffen die gesamte Branche und auch uns. Thurgau Travel hat sich aber bewusst entschieden, diese Mehrkosten aktuell nicht an seine Kundinnen und Kunden weiterzugeben. Durch eine optimierte Reiseplanung, eine hohe Flottenauslastung und unsere moderne Flotte gelingt es uns, die Kostenanstiege intern teilweise aufzufangen.»

Obwohl Pauli für 2026 «mit Mehrkosten in Millionenhöhe» rechnet, setze man stattdessen auf eine ressourcenschonende Routenplanung, die Optimierung der Auslastung sowie Effizienzverbesserungen im gesamten Betriebsablauf, so der Thurgau Travel-Chef gegenüber TRAVEL INSIDE. 

Die aktuelle Lage für die gesamte Reisebranche bleibt herausfordernd. Flexibilität, Weitsicht, Geduld, Mut und Bereitschaft zu Mehraufwand sind die Indikatoren, die gefordert sind, um auch diese Krise als einer der am direktesten betroffenen Industriewzeige zu meistern und hoffentlich gestärkt daraus hervor zu gehen.

Christoph Fontanive