
Während der letzte Woche durchgeführten GBTA/VDER Konferenz vom 10. – 12. November 2025 in Hamburg hatte TRAVEL INSIDE / Business Traveltip die Gelegenheit, ein Interview mit Suzanne Neufang, CEO GBTA zu führen.
Nach zwei Tagen Konferenz zeigte sie sich sehr erfreut über den bisherigen Verlauf. rotz der teilweise schwierigen, vorstellbaren Szenarien sei generell eine positive Grundhaltung bei den Teilnehmern und den Ausstellern aus über 40 Ländern zu verspüren.
An der diesjährigen Austragung der Veranstaltung wurde nicht, wie in den Vorjahren, ein expliziter Slogan im Voraus gewählt. Was ist der Grund dafür?
Im Mittelpunkt standen inhaltliche Leitmotive wie Advocacy, Innovation und Resilienz sowie die bereichsübergreifende Zusammenarbeit – sinnbildlich ‘viele Stimmen, ein gemeinsamer Zweck’ oder ‘many voices – one purpose’. Das Programm mit 100+ Speakern, mehrsprachigen Sessions und Regierungsdialogen sollte Breite statt eines einzelnen Claims zeigen.
Was sind die wichtigsten Themen an der diesjährigen Konferenz?
Wachstum und Nachhaltigkeit dominierten: neue BTI-Daten, die Europa bis 2026 auf Euro 389,9 Mrd. Reiseausgaben sehen, und die Sustainability Challenge mit weiterhin niedrigem Reifegrad. EU‑Interoperabilität/’seamless travel’ sowie VentureConnect (Startups/Investoren) prägten die Innovationsagenda – besonders relevant für DACH als Kernmarkt in Westeuropa. Und natürlich auch, wie die Generation ‘Gen-Z’ mit den Anforderungen und Rahmenbedingungen von Geschäftsreisen umgeht.
Gibt es ein Thema, welches Sie den Teilnehmern besonders ans Herz legen wollen?
Nachhaltigkeit beschleunigen: Die GBTA Sustainability Challenge zeigt nur langsame Fortschritte bei dringendem Bedarf an besseren Lösungen. Travel Manager müssen dennLieferanten-/Stakeholder-Dialog vertiefen und konkrete Roadmaps priorisieren.
Die Branche wird von starken Veränderungen geprägt: Konsolidierung bei TMCs, die engere Zusammenarbeit/Integration zwischen Amex GBT und SAP Concur sowie die Herausforderungen durch KI. Was bedeutet das für Firmen und Travel Manager – und natürlich auch für die TMCs?
Die Konferenz zeigte: Innovation und Interoperabilität (EU‑Seamless, neue Lösungen, VentureConnect) bieten Chancen, während geopolitische/ökonomische Turbulenzen Risiken erhöhen. Firmen/TMCs sollten Daten- und Compliance-Fähigkeiten stärken und AI verantwortungsvoll dort einsetzen, wo klarer Mehrwert entsteht.
Die fortschreitende Konsolidierung – von TMCs bis zu engeren Tech‑Partnerschaften – kann Skaleneffekte, mehr Investitionen und schnellere Innovation ermöglichen. Gleichzeitig drohen weniger Wahlfreiheit und stärkere Abhängigkeiten; daher gewinnen offene Standards, Interoperabilität und die wettbewerbssichernde Advocacy von GBTA/VDR weiter an Bedeutung.
Die erratische Zollpolitik und der aktuelle Shutdown der US-Regierung schlagen auf das Gemüt der Reisenden und Travel Manager. Mit welchen Auswirkungen auf die Reisetätigkeit rechnen Sie – besonders für das letzte Quartal 2025?
Trotz politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt der Ausblick robust (Pfad Richtung Euro 389,9 Mrd. in 2026), bei erhöhter Vorsicht. Die Konferenz betonte Resilienz und Advocacy, um Effekte von Turbulenzen abzufedern. Die Firmen und Travel Manager kommen aber, aufgrund der geopolitischen Unsicherheiten, nicht darum herum, sich auch auf einen Plan B, C oder D vorzubereiten. Beim Shutdown der US-Regierung, gehe ich davon aus, dass dieser vor dem reiseintensiven Thanksgiving-Wochenende beigelegt sein wird. Allerdings werden die Auswirkungen noch etwas nachhallen.
Haben die ganzen Entwicklungen einen Einfluss auf das Thema Duty of Care bei den Unternehmen?
Einige unserer Workshops hier in Hamburg adressierten Risiko-, Tax- und Immigration-Themen sowie Traveller Communications. Konkrete Der Fokus lag dabei klar auf der Stärkung von Monitoring, Compliance und belastbaren Lieferkettenbeziehungen.
Wird GBTA von der US-Regierung beeinflusst oder wird gar Druck ausgeübt, um Themen wie Nachhaltigkeit und Inklusion zu beenden?
Die GBTA ist einer von unzähligen Verbänden und nicht speziell im Blickfeld der US-Regierung. Druck verspüren wir nicht. Wir haben aber einige unserer Programme umbenannt – arbeiten aber global weiter an den gleichen Themen.
Über Kompensation hinaus – wie kommen Unternehmen bei Scope-3-Emissionen, CSRD-Reporting und SBTi-konformen Zielen voran?
Der globale Benchmark zeigt leider nur leichte Fortschritte; kleinere Programme legten zu, grössere stagnierten. Und doch stellten einige Sessions die Nachhaltigkeit als Innovationstreiber heraus. Es besteht also weiterhin grosser Bedarf, solche Programme in den Firmen zu priorisieren und die Transparenz zu erhöhen. Die GBTA Foundation treibt mit der Sustainability Challenge vergleichbare Messungen voran.
Welche konkreten Initiativen, Studien oder Advocacy-Themen von GBTA/VDR dürfen wir in den nächsten zwölf Monaten erwarten?
Wir erwarten weiter Auswertungen im Rahmen des Business Travel Index (BTI) und eine Fortführung der Sustainability Challenge. Zudem arbeiten wir am Ausbau von VentureConnect in Europa. Advocacy-Schwerpunkte in Zusammenarbeit mit der EU liegen auf EU‑Interoperabilität, Compliance (Tax/Immigration) und der Stärkung unseres Einflusses.
Ihr Ausblick auf 2026: Welche 3 KPIs sollten Travel Manager jetzt besonders beobachten, um ihr Programm zukunftssicher zu machen?
Die Ausgabenentwicklung im Vergleich zum BTI-Benchmark.
Den Nachhaltigkeits-Reifegrad im Vergleich zur GBTA‑Benchmark als Ausgangspunkt.
Und aktuell insbesondere auch die Risiko-/Störungsindikatoren im europäischen Kontext (geopolitische/operative Disruptionen) zur Sicherung von Duty of Care und der Programmkontinuität.
Adrian Matt, Hamburg








