TUI-Gewinn bricht massiv ein

Schuld ist das Flugverbot für die Boeing 737 Max.
Fritz Joussen
Fritz Joussen.

Der weltgrösste Reisekonzern TUI hat im Geschäftsjahr 2019 deutlich weniger Gewinn gemacht als im Vorjahr. Schuld daran ist das Flugverbot für den Mittelstreckenjet Boeing 737 Max. Das seit März bestehende Flugverbot der 737 Max kostete TUI EUR 293 Mio.

Der Nettogewinn per Ende September sackte darum von EUR 727,2 Mio. auf EUR 416,2 Mio. ab,  ein Minus von 42%, wie der Konzern am Mittwoch in Hannover mitteilte. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebita) fiel um knapp 22% auf EUR 893,3 Mio. Zudem teilte TUI mit, dass die Aktionäre künftig mit deutlich geringeren Dividenden rechnen müssen.

Zusätzliche Kosten könnten anfallen 

TUI hat 15 Boeing 737-Max in ihrer Flotte und musste Ersatzflugzeuge mieten. Sollten die Flugzeuge bis Ende April 2020 fliegen können, rechnet Joussen mit zusätzlichen Kosten von etwa EUR 130 Mio. Bei einem Flugverbot bis Ende September 2020 kämen weitere Kosten von rund EUR 220 bis 270 Mio. hinzu.

Ohne das Flugverbot hätte der Gewinn auf Vorjahresniveau gelegen, «dem besten Ergebnis in der Unternehmensgeschichte», sagte TUI-Chef Fritz Joussen am Mittwoch. Der Konzern profitierte von der Pleite seines grössten Konkurrenten Thomas Cook und sprach von einem «erheblichen Zulauf an neuen Kunden».

Für 2020 peilt Joussen einen Anstieg des bereinigten operativen Gewinns (EBIT) auf EUR 950 Mio bis 1,05 Mia. an. Mögliche Entschädigungen von Boeing seien darin noch nicht enthalten und könnten auch nicht beziffert werden.

Umbau zum Digitalunternehmen geht weiter

Joussen kündigte zudem an, dass der Konzernumbau weiter gehe. «Die zweite Stufe zum Digitalunternehmen wird das Unternehmen deutlich verändern, stärker als die letzten fünf Jahre vom traditionellen Reiseveranstalter zum hochprofitablen Hotel- und Kreuzfahrtkonzern.» Strategie, Investitionen und eine angepasste Dividendenpolitik seien darauf ausgerichtet.

Die TUI-Buchungen lagen für den Winter insgesamt 4% im Plus – mit einem Anstieg der Durchschnittspreise um sechs Prozent – und für den Sommer für den britischen Markt 18% im Plus. Wegen der Thomas-Cook-Pleite will das Unternehmen die Kapazitäten hochfahren: In der Wintersaison um 2% und im Sommer sogar um 14%. (TI)