Verzögerte Rückzahlungen der Airlines: Reisebüros wollen Rechnung stellen

Die Probleme der Reisebranche im SRF-Wirtschaftsmagazin «Eco».
©SRF/Screenshot TI

Das Ärgernis ist seit Wochen bekannt, und es ist eines der Grössten in jedem Reisebüro: Die Airlines, und allen voran die Swiss, klemmen bei der Rückzahlung der Ticketpreise für stornierte Flüge. Statt zügig die Rückzahlungen vorzunehmen, sitzen die Airlines auf ihren Kassen und ziehen die Auszahlung hinaus, mit der vagen Begründung, dass das hohe Volumen die Einhaltung der Fristen verunmögliche. Die Reisebüros müssen ihre Kunden vertrösten, wenn sie das Geld nicht selber vorschiessen wollen – oder können.

Den Schaden allein beim Flugumsatz für die Reisebranche beziffert Walter Kunz, Geschäftsführer vom Schweizer Reise-Verband (SRV), am Montag Abend 4. Mai in der SRF-Sendung «Eco» auf CHF 250 Mio. seit Anfang März. Das Fluggeschäft steht für rund die Hälfte des Gesamtumsatzes der Branche. Umso schwerer wiegt, wenn die Airlines das Geld, dass sie für eine nicht erbrachte Leistung kassiert hatten, nicht zeitnah zurückerstatten.

«Das ist für uns inakzeptabel, für die ganze Branche», sagt Roger Geissberger, SRV-Vorstandsmitglied und CEO der Knecht Reisegruppe, dem viertgrössten TO der Schweiz, in dem TV-Beitrag. Es sei für ihn unerklärlich, wie ein Carrier einen Milliardenkredit erhalten könne, ohne dass die Rückzahlung der Kundengelder zur Bedingung gemacht werde. «Das finden wir nicht in Ordnung und werden wir auch nicht akzeptieren», so Geissberger.

Wenn man bei einem Treffen mit der Spitze der Swiss im Mai keine partnerschaftliche Lösung finde, werde man andere Mittel ergreifen: «Wir schliessen nicht aus, der Swiss nach der Corona-Zeit Rechnung zu stellen für Zinsen und Verarbeitung, wenn wir über Monate Geld vorschiessen müssen». Fairerweise betont Geissberger, dass die Reisebüros dieses Problem nicht nur mit der Swiss hätten, sondern mit sämtlichen Airlines.

Auch die Basis kam in dem TV-Beitrag zu Wort. Das grösste Problem aktuell sei, dass Geld draussen sei, welches nicht zurückkomme, erklärte Roman Mattle, von Mawi Reisen. Mattle führt in Romanshorn und Bischofszell zusammen mit seinem Geschäftspartner zwei Reisebüros mit total 16 Teilzeit-Angestellten, die seien alle auf Kurzarbeit. Er wartet laut dem «Eco»-Beitrag auf ausstehende Rückerstattungen von Airlines im Betrag von rund CHF 300’000. «Das heisst, Gelder bei den Airlines, die nicht zurückzahlen. Das ist fatal, das sind grosse Summen», so Mattle. «Das Geld gehört nicht der Airline, weil sie den Aufrag nicht ausführen konnte, sondern laut Vertrag gehört das Geld uns, sprich unseren Kunden.» Dass die Airlines nicht zurückzahlen, sei «absolut vertragsbrüchig, absolut unkorrekt, für uns alle eine grosse Schweinerei».

Inzwischen hat der Nationalrat beschlossen, die Staatshilfe-Kredite für die Airlines mit Forderung nach Rückzahlung der Guthaben der Reisebüros und damit deren Kunden zu verknüpfen. (TI)

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