
Die Schweiz zählt trotz ihrer überschaubaren Grösse zu den bedeutenden europäischen Quellmärkten Grossbritanniens.
Holger Lenz, Country Manager Central Europe + Nordics bei Visit Britain, spricht über ausgabefreudige Gäste, unentdeckte Regionen, direkte Flugverbindungen und die Auswirkungen der ETA. Das Gespräch fand am Rand der Prima-Ferien-Studienreise durch Südengland statt (TRAVEL INSIDE berichtete).
850’000 Besuche aus der Schweiz verzeichnete Grossbritannien im Jahr 2024. Damit lag die Schweiz nach Anzahl der Besuche weltweit auf Rang 12, bei den Ausgaben auf Rang 13. Insgesamt liessen Schweizer Reisende GBP 643 Mio. im Land – Zahlen für 2025 liegen aufgrund einer methodischen Umstellung der International Passenger Survey noch nicht vor.
«Wenn man bedenkt, dass die Schweiz ein kleines Land ist, sind das beachtliche Zahlen», so Lenz. Die Schweiz habe nach der Pandemie besonders schnell wieder an das frühere Niveau angeknüpft.
Bemerkenswert: Pro Trip geben Schweizer Reisende durchschnittlich GBP 756 aus, europaweit ein Spitzenwert gemeinsam mit Norwegen, bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 5,5 Tagen. Zum Vergleich: Gäste aus Deutschland geben laut Lenz im Durchschnitt rund GBP 500 pro Reise aus.
London bleibt stark
Noch immer entfallen 42% der Schweizer Übernachtungen auf London – früher waren es knapp 50%. Südengland folgt mit 21%, Schottland mit 12%. Ungenutztes Potenzial sieht Lenz vor allem in Mittel- und Nordengland sowie in Wales, das gerade einmal 3% der Übernachtungen verzeichnet.
«Unser Bestreben ist, den Tourismus stärker auf die verschiedenen Regionen zu verteilen», erklärt Lenz. Während Schottland seit mehreren Jahren sehr gefragt sei, blieben andere Teile Grossbritanniens noch weitgehend unentdeckt.
Visit Britain setzt dabei auf zwei Säulen: Einerseits sollen Medienreisen sowie Kooperationen mit traditionellen Medien und Social-Media-Influencern für mehr Sichtbarkeit sorgen. Andererseits arbeitet die Tourismusorganisation mit Reiseveranstaltern zusammen, um neue Programme für weniger bekannte Regionen zu entwickeln.
Auch direkte Flugverbindungen spielen eine wichtige Rolle. Aus der Schweiz bestehen zahlreiche Verbindungen nach London und Schottland sowie Flüge nach Manchester. Die Edelweiss-Verbindung zwischen Zürich und Bristol erleichtert zudem den Zugang nach Südwestengland. «Mehr Direktflüge in andere Regionen würden natürlich helfen», sagt Lenz. Gerade für Mittel- und Nordengland sieht er noch Entwicklungsmöglichkeiten.
ETA bislang ohne spürbare Auswirkungen
Die seit 2025 geltende Pflicht zur elektronischen Reisegenehmigung (ETA) habe die Veranstalter im Vorfeld nervös gemacht – negative Auswirkungen auf die Buchungen seien bislang aber ausgeblieben. Einzelne Veranstalter böten das Ausfüllen mittlerweile als Zusatzservice an, insbesondere für ältere, weniger technikaffine Reisende.
Potenzial abseits der bekannten Klassiker
Auf die Frage zur aktuellen politischen Entwicklung innerhalb des Landes verweist Lenz auf die regionalen ‘Metro Mayors’ in Grossräumen wie Manchester, Liverpool und Newcastle. Mit zusätzlichen Kompetenzen und eigenen Budgets erhalten die Regionen mehr Möglichkeiten, sich touristisch zu positionieren.
Ab voraussichtlich 2028 könnten einzelne Regionen zudem eine Übernachtungsabgabe einführen. Attraktive Reiseprogramme, mediale Sichtbarkeit und einfache Verkehrsverbindungen bleiben für ihre touristische Entwicklung entscheidend.
Mit dem Schweizer Markt zeigt sich Visit Britain insgesamt sehr zufrieden. Die Kombination aus hohem Reisevolumen und überdurchschnittlichen Ausgaben mache ihn für Grossbritannien besonders attraktiv.
Die nächste Aufgabe besteht nun darin, Schweizer Reisende verstärkt über die etablierten britischen Destinationen hinauszuführen – denn Grossbritannien hat abseits der bekannten Reisezielen weit mehr zu bieten.
Jessica Summa








