
Lufthansa-Tochter Edelweiss fliegt im kommenden Jahr 103 Ziele an, und hat damit so viele Destinationen im Routemap, wie nie zuvor. Im deutschen Podcast ‘Luftraum’ des Airlineportals Aerotelegraph gibt nun der Chef-Streckenplaner der Airline, Oliver Lenz, interessante Einblicke, welch komplexer Prozess notwendig ist, bis es ein neues Streckenziel auch tatsächlich in den Flugplan schafft.
Zwischen Volumenmärkten und Nischen
Die Basis des Geschäfts bilden klassische Warmwasserziele, an die ein Grossteil der Kapazitäten geht. Doch damit gibt sich Edelweiss nicht zufrieden. Die Airline versuche, auch bei kleineren Destinationen Nischen zu entwickeln und neue Märkte anzuschliessen, erklärt Lenz.
Ein aktuelles Beispiel seien etwa die Kapverden: Neben den Badeinseln Sal und Boa Vista stehen neu auch Praia und São Vicente im Flugplan. Die Kombination aus Wandern, Kultur und Stranferien habe sich dort besonders bewährt.
Mehr Reichweite durch neue Flugzeuge
Eine wichtige Rolle bei der Streckenplanung spielt die Flottenentwicklung. Mit dem modernen Airbus A350 kann Edelweiss künftig längere und wirtschaftlichere Strecken bedienen. Dadurch wird etwa Namibia neu ins Netz aufgenommen. Auch die zusätzlichen A320 Neo eröffnen Spielräume: Dank grösserer Reichweite lassen sich gewisse Destinationen künftig ohne Einschränkungen anfliegen.
Nachfrage schaffen statt nur messen
Natürlich prüft Edelweiss vor jeder Entscheidung die Nachfrage. Doch Daten sind nicht immer aussagekräftig – gerade bei Märkten, in die bisher kaum Direktflüge existieren. «Natürlich schauen wir, wie viele Passagiere schon dorthin reisen. Aber oft gibt es kaum Daten», so Lenz. In solchen Fällen setzt Edelweiss stark auf den Austausch mit Reiseveranstaltern. Ziel ist es, Nachfrage überhaupt erst zu entwickeln – besonders bei Nischenzielen.
Erfolg misst sich nicht nur an der Auslastung
Ob eine Strecke erfolgreich ist, hängt nicht allein von der Auslastung ab. Lenz nennt grob 80 Prozent als Zielmarke, auf den Kapverden liege man teils darunter. Entscheidend sei jedoch auch, zu welchem Preis die Plätze verkauft werden. Damit unterscheidet sich die Bewertung neuer Routen deutlich von einer rein mengenorientierten Betrachtung.
Langfristige Beobachtung
Die Liste potenzieller Ziele umfasst rund 100 Optionen. Manche entstehen durch Hinweise von Flughäfen auf Fachkonferenzen, andere werden über Jahre hinweg beobachtet. So stand Namibia bereits seit über zehn Jahren auf dem Radar. Mit der passenden Flottenkapazität sei nun der richtige Zeitpunkt gekommen.
Wachstum mit Fingerspitzengefühl
Für Oliver Lenz ist jedes neue Ziel etwas Besonderes: «Seattle war dieses Jahr ein Highlight. Aber gerade auf der Kurzstrecke finde ich es spannend, aus kleinsten Nischen etwas Neues zu entwickeln.» Das Fazit des Netzwerkplaners bleibt klar: «Wachstum ist angesagt – aber immer mit der richtigen Mischung aus Volumen und Nische.»
Der Podacast ‘Luftraum’ ist auf gängigen Streamingportalen wie etwa Spotify erhältlich. (TI)








