Welche Airlines erhöhen die Preise zuerst?

Die wegen des Iran-Konflikts unpassierbare Strasse von Hormuz wirkt sich auf die Treibstoffpreise aus.
©Cegoh/Pixabay

Wegen des Irankriegs ist die Strasse von Hormus unpassierbar. Die Folge: Die Ölpreise explodieren. Die Frage, ob jetzt die Ticketpreise nach oben schiessen, hängt unter anderem davon ab, ob Airlines sich gegen Ölpreisspitzen abgesichert haben. Der Business Traveller zeigt, welche Airlines zuerst die Preise erhöhen.

Die Luftangriffe Israels und der USA auf den Iran und dessen Gegenwehr haben das Ölgeschäft der Golfstaaten zum Stillstand gebracht. Ein Viertel des weltweiten Erdölhandels muss aber durch dieses maritime Nadelöhr. Die Ölpreise gehen daher mit 100 US-Dollar pro Barrel durch die Decke. Je nachdem, wie lange der Krieg im Iran dauert, kann der Ölpreis weiter ungeahnte Höhen erreichen. Bis dato ist er noch ein gutes Stück vom Höchstpreis am 11. Juli 2008 entfernt. An jenem Tag kostete das Barrel der Sorte Brent rund 147 US-Dollar.

Lange Umwege verteuern Betriebskosten

Aber auch ohne vorläufige Rekordhöhen ist die Furcht vor schnell steigenden Flugpreisen real. Denn an den Betriebskosten der Airlines hat Kerosin mit rund 29% den grössten Anteil. Daher wirkt sich die kriegsbedingte hohe Kundennachfrage nach mehr Nonstop-Fernflügen zwischen Europa und insbesondere Südostasien ungünstig auf den Kerosinverbrauch und die Budgets der Fluggesellschaften aus.

Schliesslich verlängern sich die Flugrouten nicht nur, weil der Luftraum über den Golfstaaten ausfällt, sondern auch weil die Flugzonen über Russland wegen Krieges  unverändert geschlossen bleiben. Zudem fallen nun die Vereinigten Arabischen Emirate als günstige Kerosin-Tankstelle aus. Als eine der ersten Fluglinien reagierte Air New Zealand auf den Ölpreisschock, andere Mitbewerber zogen schnell nach:

Air New Zealand Economy Class: Inlandsflüge 10 NZD (ca. 5,58 Euro), 20 NZD auf Kurzstrecken, 90 NZD auf Langstrecke
Air India, Treibstoffzuschlag ab 18.3.: Flüge nach Europa, Nordamerika und Australien plus 50 US-Dollar. Zum Beispiel: Treibstoffzuschlag in die USA derzeit 150 US-Dollar, dann 200 US-Dollar
Air France/KLM angekündigt Economy Class: auf Langstrecke je Hin- und Rückflug 50 Euro
Thai Airways Preiserhöhungen zwischen 10 und 15 Prozent
Cathay Pacific Hongkong – Europa: Kerosinzuschlag 72,90 US-Dollar pro Strecke
Pakistan International Airlines Inland 20 US-Dollar, international 100  US-Dollar

 

Teurere Flugtickets ohne Risikomanagement

Wann die anderen Airlines preislich nachziehen, hängt nicht allein davon ab, wie lange die Strasse von Hormus unter Beschuss bleibt. Manche Airlines können sich noch Zeit lassen, bis sie an der Preisschraube drehen. Preiserhöhungen sind schliesslich heikel, weil sie zu einer sinkenden Nachfrage führen können. Wer jetzt also die erste Welle des Ölpreisschocks aussitzen kann, erarbeitet sich dank stabiler Preise einen Wettbewerbsvorteil. Das Fachportal aerospaceglobalnews.com listet auf, welche Airline, bis wann vor Preisspitzen geschützt ist:

Airline 2026 Kerosin abgesichert Effekt, wenn Ölpreis hoch bleibt
Easyjet 84% H1 Sehr starker Kurzfrist-Schutz
Lufthansa Group 82% H1, 77% Gesamtjahr Eine der am besten geschützten Airline-Konzerne
Air France/KLM 70% Q1, 69% Q2, 60% Q3, 47%Q4 Solider Schutz für den Grossteil des Jahres
IAG (British Airways, Iberia) 75% Q1, 64%Q2, 58% Q3, 50% Q4 Guter Schutz für die nahe Zukunft, rückläufig bis 2027
Ryanair Grösstenteils abgesichert für 2026 Geschützt vor kurzfristigen Preisspitzen
Wizz Air Grösstenteils abgesichert für 2026 Durch bestehende Verträge geschützt

 

Dieses Abwarten ist jedoch nur möglich, wenn sich Airlines mittelfristig stabile Treibstoffpreise durch Hedging gesichert haben, also bewusstes Risikomanagement im volatilen Ölhandel betreiben. Konkret vermeiden sie mit Hedging starke Marktausreisser, indem sie einen Teil ihres Energiebedarfs über einen festgelegten Zeitraum auf Basis der aktuellen Marktlage und Prognosen einkaufen.

Es ist immer eine Wette auf die Zukunft. Fällt der Preis, verlieren die Airlines, steigt der Preis, sind sie im Vorteil. Aber: Extreme Preisausschläge werden so vermieden.

Vorsicht oder Risikobereitschaft

Sich gegen hohe Preisspitzen am Ölmarkt durch Hedging abzusichern, ist zwar eine bewährte Massnahme für viele Fluggesellschaften, aber nicht für alle. Während europäische Airlines überwiegend auf diese Handelsmethode beim Treibstoffeinkauf setzen, verlassen sich US-Airlines meist auf den Spotmarkt, also tagesaktuelle Preise. American Airlines, Delta Air Lines, United Airlines, Southwest und Jetblue haben alle in den letzten zwei bis drei Jahren aerospaceglobalnews.com zufolge das systematische Treibstoff-Hedging aufgegeben. Ein Umstand, der sie teuer zu stehen kommen könnte.

(Business Traveltip)

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