«Wo ist eine Pride bunter als in Tel Aviv?»

Ella Zack Solomon ist seit Anfang August neue Direktorin des Israelischen Verkehrsbüros. Sie kann sich über stetig wachsende Besucherzahlen freuen.
©Staatliches Israelisches Verkehrsbüro

Was ist Ihr Eindruck, seit Sie die neue Stelle angetreten haben?
Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich habe ein erfahrenes und engagiertes Team an meiner Seite, und gemeinsam werden wir in den kommenden Jahren den Israel-Tourismus weiterentwickeln und noch mehr Reisende aus dem deutschsprachigen Raum für Israel-Ferien begeistern. Denn wer einmal kommt, kommt wieder: Rund 40% unserer Gäste sind «Wiederholungstäter ». Aus der Schweiz kamen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 31 000 Reisende nach Israel – das ist ein Wachstum von 32 % im Vergleich zu 2017!

Wie entwickelten sich die Einreisen aus der Schweiz in den vergangenen fünf Jahren?
Seit 2014 erleben wir ein kontinuierliches Wachstum. 2014 sind 37 480 Schweizer nach Israel gereist. 2018 waren es 57 100, das ist eine Steigerung von ca. 52 %. In den Jahren 2016 zu 2017 und 2017 zu 2018 gab es jeweils eine Steigerung von 17 bzw. 18 %. 2019 waren bis einschliesslich August 39 000 Schweizer Touristen in Israel, das sind auch wieder 10 % mehr als im vergleichbaren Zeitraum 2018.

Man kann sich auch fragen, weshalb der Boom erst jetzt einsetzt. Waren früher Sicherheitsbedenken ein Hinderungsgrund?
Der Boom, wie Sie es nennen, setzte ca. vor fünf Jahren ein. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ganz wesentlich ist jedoch die Tatsache, dass wir das touristische und kulturelle Angebot enorm weiterentwickeln und ausbauen konnten. Es gibt viel mehr als die klassischen Rundreisen: Städtereisen, Wander- und Aktivreisen, kulinarische Reisen, Familienreisen usw. – das Angebot hat sich diversifiziert und somit auch unsere Zielgruppe. Noch ein wesentlicher Punkt ist das erweiterte Flugangebot: Es gibt aktuell 39 Direktflüge pro Woche ab der Schweiz.

Schon, aber der Sicherheitsaspekt war stets ein Thema.
Generell spielt das Thema Sicherheit überall auf der Welt eine Rolle, besonders in den letzten Jahren, so auch in Israel. Umso mehr ist es für uns wichtig zu betonen, dass die Gäste Israel als ein sicheres Reiseland wahrnehmen. Die steigenden Touristenzahlen unterstreichen das. Ein weiterer wichtiger Aspekt hierbei ist die Wiederholerquote. Rund 40% der Reisenden, die Israel zum ersten Mal besucht haben kehren ein zweites oder drittes Mal zurück. Es gibt einfach zu viel zu sehen und zu erleben. Und wer würde mehrmals seinen Urlaub in einem Land verbringen, in dem er sich nicht willkommen und sicher gefühlt hat.

Die Repeater-Quote ist unglaublich hoch. Woran liegt das?
Israel ist eine so vielfältige und einzigartige Destination, dass wirklich für jeden Urlauber etwas dabei ist. Das Land der drei Meere, kilometerlange Strände, unendliche Weiten der Wüste, faszinierende Städtekombinationen, grüne und fruchtbare Landschaften im Norden. Israel bietet auf kleiner Fläche – das Land ist etwa halb so gross wie die Schweiz – unglaublich vielfältige Landschaften und Erlebnisse …

… und mit Tel Aviv und Jerusalem zwei Metropolen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Genau: Tel Aviv – die junge, pulsierende Metropole am Mittelmeer. Street-Art, Architektur und kulinarische Highlights gepaart mit Strandleben und einem unvergesslichen Nachtleben für Jung und Alt. Nur 65 Kilometer entfernt, Jerusalem. Man mischt sich in der Altstadt unter die Pilger aus aller Welt und spürt die Inspiration und Dankbarkeit, die ein Besuch der heiligen Stätten auslöst. Sie können diese beiden einzigartigen und kontrastreichen Städte Tel Aviv und Jerusalem in der Kombination entdecken – beide sind nur 45 Minuten voneinander entfernt.

Früher hatte Israel das Image einer Pilgerreisen- Destination. Und jetzt?
Die klassischen Rund- und Pilgerreisen faszinieren nach wie vor. Der Individualtourismus hat aber enorm zugenommen und macht mittlerweile über 50% des Touristenaufkommens aus. In den letzten Jahren erleben wir ein kontinuierliches Wachstum im Tourismus nach Israel.

Tel Aviv derweil gilt gerade auchin der LGBTQ-Community als Trendstadt. Allerdings tickt Tel Aviv diesbezüglich völlig anders als das «religiöse» Israel. Eine Chance?
Ganz klar eine Chance: Tel Aviv ist eine vielfältige, bunte, offene Stadt. Es ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, dass in Tel Aviv alle Menschen miteinander leben, arbeiten und feiern – egal ob Religiöse, Homosexuelle, Kinder, ältere Menschen. Die Toleranz und Akzeptanz werden hier besonders grossgeschrieben. Und wenn man dann die Pride Week in Tel Aviv erlebt, ist man überwältigt von der fröhlichen Atmosphäre und den tausenden Menschen aus aller Welt, die tanzend und feiernd durch die Strassen von Tel Aviv ziehen. Wir sind eine bunte Nation, und dafür steht auch Tel Aviv. Die Stadt setzt hier mit ihrer Pride jährlich ein Zeichen für die weltweite LGBT-Gemeinschaft – und das ist in jedem Fall eine Chance. Wo ist eine Pride bunter als bei uns?

Gleichzeitig umgibt Israel immer noch eine Aura des Exotischen, oder?
Ja, ich glaube, Israel ist auch deshalb so reizvoll, weil es Beliebtes, Vertrautes mit Unbekanntem, Neuem mischt: Das Land liegt am Mittelmeer und bietet alles, was Reisende an einer klassischen Mittelmeerdestination schätzen. Hinzu kommt jedoch ein Hauch Exotik: Israel als Nahostdestination besteht zu über 60% aus Wüste, die Küche ist orientalisch beeinflusst, zudem ist das Land ein Schmelztiegel, in dem sich die kulturellen Einflüsse von 130 Nationen zu etwas ganz Eigenem, Bunten mischen – und das eben ist typisch israelisch.

Welche Ziele setzen Sie sich für das kommende Jahr?
Wir wollen natürlich, dass die Zahl der Gäste aus der Schweiz weiterhin wächst und wir noch mehr zufriedene Gäste aus der Schweiz haben.

Elisha Schuetz

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