Schweiz Tourismus unter Kritik

Ein Artikel stellt die Rückstellungs- und Fondspraxis von Schweiz Tourismus infrage.
©Ronnie Schmutz / Unsplash

Ein Insider-Autor hat beim Online-Dienst ‘Inside Paradeplatz’ (IP) die Finanzierungs- und Bilanzierungspraxis von Schweiz Tourismus kritisch kommentiert.

Konkret geht es um Rückstellungen und Fondsbildungen im Zusammenhang mit den jährlich rund 60 Millionen Franken Bundesgeldern, die die nationale Tourismusmarketing-Organisation erhält.

Gemäss dem Beitrag weist Schweiz Tourismus für das Geschäftsjahr 2025 einen sogenannten ‘Minderaufwand’ von rund 25’000 Franken aus. Gleichzeitig wurden Rückstellungen für künftige Marketingaufwendungen per Ende 2025 auf 7,4 Millionen Franken erhöht. Im Vorjahr belief sich dieser Betrag noch auf rund 6 Millionen Franken.

Der Autor kritisiert insbesondere, dass die Höhe dieser Rückstellungen im Geschäftsbericht nicht detailliert begründet werde. Solche Rückstellungen können etwa Verpflichtungen für internationale Fachmessen oder Marketingaktivitäten im Folgejahr betreffen. Der Artikel stellt jedoch die Frage, inwiefern dadurch Jahresergebnisse gezielt geglättet werden könnten.

Ebenfalls thematisiert wird der ‘Fonds für ausserordentliche Ereignisse Destination Schweiz’. Dieser wurde während der Corona-Pandemie genutzt und belief sich Ende 2025 auf rund 8 Millionen Franken.

Laut Bericht wächst der Fonds weiterhin jährlich um etwa eine Million Franken. Grundlage dafür ist offenbar eine Vereinbarung zwischen dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und Schweiz Tourismus für die Jahre 2024 bis 2027. Darin ist festgehalten, dass nicht eingesetzte Bundesmittel zweckgebunden diesem Fonds zugewiesen werden können.

Kritik richtet sich im Artikel auch gegen die Aufsicht und Kontrolle. Die Revisionsgesellschaft Ernst & Young habe zwar keine Vorbehalte angebracht, prüfe jedoch primär die formelle Korrektheit der Buchungen. Das Seco wiederum genehmige die entsprechende Praxis im Rahmen der bestehenden Vereinbarungen.

Der Beitrag spricht von mangelnder Transparenz und stellt die Frage, ob die bestehenden Mechanismen ausreichend nachvollziehbar seien. Insbesondere wird kritisiert, dass weder klare Obergrenzen noch öffentlich bekannte Kriterien für die Verwendung des Fonds definiert seien.

Schweiz Tourismus selbst äusserte sich im Beitrag nicht ausführlich zu den Vorwürfen. Das Seco verwies gemäss Inside Paradeplatz darauf, dass der Fonds transparent ausgewiesen werde und frühere Prüfungen erfolgt seien.

Die Diskussion dürfte auch politisch relevant bleiben, da der Bund regelmässig über die Finanzierung von Schweiz Tourismus entscheidet und die Organisation eine zentrale Rolle im internationalen Standortmarketing der Schweiz einnimmt. (MICE-tip)


Der Autor des Artikels auf IP ist Klaus Oegerli. Er arbeitete 17 Jahre lang für Schweiz Tourismus in leitenden Funktionen. Er lebt in Hua Hin in Thailand.