Schweizer Hotellerie will Einwanderung

Hotelleriesuisse sagt nein zur Initiative ‘Keine 10-Millionen-Schweiz’.
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Hotelleriesuisse hat die Nein-Parole zur Initiative ‘Keine 10-Millionen-Schweiz’ vom 14. Juni 2026 gefasst. Eine Annahme der Initiative hätte weitreichende Folgen für die Beherbergungsbranche und den gesamten Tourismus.

Die Initiative verlangt eine Begrenzung der ständigen Wohnbevölkerung auf maximal 10 Millionen Menschen. Wird dieses Ziel nicht eingehalten, müssten zentrale internationale Abkommen – insbesondere die Personenfreizügigkeit mit der EU – gekündigt werden. Damit gefährdet die Initiative die Rekrutierung von Arbeitskräften, die Erreichbarkeit der Schweiz und die Planungssicherheit für Beherbergungsbetriebe, so Hotelleriesuisse.

Chaos und Folgen für den Tourismus

Der Verband ist überzeugt: Die Initiative schafft Rechtsunsicherheit und Planungschaos, ohne realistische und umsetzbare Lösungen vorzulegen. Starre Vorgaben auf Verfassungsebene würden zentrale Fragen offenlassen und erhebliche Risiken für Wirtschaft und Gesellschaft mit sich bringen. Für den Tourismus als international vernetzte Exportbranche wären die Auswirkungen besonders spürbar. Verlässliche Rahmenbedingungen und stabile Beziehungen zu den wichtigsten Partnern – insbesondere zur Europäischen Union – sind für die Beherbergung unentbehrlich.

Fachkräftemangel würde sich weiter verschärfen

Rund 30% der Mitarbeitenden im Gastgewerbe stammen aus dem EU/EFTA-Raum. Der Tourismussektor ist entsprechend auf die Rekrutierung von Arbeits- und Fachkräften aus diesen Ländern angewiesen. Ein Wegfall der Personenfreizügigkeit würde die Rekrutierung stark erschweren und den bestehenden Fachkräftemangel verschärfen, betont Hotelleriesuisse. Offene Stellen liessen sich kaum mehr im erforderlichen Umfang besetzen.

«Die Folgen wären für Gäste unmittelbar spürbar. Hotels, Restaurants und weitere touristische Einrichtungen müssten ihr Angebot und ihre Öffnungszeiten einschränken. Darunter würden Servicequalität, Angebotsvielfalt und Wettbewerbsfähigkeit leiden», erklärt Christian Hürlimann, Direktor von Hotelleriesuisse.

Erreichbarkeit der Schweiz würde beeinträchtigt

Mit der Kündigung der Personenfreizügigkeit ist zudem davon auszugehen, dass die Schweiz auch nicht mehr Teil des Schengen-Raums sein könnte. Dies würde bedeuten, dass wieder systematische Grenzkontrollen eingeführt werden müssten – mit langen Wartezeiten für Gäste aus Europa und Drittstaaten. Sollte die Schweiz nicht mehr am Schengen-System teilnehmen, wären Reisen aufgrund der veränderten Visumsbestimmungen mit erhöhtem administrativem Aufwand verbunden. Dies könnte die Attraktivität der Schweiz in bestimmten Fernmärkten wie den USA oder den Golfstaaten beeinträchtigen. Gerade in der Nebensaison spielen Gäste aus diesen Märkten eine wichtige Rolle für die touristische Nachfrage.

Internationales Image als Reiseland steht auf dem Spiel

Der Schweizer Tourismus ist stark von seinem internationalen Ruf als offenes, gut erreichbares und verlässliches Reiseland geprägt. «Eine Annahme der Initiative würde die Wahrnehmung der Schweiz im Ausland beeinflussen und die Positionierung im internationalen Wettbewerb schwächen», sagt Martin von Moos, Präsident von Hotelleriesuisse. Bereits heute zeigt sich im Ausland vereinzelt die Wahrnehmung, dass die Schweiz sich zunehmend abschottet. (MICE-tip)