Ständerat sagt Ja zu MWST-Beherbergungssatz

Hotellerie argumentiert für eine weiterhin reduzierte Mehrwertsteuer.
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Der Ständerat hat entschieden, den reduzierten Mehrwertssteuer-Beherbergungssatz von 3,8% um weitere acht Jahre zu verlängern. Laut Hotelleriesuisse ist das ein wichtiges Signal für die Schweizer Beherbergungsbranche.

Am 28. September entscheidet der Nationalrat über den reduzierten Satz. Nachdem er in der Sommersession nicht auf die Vorlage eingetreten war, fordert Hotelleriesuisse ihn nun dazu auf, dem Ständerat zu folgen.

«Die Beherbergungsbranche ist auf den reduzierten Satz angewiesen. Sollte der Nationalrat an seinem Kurs festhalten und die reduzierte Mehrwertsteuer erneut ablehnen, drohen gerade kleineren, oft familiengeführten Betrieben im 3- oder 4-Sterne Bereich existenzielle Folgen. Dies mit Auswirkungen weit über die einzelnen Hotels hinaus, denn Gastronomie, Bergbahnen und lokales Gewerbe hängen direkt an dieser Wertschöpfungskette», betont Christian Hürlimann, Direktor von Hotelleriesuisse.

Logiernächtezahlen sind mit Vorsicht zu geniessen

Die Schweiz verzeichnet aktuell eine hohe Nachfrage seitens US-amerikanischer Gäste. Diese Reisegruppe weist zwar eine geringe Preissensibilität und einen langen Buchungshorizont auf, bleibt im Schweizer Markt jedoch eher die Ausnahme.

Viele Gäste buchen kurzfristig und reagieren stark auf den Preis. Zudem hat der Konflikt im Nahen und Mittleren Osten gezeigt, wie schnell ganze Herkunftsmärkte einbrechen können und wie wichtig daher eine Diversifizierung des Reisemarktes ist.

Den Tourismus pauschal als florierenden Sektor zu bezeichnen, greift daher laut Hotelleriesuisse zu kurz. Meist profitieren nur international bekannte Destinationen von Gästen aus Fernmärkten, während die Auslastung in Regionen wie dem Jura, dem Drei-Seen-Land oder der Ostschweiz oft unter 40% liegt.

Sekundäre Regionen tragen das grösste Risiko

Um die Relevanz der reduzierten Mehrwertsteuer zu erfassen, lohnt sich ein Blick in sekundäre Destinationen, etwa in den Kantonen Thurgau, Aargau oder Jura.

Beherbergungsbetriebe in diesen Regionen sind vor allem bei inländischen Gästen und Gästen aus dem nahen Ausland beliebt – jenen Gästesegmenten, die auch für eine ausgewogene, saisonal breiter abgestützte touristische Nachfrage besonders wertvoll sind. Diese Gäste sind jedoch preissensibel, entscheiden sich kurzfristig für eine Buchung und weichen rasch auf andere Destinationen aus, etwa vom Thurgau auf die andere Seite des Bodensees nach Deutschland oder von St. Gallen nach Österreich.

Enge Margen lassen kaum Preisspielraum

«Im Onlinebuchungsmarkt war das Vergleichen von Preisen, Ausstattung und Angeboten noch nie so einfach wie heute. Wenige Franken können den Buchungsentscheid beeinflussen. Betriebe haben daher gerade im 3- oder 4-Sterne-Bereich sehr wenig Spielraum, die Preise zu erhöhen, und operieren speziell in sekundären Tourismusregionen mit sehr engen Margen», erklärt Hürlimann.

Hotelleriesuisse argumentiert mit einer Analyse von BAK Economics: Laut den Ergebnissen könnte zu einem Verlust von jährlich 1,4 Millionen Logiernächten führen. Ein grosser Teil davon, 1,1 Millionen Logiernächte, fallen bei den Schweizer Gästen weg, jene Gästegruppe also, die für Ferien und Kurzaufenthalte im eigenen Land besonders preissensibel reagiert.

Weitere Erhöhungen in Sichtweite

Sowohl im Rahmen der Reform AHV 2030, als auch bei der Finanzierung eines höheren Verteidigungsbudgets wird aktuell über eine allgemeine Erhöhung der Mehrwertsteuer diskutiert. Hotelleriesuisse beurteilt ein Auslaufen der reduzierten Steuer vor diesem Hintergrund als gravierend. Dadurch würden den Beherbergungssektor sowie die gesamte damit verknüpfte Wertschöpfungskette stark belastet. (MICE-tip)