
Die wuchtige Wasserfontäne eines Feuerwehrschiffes begleitete letzte Woche das Auslaufen der Scenic Eclipse 2 aus Hamburg, eine schöne Tradition für erstbesuchende Kreuzfahrtschiffe in der Hansestadt. Tags zuvor wurde das Schiff am neuen Cruise Terminal HafenCity feierlich empfangen.
Die Scenic Eclipse 2 war unterwegs auf einer 13-tägigen Ostsee-Reise von London nach Stockholm, TI reiste auf dem Abschnitt von Hamburg via Nord-Ostsee-Kanal nach Kopenhagen und Rügen bis Gdansk mit. Ebenso einige Reisebüro-Profis, unterwegs lud Scenic zudem lokale Medien und Trade zu Tagesbesuchen ein.
Begleitet wurde die Fahrt von einer hochkarätigen Scenic-Delegation mit Dominika Lange, General Manager Sales & Marketing EMEA, Sarah Föhn, Head Marketing EMEA und Kay Sion, Head Sales Continental Europe.
1. Aspekt: Ein wahres «Spaceship»

Die Scenic Eclipse 2 wurde 2023 von der Scenic-eigenen Werft MKM Yachts in Rijeka (Kroatien) ausgeliefert, wo 2019 bereits die erste Discovery Yacht Scenic Eclipse erbaut wurde. Eine elegant-geschwungene Silhouette prägt die Aussenansicht der baugleichen, 168 Meter langen Megayachten mit je 10 Decks.
An Bord umgehend spürbar ist die ausserordentliche räumliche Grosszügigkeit: Mit 17’590 BRZ vermessen, nimmt das Schiff maximal 228 Gäste auf. Mit einer Space-Passenger-Ratio von 77 nimmt die Eclipse 2 eine Spitzenposition in der Hochsee-Kreuzfahrt ein, der Begriff ‘Spaceship’ ist absolut gerechtfertigt.
Platz und persönlicher Freiraum ist an Bord der Eclipse-Schiffe tatsächlich kein Luxusversprechen, sondern wichtiger Teil des Produkts. Dies ist nicht nur in den Räumlichkeiten erlebbar, sondern auch in den 114 Suiten, alle mit Balkon oder Terrasse und zwischen 32 qm (Verandah Suite) und 195 qm (Owners Suite) gross.
Die Ausstattung der in dezenten Pastelltönen gehaltenen Suiten ist luxuriös und lässt keine Wünsche offen: Die Kingsize-Betten sind individuell verstellbar, im geräumigen Bad liegt ein Dyson-Haartrockner auf, ein Feldstecher steht ebenso zur Verfügung und der Stauraum ist beeindruckend. Um das Wohl der Gäste kümmert sich ein persönlicher Butler.
2. Aspekt: Ein modernistisches Design
Scenic Lounge & Bar

Was beim Zusteigen zudem gleich ins Auge sticht, ist das moderne, minimalistische Innendesign: Klare, gerade Linien, glatte Oberflächen und schlichte, geometrische Fomen ohne Schnickschnack herrschen vor, farblich dominieren Grau-, Anthrazit- und Schwarz-Töne mit hellen und farbigen Kontrasten.
Je nach Thema wird das elegante Design in den Restaurants und Bars differenziert umgesetzt, ohne das Leitmotiv mit grosszügigen Flächen und klaren Linien zu verraten. Passend dazu eine hochwertige Möblierung mit trendigen Anleihen.
Bemerkenswert ist übrigens das Gewicht, das Wellness einnimmt: Der 550 qm grosse Senses Spa mit kleinem Vitality-Pool am Heck und vielseitigen Massagen und Spa-Anwendungen ist eine wahre Oase. Auch ein Yoga & Pilates-Studio sowie ein Fitness Studio stehen zur Verfügung.
Eine eigentliche Poollandschaft sucht man auf beiden eisverstärkten Scenic-Schiffen jedoch vergebens: Sowohl die Scenic Eclipse wie die Scenic Eclipse 2 wurden in erster Linie als Expeditionsyachten für polare Regionen erdacht. Dies wird sich mit der neuen Scienic Ikon etwas ändern, die 2028 zur Auslieferung kommt.
Konkret: Auf der Scenic Eclipse 2 kann man nebst dem Spa Vitality Pool oben auf Deck 10 in einen kleinen Sky Vitality Pool hüpfen (auf der Scenic Eclipse sind es zwei Whirlpools und im Bereich des Yacht Clubs ein kleiner Pool), es gibt eine Liegen-Landschaft und Cabanas, die Bar wurde wetterfest ins Schiffsinnere versetzt.
Weit und grosszügig präsentiert sich dafür die offene Observation Terrace auf Deck 5 voraus, von wo aus man an frischer Luft die vorüberziehende Landschaft geniessen kann – allerdings ohne Sitzgelegenheiten. Doch dazu bietet sich im Innern die wohnliche, ruhige Observation Lounge mit Bibliothek und Cafe-Station an.
3. Aspekt: Exquisite Dining-Erlebnisse

Die hochstehende Kulinarik darf als weiterer Scenic-Schwerpunkt bezeichnet werden. Das elegante, von der italienischen Küche inspirierte Elements bietet als grösstes Restaurant 104 Gästen Platz. Dasselbe gilt für den gediegenen, im Buffet-Stil gehaltenen Yacht Club Grill mit Aussenplätzen am Heck.
Draussen speisen kann man auch im Azure Café (85 Gäste), das à-la-carte beliebte Köstlichkeiten wie Pizza, Pasta, Sandwiches und Burgers im Angebot hat. Ebenfalls im All-inclusive-Tarif inbegriffen sind die nur abends geöffneten Spezialitäten-Restaurants, die eine Reservation verlangen.
Im Koko’s wird eine vorzügliche Fusion-Küche verschiedener asiatischer Provenienz zelebriert, bei der es sich lohnt, die Gerichte grosszügig zu teilen: Ob Ginisang Halaa, Cantonese Steamed Fisch oder Chingri Malai Curry – Gaumenfreude garantiert. Integriert in das Koko’s ist zudem eine Sushi & Sake Bar.
Der Night Market ist eine ganz besondere Location für wenige Gäste, wo Häppchen aus Indien, den Philippinen oder dem Nahen Osten vorgestellt, abschliessend arrangiert und serviert werden – exquisit und kurzweilig. Nur auf Einladung können einige «auserwählte» Gäste im Chef’s Table ein 11-Gänge-Menü bejubeln.
Das Lumières schliesslich hat sich der modernen Haute Cuisine verschrieben. Das «Test-Menü» mit einem Salade de Homard, einem Filet de Boeuf Angus en Croûte Wellington und einer abschliessenden Créme Anglaise au Parmesan darf als kulinarisches Highlight bezeichnet werden.
Überall werden zu den Gerichten gute passende Weine vorgeschlagen, auf Wunsch darf es aus der grossen Auswahl auch ein anderer Cru oder Champagner sein. Und wer sich etwas ganz Spezielles leisten will, ist mit der hochkarätigen Chairman’s Cellar List bestens bedient. Inbegriffen wiederum sind sämtliche über 130 Whiskysorten der Scenic Lounge Bar.
4. Aspekt: Eine zwanglose Atmosphäre

Die Ausrichtung als «Ultra-Luxus-Reederei», die Scenic Luxury Cruises verfolgt, mag in einem Punkt etwas in die Irre führen: An Bord herrscht zwar ein hoher Qualitäts- und Luxus-Anspruch, doch die Atmosphäre ist weder förmlich, steif noch aufgesetzt – im Gegenteil.
Über die Hälfte der Gäste stammen in der Regel aus Australien, dem Heimatland von Scenic, und die lockere, offene und liebenswürdige Natur der Menschen aus Down Under prägt die Stimmung an Bord. Man kommt rasch ins Gespräch mit den Mitreisenden, es herrscht ein unkomplizierter, legerer Reise-Alltag.
Auf unserer Reise waren viele erfahrene Reisende an Bord, aber auch einige jüngere Paare und Familien, die sich vom besonderen Scenic-Stil eines luxuriösen Schiffs mit zwangloser Atmosphäre überzeugt zeigten. Ein Mutter-Tochter-Gespann aus der Schweiz veredelte übrigens die Reise da und dort mit vorgebuchten Golfrunden.
Kleider-«Vorschriften» gibt es bei Scenic keine. Abends wird von den Herren lange Hose und elegantes offenes Hemd erwartet, ein Jackett ist optional, während die Damen sich gerne elegant zeigen. Tagsüber sind auch Shorts und Polo in den jeweiligen Restaurants in Ordnung.
Ins Bild passt auch die persönliche, aufmerksame und unaufdringliche Service-Bereitschaft der Staff, die nie förmlich oder überinszeniert zu wirken. Dass mal ein kleiner Fauxpas passieren kann, soll diese Feststellung nicht in Abrede stellen.
Ein spektakuläres Entertainment ist übrigens nicht Sache bei Scenic. Im kleinen, aber sehr komfortablen Theater werden informative Dokumentationen oder Talks geboten, abends Filme oder musikalische Präsentationen. Auch Trivia, Quiz und andere Unterhaltungen oder Aktivitäten stehen mal auf dem Tagesprogramm.
5. Aspekt: Der All-Inklusive-Luxus

Was Scenic Luxury Cruises weiter auszeichnet ist ein umfassendes All-Inklusive-Konzept, das sich in der Luxus-Industrie sehen lassen darf. Inbegriffen sind nebst sämtlichen Spezialitäten-Restaurants und (mit Ausnahme der erwähnten Chairman-Weinlist oder den Spa-Anwendungen) sämtliche Premium-Getränke, gutes Starlink-Wifi und alle Trinkgelder.
Ebenso inkludiert ist eine ansprechende Auswahl an Exkursionen. Auf unserer Reise wählten wir etwa in Kopenhagen aus vier Angeboten einen spannenden Besuch des ehemaligen Geländes der Carlsberg-Brauerei, heute ein zukunftsgerichtetes Wohnquartier mit einem letzten Brauerei-Gebäude als stimmungsvolles Museum.
Auf der deutschen Ostsee-Insel Rügen ging es auf einen naturnahen Abstecher in den Jasmund-Nationalpark mit seinen prächtigen Kreidefelsen beim Königsstuhl und einer anschliessenden 1,5-Stunden-Wanderung durch den mystischen Buchenwald.
Speziell sind die gelegentlichen «Scenic Enrich»-Events, exklusive Anlässe wie etwa in Kopenhagen der Besuch des Royal Danish Theaters mit kammermusikalischem Welcome in einem prächtigen Saal und einer interessanten Tour hinter den Kulissen.
Was im All-Inklusive-Tarif nicht inbegriffen ist, sind verständlicherweise die Heli- und U-Boot-Angebote. Scenic wird oft und in erster Linie mit diesen Features in Verbindung gebracht – tatsächlich gibt es nur ganz wenige Reedereien, die mit solchen Möglichkeiten aufwarten.
Die Scenic Eclipse 2 führt zwei Hubschrauber des Typs Airbus H130 an Bord mit, die allerdings aus regulatorischen Gründen auf unserer Reise nie zum Einsatz kamen. Zudem gibt es ein schiffseigenes U-Boot des Typs Triton für Tauchgänge mit acht Passagieren – auch diese Exklusivität kam auf unserer Fahrt nicht zum Einsatz.
Das Schiff verfügt zudem über eine Wassersport-Marina, an Bord werden Kajaks und Stand-up-Paddle-Boards mitgeführt, ebenso kostenlos nutzbare E-Bikes für individuelle Landbesuche. Vor allem für polare oder exotische Expeditionen sind natürlich Zodiacs vorhanden.
6. Aspekt: Die weltweiten Destinationen

Scenic unterscheidet drei verschiedene Reisearten: Polare ‘Expedition Voyages’, begleitet von einem Experten-Team, destinationsbezogene ‘Discovery Voyages’, begleitet von einem Discovery-Team und klassische ‘Signature Yacht Cruises’.
Die Routen-Vielfalt ist entsprechend breit und erstreckt sich über sämtliche Cruise-Reviere weltweit. Expeditionen besuchen vor allem die Antarktis, Patagonien und die Arktis, Discovery Voyages etwa Australien, den Südpazifik, Südostasien, Karibik oder Südamerika und Signature Yacht Cruise das Mittelmeer, Nordeuropa, Nordamerika oder Neuseeland.
Einzelne Routen hervorzuheben ist entsprechend schwierig – zu vielfältig ist das Angebot. Und dieses wird 2028 wie angetönt noch erweitert. Dann wird nämlich das dritte Schiff von Scenic Fahrt aufnehmen, die stärker auf Warmwasser-Yacht-Cruises ausgerichtete Scenic Ikon.
Der Neubau wird mit 25’500 BRZ grösser ausfallen als die beiden bisherigen Discovery Yachten, aber nur 270 Gäste aufnehmen – die Space-Passenger-Ratio von 94 dürfte ein neuer Höchstwert in der Industrie darstellen und den Begriff «Spaceship» pulverisieren.
Beat Eichenberger, Gdansk








